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Streit im Bundestag
Zoo-Chef: 19 tote Delfine in Duisburg

Streit im Bundestag: Zoo-Chef: 19 tote Delfine in Duisburg
Vier Delfine gestern bei einer Vorführung im Duisburger Zoo. FOTO: Ralf Hohl
Berlin/Duisburg. Der Bundestag streitet über die Delfinhaltung in Deutschland. Tierschützern zufolge sterben 65 bis 70 Prozent der Tiere viel früher als in Freiheit. Auch das bekannte Delfinarium in Duisburg ist Gegenstand von Diskussionen. Vorwürfe kommen aus Nürnberg. Von Michael Bröcker und Christian Schwerdtfeger

Der Leiter des Nürnberger Tierparks, Dag Encke, hat in einer Stellungnahme für den Bundestag behauptet, dass von den 26 Delfine, die im Duisburger Zoo geboren worden sind, nur sieben längere Zeit überlebt haben. Das wären mehr vorzeitig verendete Tiere als bisher bekannt. Der Duisburger Zoo wollte sich gestern nicht zu der Zahl äußern. Das NRW-Umweltministerium bestätigt in einem Schreiben bisher 15 Todesfälle in den vergangenen 20 Jahren. Das Ministerium stuft die Delfinhaltung als bedenklich ein. "Es ist fraglich, ob ein Zoo Delfinen den Platz bietet, den sie auch wirklich benötigen", sagte ein Sprecher.

Auf Antrag der Grünen beschäftigte sich gestern der Bundestag mit der Delfinhaltung. Die Grünen fordern ein bundesweites Verbot. Eine "artgerechte Haltung" sei in den Delfinarien nicht gegeben, heißt es in dem Antrag, den auch die Fraktionschefs Jürgen Trittin und Renate Künast unterzeichnet haben.

Bei der Expertenbefragung im Ausschuss für Verbraucherschutz wies der aus Neuss stammende Chef des Opel-Zoos in Frankfurt, Thomas Kauffels, die Vorwürfe zurück. "Es besteht kein Grund, die Tiere nicht zu halten." Es gebe keine tierschutzrechtlichen Probleme. Der Antrag der Grünen sei "der politische Versuch, den Zoos zu schaden". Die Delfine seien die "besten Botschafter für das maritime Leben", sagte Kauffels, der sich selbst zur "Generation Flipper" zählte.

Auch Encke wehrte sich gegen die Schließung der Delfinarien in Nürnberg und in Duisburg – trotz der zahlreichen Todesfälle: "Das hilft keinem Delfin der Welt." Gerade die stabile Sozialstruktur und die Aufzucht der Delfine in Duisburg belegten, dass die Tiere nicht leiden müssten. Ein früherer Tierarzt des Duisburger Zoos ist inzwischen in Nürnberg beschäftigt.

Die Vertreterin der Tierschutzorganisation Pro Wildlife, Sandra Altherr, kritisierte die Sterberate von 65 bis 70 Prozent bei geborenen Delfinen in deutschen Zoos. Die Vertreter der Tierparks erklärten, dass dies keine außergewöhnlich hohen Werte im Vergleich zu anderen Wildtieren sein. Die Politik forderte die Verantwortlichen dennoch auf, die Vorfälle zu untersuchen. "Die Zoos müssen dafür sorgen, dass die artgerechte Vermehrung sichergestellt ist, und die Fälle aufklären", sagte Hans-Michael Goldmann (FDP), Vorsitzender des für Tierschutz zuständigen Verbraucherschutzausschusses. Ein Verbot der Delfinhaltung lehnte er aber ab: "Das wird im Bundestag keine Mehrheit finden." Neben den FDP-Abgeordneten signalisierten auch die Unionsmitglieder im Ausschuss eine Ablehnung des Grünen-Vorstoßes. Dass der Bundestag über das Thema noch vor der Wahl entscheidet, ist unwahrscheinlich.

"Wir halten die Delfine, weil wir vor allem auf den weltweit bedrohten Bestand der Tiere hinweisen wollen", erklärt ein Verantwortlicher des Duisburger Zoos. "Wir tun alles, damit es den Delfinen gut geht."

(RP/csi/top/jh-/sgo)
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