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Wiedersehen mit dem "Bachelor"
Kniffgesicht und Ich-könnte-schon-wieder

Fotos: Der Bachelor 2016: So war das große Wiedersehen
Fotos: Der Bachelor 2016: So war das große Wiedersehen FOTO: RTL
Düsseldorf. Es ist eine liebe, schreckliche Tradition: Eine Woche nach dem Finale trifft der "Bachelor" noch einmal auf seine verschmähten Buhlerinnen. Manche von ihnen scheinen bei der Nacharbeitung der Geschehnisse etwas gelernt zu haben. Andere nicht so sehr. Von Anja Rützel

Doch, das erinnerte alles ganz stark an die Heimkehr nach einer ausgelassenen, vielleicht sogar ZU ausgelassenen Landschulheimfahrt im Fruchtlikörrausch, so rein atmo-mäßig. Wenn alle Beteiligten ins Büro der inzwischen gottlob recht altersmilden Rektorin gerufen werden, um nochmal zu erklären, was um Himmelswillen sie sich eigentlich bei alledem gedacht haben – WENN sie denn überhaupt irgendwas gedacht haben. Mit dem kleinen Unterschied vielleicht, dass es bei "Nach der letzten Rose" nicht um demolierte Jugendherbergs-Badezimmerschränkchen ging, sondern um gebrochene Herzchen.

Feuerwerk der Fremdscham

Selbst beim Zusehen aus sicherer Entfernung schaudert es einem, wenn "Bachelor" Leonard Freier nun also unter dem Moderationsvorsitz von Frauke Ludowig noch einmal mit einem Gutteil jener Frauen zusammentrifft, die er in der gerade beendeten Staffel wie eine Flotte von Neuwagen für den Dauergebrauch getestet hatte. "Ihr seht aber toll aus, ihr habt auch in den acht Wochen immer alle toll ausgesehen", schleimiert sich Freier an die ehemaligen Kandidatinnen ran, doch das nutzt ihm wenig: Einige der Frauen hatten ganz offensichtlich noch die eine oder andere Amarula-Rechnung offen.

"Er hat ja jeder irgendwas gesagt", fasste Jasmin die Problematik zusammen, eine sehr vielversprechende Einreichung für den Wettbewerb "Erkläre den "Bachelor" in sechs Worten oder weniger", und anscheinend bestand in diesem Sachverhalt der allgemeine Hauptvorwurf an Freier: Zu großzügig hatte er seine im Nachhinein dann doch eher unverbindlich gemeinten Zuneigungsbekundungen gestreut. Am härtesten traf das wohl Daniela, die am lodernsten für ihn Entbrannte, die im Finale gehen musste. "Das möchtest du nicht wissen, wie es mir ging", beschied sie dem "Bachelor" nun mit sensationellem Kniffgesicht. 

Im Schnelldurchlauf hechelte die Wiedersehenssendung durch die großen Diskurse der Staffel: Hasst Sandra wirklich Kinder? Ist Denise tatsächlich eine Heuchlerin? War Saskia wirklich schon seinerzeit mit Nico Schwanz liiert? Weil der emotionale Zunder leicht wieder zu entflammen ist, gerät das zu einem Feuerwerk der Fremdscham, garniert mit Einlassungen wie "Nie im Leben habe ich das gesagt, sonst falle ich auf der Stelle tot um".

"Es liegt nicht an dir, es liegt an mir"-Move

Eines der Highlights war dabei freilich die ausgiebige Knutsch-Retrospektive, die Freier nutzte, um der unmittelbar nach dem Knutschen geschassten Anni noch im Nachhinein sein Bachelor-Gütesiegel aufzudrücken: Küssen könne sie trotzdem gut. Leichte Verwirrung entstand bei der Frage, ob er denn auch mit Jasmin gezüngelt habe oder nicht: "Ich erinnere mich nicht" – "ich auch nicht". Noch ausführlicher hätte man sich das schmerzhaft stochernde Klärungsverhör von Daniela gewünscht, die den "Bachelor" mit klaren, direkten Fragen in die schönste Stammelei trieb, bis er schließlich Zuflucht im uralten Abgeschmackt-Move "Es liegt nicht an dir, es liegt an mir"-Move suchte.

Es wunderte schließlich auch keinen mehr, als am Ende wortreich und mit schräg-symbolischem Einspieler verkündet wurde, dass auch die hoffnungsvolle Liebe zwischen Leonard und seiner auserwählten Leonie längst wieder als gescheitert erklärt wurde, noch bevor sie überhaupt begonnen hatte, eigentlich nämlich direkt bei ihrer Rückkehr nach Deutschland, erklärte Leonie, die demütig lächelnd einräumte, "doch schon etwas wütend" gewesen zu sein – allerdings, wenn der "Bachelor" sich "noch mal richtig ins Zeug legen würde und sagen, dass er mich nicht vergessen kann, dann würde ich schon…"

Man rauft sich zuhause die fettigen Pizzapfoten bei so viel Unbelehrbarkeit. Und wundert sich dann aber nur kurz über die Metzgershundgemütigkeit von Frauke Ludowig, die zum Abschluss des Wiedersehens noch hurtig dazu aufrief, sich doch gleich noch schnell für die nächste "Bachelor"-Staffel zu bewerben, sei es als Balzbock oder als weibliche Verfügungsmasse. Wirklich: Wer diesem Aufruf nach dieser Sendung noch nachkommt, bucht auch auf einem sinkenden Schiff direkt die nächste Kreuzfahrt.

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