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Anschlagsserie in Paris
Das sind die Helden der Terrornacht

Paris erlebte eine Nacht voller Helden
Ein Besucher des Bataclan hielt auf seiner Flucht inne, um eine Frau vom Sims zurück ins Innere zu ziehen. Der Journalist Daniel Psenny filmte die dramatischen Momente. FOTO: afp, eba
Paris. Die Terrorwelle vom 13. November hat Europa erschüttert - aber die Nacht von Paris macht auch Mut. Sie offenbarte, wie Menschen in höchster Not über sich hinauswachsen können. Hier sind einige ihrer Geschichten.

Es war eine der dunkelsten Stunden Europas seit dem Zweiten Weltkrieg – doch gleichzeitig taugen die Anschläge von Paris zum Symbol der Menschlichkeit. Fünf aufopferungsvolle Taten inmitten des Terrors haben das Zeug zur Heldengeschichte.

Mit der Dienstwaffe gegen Terroristen

Zwei Streifenpolizisten sind als erste am Konzertsaal Bataclan. Offenbar erkennen sie sofort den Ernst der Lage. Im Saal fallen Schüsse, dort wird gemordet. Sie entschließen sich, auf eigene Faust zu handeln. Ohne die Ankunft des Spezialkommandos für Massengeiselnahmen abzuwarten, stürmen sie den Saal. Ihr Mut wird erst drei Tage später publik. "Sie haben ihre Waffen eingesetzt und einen Angreifer getroffen und ihn getötet", erzählt Céline Barthon von der Polizeigewerkschaft dem Fernsehsender France Inter.

Retter in der Feuerpause

Der Mitarbeiter des italienischen Restaurants "Casa Nostra" mit Namen Safer sieht draußen auf der Terrasse zwei schwer verletzte Frauen. Unmittelbar zuvor ist der Terror losgebrochen, mit ihren Schnellfeuergewehren haben die Attentäter auf der Rue de la Fontaine au Roi um sich geschossen. "Glassplitter flogen durch die Luft und trafen unsere Gesichter", erinnert sich der Moslem mit algerischen Wurzeln gegenüber der BBC. Als das Schießen stoppt, rennt er ohne an sich selbst zu denken nach draußen und zieht die Verwundeten ins Gebäude. Während er versucht, die Blutung zu stoppen, hört er, wie das Schießen wieder beginnt.

Die vielen Helfer des Augenblicks

Eine Dreiviertelstunde nach dem Ende des Fußballspiels verlassen 70.000 Menschen das Stade de France. 70.000 wissen in diesen Minuten nicht, wie es weitergeht. Manche stehen schutzlos und heimatlos in der Nacht. Bahnen fahren nicht, es herrschen Chaos und Angst. Doch überall tun sich rettende Türen auf, wie unser Reporter Gianni Costa beobachtet. Taxifahrer transportieren gratis Passagiere, Fahrgemeinschaften bilden sich, jeder hilft jedem. Anwohner stehen vor ihren Häusern und bieten Suchenden einen Schlafplatz an, die nicht weiter wissen – ganz gleich, welcher Herkunft und Hautfarbe. Der Hashtag #PortesOuvertes ("Offene Türen") wird zum Symbol der Hilfsbereitschaft.

Beschützer ohne Namen

Berühmt wird nach dem Horror im Bataclan die Schilderung der 22-jährigen Südafrikanerin Isobel Bowdery. Sie überlebte. Auf Facebook dankt sie ihren Beschützern. Ihren "Helden", wie sie sie nennt. "Dem Mann, der mich beruhigte und sein Leben aufs Spiel setzte, als er meinen Kopf bedeckte, während ich wimmerte." Zu ihrem Facebookbeitrag lud die junge Frau ein Foto eines blutigen Oberteils hoch, das sie an dem Abend angeblich trug. Der Beitrag wurde mehr als 800.000 Mal geteilt. Wer ihr Beschützer war, bleibt ungewiss.

Lebenretten während der eigenen Flucht

Mit einem dramatischen Video filmt der französische Journalist der Tageszeitung "Le Monde" aus seiner Wohnung, wie einige Konzertbesucher aus dem Hinterausgang der Konzerthalle Bataclan flüchten. Darunter auch eine Frau, die aus dem Fenster geklettert ist, um sich zu retten und nun etwa 15 Meter über der Straße an der Wand des Gebäudes hängt. Obwohl er selbst um sein Leben läuft, hält ein Mann namens Sébastien inne und hilft ihr zurück ins Innere. Ihren Retter findet die junge Frau später unter dem Hashtag #RechercheParis über Twitter wieder

(pst)
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