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Xanten
Konkurrenz fürs Gymnasium

Xanten: Konkurrenz fürs Gymnasium
Franz-Josef Klaßen, Leiter des Stiftsgymnasiums, fehlt in der Liste der Befürworter. FOTO: ostermann (archiv)
Xanten. Bereits zum Schuljahr 2013/14 soll die neue Gesamtschule Xanten-Sonsbeck starten. Damit bekommt Xanten eine zweite Oberstufe. Genau das sollte ursprünglich vermieden werden, um das Stiftsgymnasium nicht zu schwächen. Von Josef Pogorzalek

Jetzt ist es offiziell: Xanten und Sonsbeck sollen gemeinsam eine Gesamtschule gründen. Am Mittwoch befasst sich der Sonsbecker Schulausschuss mit dem Thema, am 12. September der Xantener. Eile ist geboten, denn die neue Schulform soll zum Schuljahr 2013/14 an den Start gehen. Damit das möglich ist, müssen die Anträge bis zum 30. November bei der Bezirksregierung gestellt werden.

Hintergrund für den neuen Vorstoß zur Änderung der Schullandschaft ist das Scheitern der Planung einer Sekundarschule. Wie berichtet hatte die notwendige Elternbefragung nicht die erforderlichen Ergebnisse erbracht.

Einer Gesamtschule Xanten (ohne Sonsbeck) mit eigener Oberstufe stand Bürgermeister Christian Strunk zunächst skeptisch gegenüber. Man wolle keine Konkurrenz zum Gymnasium schaffen, lautete sein Standpunkt. Zudem sei es fraglich, ob die künftigen Schülerzahlen für eine zweite Oberstufe in Xanten überhaupt ausreichten.

Die Wende kam nach einem Gespräch bei der Bezirksregierung. Hieß es vorher, eine Gesamtschule mit einem Teilstandort sei nicht möglich, so wurde in Düsseldorf die Teilstandort-Lösung als machbar dargestellt. "Wir waren selbst überrascht, sagte gestern Christian Strunk. Mit den zusätzlichen Schülern aus Sonsbeck, so die Überlegung, könnte sich eine zweite Oberstufe in Xanten rechnen."

Tatsächlich ist Strunk überzeugt: "Die Gesamtschule wird einen starken Zug entwickeln." In der näheren Umgebung gebe es keine andere Schule dieser Form, die nächsten Gesamtschulen sind in Goch, Wesel und Kamp-Lintfort, sowie in Rheinberg als Gemeinschaftsschule. Erwartet wird auch, dass die Gesamtschule eine "zusätzliche Klientel" zum klassischen Gymnasium ansprechen wird. Doch das sind letzten Endes nur Hoffnungen. "Genaues wissen wir erst in ein paar Jahren", so Strunk.

Der Xantener Ratsvorlage sind die Bauchschmerzen anzumerken, mit der sie angefertigt wurde. Es sei nicht von einer "1:1-Konkurrenzsituation" zum Gymnasium auszugehen, heißt es in dem Papier. Und: "Wichtig erscheint der Verwaltung in diesem Zusammenhang, dass künftig kein ,Gegeneinander' beider gymnasialer Oberstufen, sondern mindestens ein kollegiales ,Nebeneinander', bestenfalls im Sinne einer partnerschaftlichen Kooperation ein ,Miteinander' entsteht. Dies würde die Nachteile zurückgehender Kinderzahlen für das Stiftsgymnasium deutlich abmildern." Echte Zuversicht klingt anders.

Christian Strunk macht keinen Hehl daraus, dass er persönlich nach wie vor besorgt ist, das Gymnasium könne wegen der Attraktivität einer Gesamtschule doch geschwächt werden. Eine qualitätsvolle gymnasiale Oberstufe müsse Wahlmöglichkeiten und Differenzierungen erlauben, die allerdings nur dort möglich sind, wo es Schüler in ausreichender Zahl gibt.

Xantens Fraktionen haben ihre Unterstützung für die Gesamtschule bereits angekündigt. Auch die meisten Schulleiter haben sich für die Gesamtschule ausgesprochen. In der Liste der Zustimmer fehlt aber einer: Franz-Josef Klaßen, Leiter des Stiftsgymnasiums. "Im Grunde ist das eine politische Entscheidung und keine pädagogische", sagte er gestern. Er wolle im Xantener Schulausschuss zu den Plänen beziehen. "Das wird bestimmt sehr spannend." Bestimmt.

(RP/rl)
 
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