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Unbeschreibbare Verhältnisse
Überlebende schildern im Lüneburger Prozess Grauen in Auschwitz

Auschwitz: Bilder vom Ort des Verbrechens
Auschwitz: Bilder vom Ort des Verbrechens FOTO: RP/Sebastian Fuhrmann
Lüneburg. Im Lüneburger Auschwitz-Prozess haben Überlebende das Grauen in dem Vernichtungslager geschildert. "Wir sind dort gestanden - kahlgeschoren und splitternackt", berichtete Eva Pusztai-Fahidi am Dienstag auf Deutsch über die Ankunft ihrer Familie in Auschwitz-Birkenau. "Die Verhältnisse sind unbeschreibbar."

Pusztai-Fahidi war 1944 mit ihrer Familie aus Ungarn tagelang in einem Viehwaggon und unter unmenschlichen Umständen nach Auschwitz deportiert worden. Die 89-Jährige verlor 49 Familienangehörige im Holocaust, darunter ihre Eltern und ihre Schwester. "Ein SS-Mann in Auschwitz hat mehr Macht gehabt als der Herrgott im Himmel", sagte sie.

Beihilfe zum Mord in mehr als 300.000 Fällen

Am Landgericht Lüneburg muss sich der frühere SS-Mann Oskar Gröning (93) wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen während der sogenannten "Ungarn-Aktion" verantworten. Der frühere Freiwillige der Waffen-SS hatte sich zu Prozessbeginn zu seiner moralischen Mitschuld bekannt. In dem KZ im besetzten Polen ließ das NS-Regime mehr als eine Million Menschen ermorden, die meisten waren Juden.

Nach Pusztai-Fahidi schilderte die 86 Jahre alte Hedy Bohm die Verschleppung ihrer Familie nach Auschwitz-Birkenau Ende Mai 1944. Auch sie beschrieb die unmenschlichen Bedingungen. Gleich nach der Ankunft wurde sie demnach von den Eltern getrennt, erst vom Vater, kurz darauf auch von der Mutter. "Wir haben uns niemals verabschiedet, wir haben uns nie wiedergesehen", sagte Bohm über die Trennung vom Vater. Bis zuletzt habe sie gehofft, die Eltern nach dem Krieg wiederzusehen. Während der ganzen Zeit in Lager C habe sie nichts über die Gaskammern und Krematorien gewusst. "Ich weiß nicht, wie ich so naiv sein konnte", sagte sie dazu.

Auschwitz - Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung FOTO: afp, IW

Kein Gefühl der Rache, aber auch keines der Vergebung

Sie verspüre kein Gefühl der Rache, aber sie könne auch nicht vergeben - "niemals", betonte die 86-Jährige zum Schluss ihrer auf Englisch gemachten Aussage. "Vielleicht kann Gott vergeben, ich kann es nicht."

Der Historiker Frank Bajohr betonte als Gutachter, der Massenmord an den europäischen Juden sei zugleich ein Massenraub gewesen. Aus Auschwitz und anderen Vernichtungslagern seien Millionensummen an Devisen und tonnenweise Gold nach Berlin zum Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS gebracht worden. Gröning hatte gestanden, als Mitarbeiter der Häftlings-Geldverwaltung im KZ das Geld der Opfer an die SS weitergeleitet zu haben.

Der Gutachter sagte auch, er halte es aufgrund der Aktenlage für nicht sehr wahrscheinlich, dass Gröning schon 1942/1943 kurz nach seiner Ankunft ein erstes Versetzungsgesuch geschrieben habe, wie von ihm ausgesagt.

Begegnung mit dem Grauen von Gestern FOTO: Sepp Spiegl
(dpa)
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