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Berlin
Berliner Bärchen

Berlin. Zwei Tage nach ihrer Geburt sind die Eisbären-Zwillinge im Berliner Tierpark gesund und munter. Eisbärin "Tonja" erweist sich als fürsorgliche Mutter. Von Beate Wyglenda

Der Blick über die Überwachungskameras ins Eisbärenrevier macht den Pflegern des Berliner Tierparks Friedrichsfelde dieser Tage besonders viel Freude: Die am Donnerstag geborenen Zwillinge sind wohlauf und mobil. Noch erinnern sie blind, taub, mit rosa Schnäuzchen und Schlappöhrchen zwar eher an zu groß geratene Meerschweinchen. Christiane Reiss, Sprecherin des Tierparks im Osten der Stadt, bestätigt aber: "Den Bärchen geht es gut." Muttertier "Tonja" kümmere sich in ihrer Brutbox liebevoll um die Jungen. Trotzdem heißt es zunächst noch Daumendrücken. Denn die Sterblichkeit bei Jungtieren liegt bei 50 Prozent.

Wie Tierparkdirektor Andreas Knieriem erklärt, seien vor allem die ersten 14 Tage für die rund 30 Zentimeter großen Tierbabys kritisch. Hinzu komme, dass die sechsjährige Mutter als Erstgebärende noch unerfahren sei. Bislang allerdings kann sie mit ihren Qualitäten überzeugen: "Sie macht es intuitiv ganz richtig", sagt Kurator Florian Sicks. "Sie bleibt immer ganz nah an den Jungtieren und hält sie dicht an ihrem wärmenden Körper." Deshalb zeigt man sich verhalten optimistisch, dass eventuell beide Jungtiere überleben könnten.

Entscheidend für die tierische Kleinfamilie ist jetzt vor allem Ruhe. Auch die Tierpfleger halten sich von der Wurfbox fern. "Wir müssen uns im Moment mit den Bildern aus der Überwachungskamera zufrieden geben", erklärt Reiss. Leider ist auf denen bislang nicht klar zu erkennen, ob es sich bei dem schneeweißen Nachwuchs um Männchen, Weibchen oder ein gemischtes Pärchen handelt. "Die Frage nach möglichen Namen stellt sich vorerst also noch nicht", sagt Reiss.

Noch mehr Geduld müssen die Besucher aufbringen, bis sie die Eisbären-Babys erstmals zu sehen bekommen. Erst im Frühjahr kriechen die Jungtiere im Normalfall aus ihrer Wurfhöhle. Das ist auch in der freien Natur so. "Die Eisbärenmutter kommt mit ihnen erst aus dem Stall, wenn die jungen Eisbären stabil sind und laufen können", erklärt Reiss. Damit sei voraussichtlich im März zu rechnen.

Eines jedoch kann man schon mit Gewissheit sagen: Überleben die kleinen Eisbären, dann haben sie das Zeug zu echten Medienstars. Das war zuletzt auch bei Eisbär "Fiete" der Fall, über dessen Geburt Ende 2014 im Rostocker Zoo selbst Medien in den USA und Australien berichteten. Auch als Eisbär "Flocke" sich im April 2008 erstmals im Gehege im Nürnberger Tiergarten präsentierte, übertrugen Fernsehsender die Livebilder in alle Welt. Der größte tierischer Star Deutschlands hieß aber "Knut". Seit seiner Geburt im Dezember 2006 gehörte der knuddelig-tapsige Eisbär zu den Attraktionen der Hauptstadt.

Auch "Knut" kam zusammen mit einem Bären-Geschwisterchen im Zoo im Westen Berlins zur Welt. Doch nur er überlebte. Seine Mutter kümmerte sich nicht. Er musste von Menschenhand gefüttert werden. Als es Pfleger Thomas Dörflein gelang, das Fellknäuel erfolgreich mit der Flasche aufzuziehen, begann im März 2007 der Hype um den Bären. Für seine Fans wurde er zum Symbol für bedrohte Arten, für den Berliner Zoo zum Kassenschlager: Elf Millionen Menschen kamen zum "Knut-Gucken". Der Zoo verdiente mit Eintritt und Merchandising dringend benötigte Millionen. Doch dann trieb der fünf Jahre alte Eisbär im März 2011 plötzlich tot im Wassergraben, eine Gehirnentzündung war schuld. Das Tier bekam in den Medien Nachrufe wie ein Promi. Heute steht er ausgestopft im Berliner Naturkundemuseum.

Für den Tierpark im Osten Berlins sind die Zwillinge der erste Eisbären-Nachwuchs nach 22 Jahren. Selbst wenn die Jungtiere nicht überleben sollten - die Geburt allein ist für Tierpfleger und Kuratoren eine gute Nachricht. Sie wissen nun, dass ihre Eisbären fruchtbar sind und "Tonja" Mutterinstinkte hat.

Quelle: RP
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