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Überschwemmung in Houston
Prediger öffnet Kirche für Flut-Opfer angeblich erst nach Kritik

Pfarrer öffnet Kirche für Hurrikan-Opfer angeblich erst nach heftiger Kritik
Houston. Tausende sind durch den Sturm "Harvey" obdachlos geworden. Trotzdem nahm die Lakewood-Kirche zunächst keine Hochwasseropfer auf. Pfarrer Joel Osteen wird deshalb fehlende Nächstenliebe vorgeworfen. Der Prediger fühlt sich zu Unrecht beschuldigt.

Als viele Menschen ihr Zuhause verloren, schloss die Lakewood-Kirche in Houston ihre Türen. Das Gebäude sei wegen einer "schweren Überschwemmung nicht zugänglich", ließ Pfarrer Joel Osteen am Montag (Ortszeit) auf Facebook mitteilen – verbunden mit einer Liste von anderen Notunterkünften in der Umgebung. "Wir wollen Euch helfen, dass Ihr Euch in Sicherheit bringen könnt." Zu diesem Zeitpunkt rechneten die Behörden bereits damit, dass in Houston und Umgebung Zehntausende durch Sturm "Harvey" obdachlos werden.

Fotos: Verwüstungen und Tote durch "Harvey" in Texas FOTO: rtr, AL/KAT

Viele Menschen reagierten deshalb verärgert auf die Mitteilung des Predigers. Andere Kirchen in der Region nahmen Hochwasseropfer schließlich auf, und in der großen Lakewood-Kirche hätten viele Menschen Unterschlupf finden können – sie hat mehr als 16.000 Sitzplätze. Außerdem behauptete ein Nutzer auf Twitter, dass sie gar nicht überschwemmt sei. "Keine Überflutung der Straßen rund um das Gebäude", schrieb er und veröffentlichte Fotos, die das belegen sollten. 

Dass Osteen ein wohlhabender Mensch sein soll, trug vermutlich zur Empörung bei. Er selbst wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern in einem Villenviertel der Stadt und gehört zu den Vertretern des sogenannten Wohlstandsevangeliums, demzufolge Vermögen und Erfolg der sichtbare Beweis für Gottes Gunst sind. Der Prediger möge das Evangelium noch einmal lesen und seine Kirchenpforten sofort öffnen, schrieb jemand in einer Protestnoten auf Twitter.

Osteen weist die Anschuldigungen zurück. Tausende hätten zunächst in einer Notunterkunft der Stadt in der Nähe unterkommen können, sagt der Prediger in einer Videobotschaft. "Sie brauchten unsere Kirche zu dem Zeitpunkt nicht als Unterkunft." Und er sei nicht davon ausgegangen, dass so viele Menschen ein Dach über dem Kopf suchen würden. Seitdem aber die Unterkunft der Stadt belegt sei, nehme er Hochwasseropfer auf, zumal die Gefahr gesunken sei, dass auch seine Kirche überschwemmt werden könne. "Wir haben hier Menschen empfangen, sobald das Wasser zurückging", betont der 54-Jährige.

Als Beleg für sein Engagement lässt Osteen auf Facebook jetzt immer mehr Fotos von Hilfsbedürftigen in seiner Kirche veröffentlichen – getreu dem Motto: Tue Gutes und rede darüber. Mit Öffentlichkeitsarbeit kennt er sich aus: Osteen predigt Woche für Woche vor rund 45.000 Gläubigen und erreicht übers Fernsehen angeblich mehrere Millionen Menschen.

(wer/kna)
 
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