| 16.30 Uhr

Brandanschlag auf die Brotvermehrungskirche am See Genezareth
Jüdische Fanatiker als Täter unter Verdacht

Aufräumen nach Feuer im deutschen Benediktinerkloster in Israel
Aufräumen nach Feuer im deutschen Benediktinerkloster in Israel FOTO: ap
Tabgha. Bei einem Brandanschlag mutmaßlich jüdischer Fanatiker ist in der Nacht zum Donnerstag ein von deutschen Mönchen verwalteter Pilgerort am See Genezareth stark beschädigt worden.

"Auf den Kirchenmauern haben wir danach Schmähparolen auf Hebräisch gefunden", teilte die Polizei mit. In der Nähe festgenommene jugendliche Siedler wurden nach Verhören wieder freigelassen. Die israelische Regierung verurteilte die Tat scharf; der deutsche Botschafter eilte zum Anschlagsort.

Die römisch-katholische Brotvermehrungskirche im Benediktinerpriorat Tabgha gilt gläubigen Christen als der Ort, an dem Jesus Christus der christlichen Überlieferung zufolge bei der Speisung der Fünftausend eines seiner größten Wunder vollbrachte, indem er fünf Brotlaibe und zwei Fische vermehrte. Besonders ihre Mosaiken sind kulturgeschichtlich wertvoll.

Nach Angaben von Polizeisprecher Micky Rosenfeld wurden zwei Menschen mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus gebracht. Der deutsche Pater Matthias vom Benediktinerorden, der die Stätte verwaltet, sagte, der Brand habe ein angebautes Atrium vollständig zerstört. Auch ein Säulengang wurde demnach stark beschädigt. "Der Kirche selbst ist Gott sei dank nichts passiert", sagte der Benediktinermönch AFP.

Mit den hinterlassenen Parolen auf Althebräisch werden "Heiden" geschmäht, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Zudem wird zur "Zerstörung von Götzen" aufgerufen, wobei es sich um eine Zeile aus einem Gebet handelt, das gläubige Juden dreimal täglich an Gott richten.

Nahe dem Tatort wurden 16 Jugendliche aus israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland festgenommen, die aber nach Verhören wieder freigelassen wurden. Zehn der Befragten kommen aus der Siedlung Jizhar, einer Hochburg extremistischer und gewaltbereiter Siedler. Da sich der Verdacht nicht erhärten ließ, sei die Freilassung ohne jegliche Auflagen erfolgt, teilte Polizeisprecherin Luba Samri mit.

Der israelische Präsident Reuven Rivlin versicherte Abt Gregory Collins, Oberhaupt des Benediktinerordens in Israel, sein Land sei "als Staat und als Gesellschaft verpflichtet, die heiligen Stätten aller Religionen zu schützen und zu bewahren". Auch der jüdische Oberrabbiner David Lau verurteilte die Tat.

Der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, reiste am Vormittag nach Tabgha und erklärte, es müsse gewährleistet werden, dass religiöse Einrichtungen "in Israel ebenso wie in Deutschland und Europa geschützt sind und bleiben.

Vorfälle dieser Art dürfen sich nicht wiederholen." Hanan Aschrawi, in der PLO-Führung für Kulturfragen zuständig, bezichtigte die israelische Regierung, ihre "Politik der Diskriminierung und der Zurückweisung anderer Glaubensrichtungen" fördere solche Hasstaten.

Seit einigen Jahren gibt es in Israel und im besetzten Westjordanland häufig Anschläge auf christliche und muslimische Gotteshäuser, wobei die hinterlassenen Parolen auf Taten jüdischer Fanatiker und extremistischer Siedler hinwiesen. Die Aufklärungsquote ist sehr gering.

Auch der Pilgerort Tabgha war im April 2014 kurz vor dem Papstbesuch im Heiligen Land bereits Ziel kirchenfeindlicher Angriffe. Jugendliche Nationalreligiöse beschmierten dort einen Altar, beschädigten Kreuze und griffen Pilger an, als diese einschritten.

Die ab 1980 im byzantinischen Stil neu errichtete Brotvermehrungskirche im Priorat Tabgha an der Nordwestecke des Sees Genezareth umschließt die Überreste von zwei Vorgängerbauten aus dem vierten und fünften Jahrhundert. Berühmt sind vor allem die Mosaikböden. Besonders verehrt wird ein Mosaik am Altar, das einen Brotkorb und zwei Fische zeigt. Zum Klostergelände gehören auch eine Jugendbegegnungsstätte und ein Pilgerhaus.

(AFP)
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