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Berlin
Drei Morde und ein fieser Nachbar

Berlin. Die Verfilmung von Charlotte Links Bestseller "Der Beobachter" ist düster geraten.

Die krankhafte Sehnsucht nach einem Familienleben treibt den einsamen Samson Segal (Michael Stange) dazu, seine Nachbarin rund um die Uhr mit der Kamera zu beobachten und zu dokumentieren. Daher weiß er, dass die vermeintlich heile Welt nebenan einen Riss hat: Gillian Ward (Karoline Eichhorn) hat eine Affäre mit John Burton (Andreas Pietschmann), dem smarten Handballtrainer ihrer pubertierenden Tochter. Nur ihre beste Freundin Tara Caine (Christiane Paul) weiß von der gefährlichen Liaison. Als sich Gillian für ihre Familie entscheidet und das Verhältnis mit ihrem Liebhaber beendet, wird ihr Mann Tom (Lloyd Owen) ermordet. Seltsamerweise passen die Spuren am Tatort zum Muster eines unbekannten Serienmörders, der zwei Frauen auf dem Gewissen hat.

Samson, der als Hauptverdächtiger ins Visier der Ermittlung gerät, taucht unter und versteckt sich ausgerechnet bei Gillians Lover. Auch Ex-Polizist John ist verdächtig, da er vor Jahren nach Vergewaltigungsvorwürfen den Dienst quittieren musste. Aber so richtig passt das alles nicht zusammen: Warum musste Tom sterben - die Opfer der Mordserie waren bisher nur Frauen. Während die Polizei vergeblich nach dem flüchtigen Samson fahndet, sucht Gillian mit ihrer Tochter Zuflucht bei Tara.

In der Charlotte-Link-Verfilmung "Der Beobachter" wird es nur selten richtig hell. Dass die heimlichen Treffen von Gattin Gillian mit ihrer Affäre im Dunkeln stattfinden, liegt in der Natur des Klischees im Film von "Tatort"-Regisseur Andreas Herzog. Dass der Beobachter meist in dunkler Kleidung herumläuft, weil er so besonders bedrohlich wirken soll, das musste nicht unbedingt sein. Vor allzu schlichten Figuren rettet Schauspielerin Christiane Paul den Film als Gillian Wards beste Freundin. Kleine Ausbrüche lassen Zweifel aufkommen, ob ihr kühles und zugleich fürsorgliches Verhalten alles sein kann.

Was transportiert wird, ist: Die Menschen verstehen sich nicht in dieser Geschichte. Vor allem die Mütter im Film ziehen sich zurück. Link wollte in ihrer Vorlage vom Leid der Mütter erzählen, wenn ihre Töchter sie ablehnen: "Ich empfinde Mutter-Tochter-Beziehungen als ungemein schwierig", sagte sie.

"Charlotte Link: Der Beobachter", ARD, Sa., 20.15 Uhr

(dpa/RP)
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