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Prozesss in Bremervörde
Angeklagter im Gaffer-Prozess zu Haftstrafe verurteilt

Bremervörde: Angeklagter im Gaffer-Prozess zu Haftstrafe verurteilt
Die Angeklagten und ihre Anwälte im Gerichtssaal (Archiv). FOTO: dpa, crj pat jol
Bremervörde. Das Amtsgericht Bremervörde hat einen Mann zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er nach einem Autounfall einen Polizisten verletzt hatte. Der Vorwurf, er habe als Gaffer die Einsatzkräfte behindert, konnte dagegen nicht bewiesen werden – weil das Handy des Angeklagten fehlte. 

Verhandelt wurde ein Unfall, der das beschauliche Bremervörde (Niedersachsen) am 5. Juli 2015 erschütterte und die Kleinstadt auf einen Schlag auch bundesweit bekannt machte. An einem heißen Sommer-Sonntagabend krachte ein Kombi ungebremst in die Eisdiele "Pinocchio", ein zweijähriger Junge und ein 65 Jahre alter Rentner starben, weitere Menschen wurden verletzt.

Auto rast in Eisdiele - Zwei Menschen gestorben FOTO: dpa, hpl

Am Rande des Unfallortes kam es zu hässlichen, tumultartigen Szenen. Der Angeklagte habe daran seinen Anteil gehabt, sagte Richter Florian Pflug. Der 27-Jährige hielt sich damals mit einen Handy in der abgesperrten Unfallzone auf. Polizisten forderten ihn auf zu gehen, was er ignorierte.

Polizisten in den Schwitzkasten genommen

Es erging ein Platzverweis, den der Mann ebenfalls ignorierte. Die Situation eskalierte. Zwei Beamte streiften sich Handschuhe über und brachten den 27-Jährige zu Fall, der junge Mann rastete dann wohl aus, wehrte sich heftigst und wie von Sinnen, wie es die Staatsanwältin beschrieb.

Er nahm einen Polizisten am Boden hart in den Schwitzkasten, sein Griff konnte nur durch zwei Männer gelöst werden. Es gab Schürfwunden und Prellungen auf beiden Seiten, auch eine Brille ging zu Bruch. Der 20-jährige Bruder mischte sich ein, griff einen Feuerwehrmann an. Nur der 36-Jährige sprach zunächst beruhigend auf seinen Bruder ein, wollte deeskalieren, bis auch er einem Polizisten Prügel androhte.

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Bedrohung, Körperverletzung, versuchte Nötigung – die Anklageschrift listete schwere Vorwürfe auf. "Geplatzt wie eine Seifenblase" seien diese Anschuldigungen, sagte Lars Zimmermann, der Verteidiger des 27-Jährigen. Er forderte Freispruch. 

Weder habe bewiesen werden können, dass sein Mandant Fotos oder Videos des Unfalles mit dem Handy gemacht habe, sagte der Verteidiger. Auch die Rettungsarbeiten habe sein Mandant nicht gestört.

Handy wurde nicht sichergestellt

Tatsächlich konnte nicht bewiesen werden, dass Aufnahmen gemacht wurden, denn das Handy des Angeklagten fehlt. Es sei am Unfalltag nicht sichergestellt worden, sagte der stellvertretende Sprecher des zuständigen Landgerichts Stade, Marc-Sebastian Hase. Deshalb habe sich das Gericht auch nicht mit Sicherheit davon überzeugen können, dass es zu Aufnahmen gekommen sei.

Das Gericht verurteilte den 27-Jährigen dennoch zu vier Monaten Freiheitsstrafe, sogar ohne Bewährung, wegen Widerstandes gegen die Vollstreckungsbeamten und Körperverletzung. Seine beiden Brüder kamen mit Geldstrafen von 100 und 150 Euro davon. Die Verteidiger kündigten an, dass sie Rechtsmittel  einlegen wollen.

(dpa/wer)
 
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