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Maybrit Illner
Söder kann zu Lafontaine nicht freundlich sein

Maybrit Illner: Söder kann zu Oskar Lafontaine nicht freundlich sein
Oskar Lafontaine, Deutsche-Bank-Sprecher Eigendorf, Maybrit Illner und Markus Söder in der Talkrunde. FOTO: Screenshot ZDF Mediathek
Düsseldorf. Kommt es zu einer neuen Bankenkrise in Deutschland? Mit dieser Frage beschäftigte sich Maybrit Illner in ihrem Talk am Donnerstag. Im Mittelpunkt: die Deutsche Bank. Oskar Lafontaine und Markus Söder lieferten sich dabei unterhaltsame Scharmützel.  Von Dana Schülbe

Darum ging's

Maybrit Illner malte gleich zu Beginn ein düsteres Bild vom Finanzmarkt: Kaum Zinsen für den Sparer, dafür immer mehr Gebühren, und die meisten würden der EZB die Schuld geben angesichts ihrer Niedrigzinspolitik. Aber "die Banken selbst sind offenbar das Problem, allen voran die Deutsche Bank". Und so stellt sich für die Redaktion die Frage: "Gier statt Reue – kommt die Bankenkrise zurück?"

​Darum ging's wirklich

Da auch der Konzernsprecher anwesend war, ging es letztlich doch mehr um die Krise und den Vertrauensverlust der Deutschen Bank als denn um den Markt insgesamt. Das klang immer wieder nur am Rande an. Die Frage nach einer bevorstehenden Bankenkrise jedenfalls beantwortete zumindest eine Finanzjournalistin recht schnell mit Nein.

Die Runde

  • Linken-Politiker Oskar Lafontaine
  • Jörg Eigendorf, Sprecher der Deutschen Bank
  • CSU-Politiker Markus Söder
  • Finanzjournalistin Carolin Roth
  • der ehemalige Investmentbanker Rainer Voss
  • Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen

Frontverlauf

Jörg Eigendorf verteidigte als Sprecher der Deutschen Bank natürlich das Unternehmen, gab aber auch zu, dass in der Vergangenheit Fehler gemacht worden seien. Die Bank habe sich "verhalten wie eine Fußballmannschaft, bei der sie immer nur die Stürmer belohnen", konstatierte er und kritisierte auch den früheren Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Er sei "nicht sehr tief eingetaucht" und habe das Unternehmen "eher geführt wie ein Aufsichtsratsvorsitzender". Aber man betreibe nun sehr viel Vergangenheitsbewältigung und arbeite hart daran, verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Ex-Banker Voss versuchte zu erklären, wie denn die Banken arbeiten, und Finanzexperte Tenhagen warf am Rande einen Blick auf die Folgen für die Sparer. Finanzjournalistin Roth erklärte wiederum: Auch wenn es vor einigen Wochen Zweifel gegeben habe, die Deutsche Bank sei nicht bedroht und sie glaube nicht an eine neue Bankenkrise. Die Deutsche Bank aber habe ein Kapitalproblem und ein Problem mit Klagen gegen sie. "7000 Rechtsfälle, das muss man erstmal hinbekommen."

Politisch hatte sich Illner zwei Gegenpole eingeladen: Oskar Lafontaine und Markus Söder. Während ersterer das ganze System für "völlig falsch" und "krank" hält und sagte, es müsse grundsätzlich reformiert werden, kritisierte Söder eher die Niedrigzinspolitik der EZB. "Das größere Risiko ist, dass wir eine Entwertung von Sparguthaben, von Lebensleistungen haben", sagte der CSU-Politiker. Lafontaine wiederum konstatierte: "Ich wünschte, es müsste nicht immer der Steuerzahler herhalten. Ich wünschte, dass endlich mal die bestraft werden, die diese ganzen Risikogeschäfte gemacht haben." Neben den thematischen Einlassungen sorgten die beiden aber auch für den unterhaltsamen Part des Talk-Abends.

Spektakulärstes Wortgefecht

Söder spricht darüber, wie viel seit der letzten Bankenkrise zum Schutz der Ersparnisse der Bürger getan worden sei und sagt, die Steuerzahler könnten eigentlich nicht mehr in Anspruch genommen werden in einer solchen Krise. Daraufhin lacht Lafontaine und sagt: "Nur dass in Italien der Staat wieder eingetreten ist."

Söder: "Herr Lafontaine, nicht immer dazwischenquaken!"

Lafontaine: "Wenn man ahnungslos ist, sollte man nicht dozieren!"

Söder: "Sie sind doch schon lange aus der Realität draußen!"

Lafontaine: "Reden Sie doch keinen Unsinn!"

Söder: "Meine Frau hat gesagt, ich soll freundlich zu Ihnen sein. Ich kann es heute leider nicht einhalten."

Illner: "Herzliche Grüße an Ihre Frau!"

Lafontaine: "Ich grüße ihre Frau auch herzlich."

Söder: "Ob sie sich darüber freut, weiß ich nicht." 

Satz des Abends 

"Bankbilanzen sind für mich wie die Pralinenschachtel von Forrest Gump – du weißt nie, was drin ist." (der ehemalige Investmentbanker Rainer Voss)

Erkenntnis

Es war ein recht kurzweiliger Talk, allerdings mit wenig neuen Erkenntnissen, sondern mehr Rückblicken auf alte Zeiten. Das, was den deutschen Sparer tatsächlich interessiert – nämlich, wann er wieder mit höheren Zinsen rechnen kann – spielte kaum eine Rolle. Aber das hätte auch niemand in der Runde wirklich beantworten können.

Die gesamte Sendung können Sie sich hier ansehen.

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