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Xanten
Neuer Fußboden für den Dom

Xanten. Die alten Platten werden nach etwa 50 Jahren rausgerissen: Feuchtigkeit hatte Salze gelöst, so dass einige Stellen an der Oberfläche abplatzen. So bestand die Gefahr, dass Besucher stürzen. Die neuen Platten sollen länger halten. Von Peter Kummer

Nichts hält ewig, auch nicht der Steinboden in einem 750 Jahre alten Dom. Doch einige Dekaden hätte Johannes Schubert, Leiter der Dombauhütte, den quadratischen Steinen schon noch gerne gegeben. Sie wurden vor erst rund 50 Jahren verlegt - für einen solchen Bodenbelag ist das kein Alter. Dass der Boden nun doch getauscht werden soll, liegt daran, dass die Qualität nicht gehalten hat, was man sich Anfang der 60er-Jahre von ihr versprochen hatte. Wer heute genau hinsieht oder seine Finger über die nur scheinbar spiegelglatten Platten streichen lässt, entdeckt überall auf dem Kalkstein Abplatzungen. Darum wird der Belgische Maaskalk nach und nach erneuert. Inzwischen ist unter den Seitengewölben mehr als die Hälfte geschafft. Das Mittelschiff kommt am Ende der Arbeiten an die Reihe.

Der Austausch des Bodens ist eigentlich eine typische Winterarbeit. Meist erledigt man sie, wenn es draußen kalt und regnerisch. Da es aber zu Verzögerungen gekommen ist, als eine Schutzverglasung für das Norbertfenster an der Südseite des Doms eingebaut wurde, verzögerten sich auch andere Arbeiten: die Verlegung der Platten und Arbeiten an den Wänden.

Dass beides nun im Sommer erledigt werden muss, hat auch Vorteile. Während draußen bisweilen schweißtreibende Temperaturen herrschen, kann Bildhauer Hilmar Müller in der Kühle des Doms die Platten unter vier Gewölbefeldern verlegen. Das ist eine doppelt so große Fläche wie sonst. Plastikfolien schützen den Heiligkreuz-Altar aus dem 19. Jahrhundert und den Märtyrer-Altar von 1525 gegen Staub. Zusätzliche Klimatisierung verhindert, dass sich unter der Plane Schimmel auf dem Holz bildet.

Die Abplatzungen sind Folge aufsteigender Feuchtigkeit. Die löste Salze, die so nach oben kamen und einzelne Steinschichten wegsprengten. Der Boden ist deshalb uneben und kann so leicht zur Stolperfalle werden.

"Der Dom steht auf einem ehemaligen Gräberfeld aus römischer und fränkischer Zeit", erläutert Schubert. Durch Zersetzungen im Erdreich komme es zu einer besonders hohen Konzentration an Salzen unter dem Dom. Diese konnten nicht ausgewaschen werden, da schon vor dem Kirchengebäude ein anderer Bau an dieser Stelle gestanden hat.

Die schlimmste Arbeit ist inzwischen erledigt. Allein 30 Tonnen Mörtel mussten mit Hand, Schubkarre für Schubkarre in den Dom gebracht werden. Dazu kommen rund 1500 der schwarz-melierten Platten mit einer Kantenlänge von 29 Zentimetern.

Bei genauerem Hinsehen sind noch Einschlüsse wie Krebstiere oder sehr kleine Muscheln zu erkennen, vermutlich rund 300 Millionen Jahre alt.

In die neu verlegten Platten setzt Schubert große Hoffnung - so geht er zum Beispiel davon aus, dass sie mindestens doppelt so lange halten wie der alte Belag. Dazu beitragen soll der neue, etwa 14 Zentimeter dicke Mörteluntergrund. Er lässt die Feuchtigkeit nicht mehr aufsteigen. So kann sie nicht in die Platten eindringen, sondern wird durch Fugen abgeleitet. Dazu dienen auch die Schlitze entlang der Wände und Pfeiler, durch die der Feuchtigkeitsdampf ebenfalls in den Raum entweichen kann.

"Ich hoffe, wir haben dann Ruhe. Nächstes Jahr nehmen wir weitere Felder in Angriff", sagt Schubert. Der Dom ist und bleibt also eine ewige Baustelle. Zu tun gibt es für die Mitarbeiter der Dombauhütte immer mehr als genug. Allein für den Austausch des restlichen Steinbodens rechnet Schubert mit fünf Jahren.

Quelle: RP
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