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Abgelegene Gemeinde von Ureinwohnern
Vier Tote bei Schießerei im Norden Kanadas

Kanada: Vier Tote bei Schießerei im Norden
An dieser Schule in La Loche ereignete sich die Bluttat. FOTO: ap
Toronto. Schießereien an Schulen sind eine Seltenheit in Kanada. Umso tiefer sitzt der Schock nach einer Bluttat in einer abgelegenen Gemeinde von Ureinwohnern. Vier Tote sind zu beklagen. Ein Verdächtiger ist gefasst, das Motiv noch unklar.

Ein Bewaffneter hat an einer Oberschule und einem weiteren Ort im Norden Kanadas vier Menschen erschossen und zwei weitere verletzt. Der mutmaßliche Schütze wurde festgenommen, wie Premierminister Justin Trudeau am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos mitteilte. Zunächst hatte er von fünf Toten gesprochen, doch korrigierte die Polizei die Opferzahl später herunter. "Das ist der schlimmste Albtraum aller Eltern", sagte Trudeau. Das Motiv für die Tat blieb zunächst im Dunkeln.

La Loche in der Provinz Sasketchwan

In dem Ort La Loche in der Provinz Sasketchwan fielen nach Angaben des Premierministers sowohl an einer Oberschule als auch an einem anderen Ort Schüsse. Zum zweiten Schauplatz nannte Trudeau jedoch zunächst keine Details. In der abgelegenen Gegend leben überwiegend kanadische Ureinwohner von der Volksgruppe der Dene.

Der Anwohner Kevin Janvier sagte der Nachrichtenagentur AP, seine 23 Jahre alte Tochter, eine Lehrerin, sei von dem Angreifer erschossen worden. Die Polizei habe ihn zudem darüber informiert, dass der Verdächtige zu Hause zunächst auf seine zwei Brüder gefeuert habe, ehe er sich auf dem Weg zur Schule gemacht habe. "Ich bin so traurig", sagte Janvier weiter. Ob der Schütze seine Tochter gekannt habe, wisse er nicht.

 "Renne, Bruder, renne!"

In der Oberschule war der 16-Jährige Noel Desjarlais-Thomas nach dem Mittagessen gerade auf dem Weg zurück ins Klassenzimmer, als seine Freunde an ihm vorbeigestürmt seien. "Renne, Bruder, renne!", hätten sie ihm zugerufen. "Und dann habe ich diese Schüsse auch gehört, und bin dann natürlich auch gerannt."

An der Schule in La Loche lernen Siebt- bis Zwölfklässler. Das Gebäude wurde abgeriegelt. Über ihre Facebook-Seite teilte die Schule mit, sie würde geschlossen bleiben, bis die Polizei die Lage unter Kontrolle habe.

Vor der Schule sei der Schütze schließlich festgenommen worden, sagte Polizeichefin Maureen Levy. Details zu dem Verdächtigen nannte mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht. Auch die genaue Zahl der Verletzten sei noch unklar. Premierminister Trudeau hatte von zwei Menschen in kritischem Zustand gesprochen.

 

Schießereien an Schulen sind in Kanada selten. Der Regierungschef von Saskatchewan, Brad Wall, zeigte sich bestürzt über die Bluttat. "Worte können meinen Schock und Kummer über die schrecklichen heutigen Ereignisse in La Loche nicht ausdrücken", teilte er mit.

Bobby Cameron, Vorsitzender des Vereinigung der Ureinwohner in Saskatchewan, sprach von der schlimmsten Tragödie, die die Gemeinde je heimgesucht habe. "So etwas hätte man sich hier nie vorstellen können. Die ganze Gemeinde, die Provinz und das Land sind getroffen und wir tragen alle Trauer."

(spol/ap)
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