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Stuttgarter "Tatort: HAL"
"Jetzt weißt du, warum ich Oldtimer fahre"

Szenen aus dem Stuttgarter "Tatort" HAL
Szenen aus dem Stuttgarter "Tatort" HAL FOTO: SWR
Düsseldorf. Im "Tatort" HAL haben es die Stuttgarter Kommissare Lannert und Bootz nicht nur mit Mordopfern und Verdächtigen zu tun, sondern auch mit einem Supercomputer. Das ist spannend, die Auflösung des Falles dagegen enttäuschend. Von Katharina Mehles

Der Fall

Die Stuttgarter Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) suchen in "HAL" den Mörder von Elena Stemmle. Die Schauspielschülerin finanzierte sich ihre Ausbildung durch Nebenjobs bei der Softwarefirma Bluesky und einem Online-Escortservice. Softwareentwickler David Bogmann (Ken Duken) hat sie als Probandin für das Analyseprogramm Bliuesky gewonnen. Es ist ein selbstlernendes Programm, das alle verfügbaren Daten nutzt, um Gewalttaten vorhersagen zu können.

Die Ermittler stoßen im Internet auf ein Video, das den mutmaßlichen Tod von Elena Stemmle zeigt. Die IP-Adresse führt zu David Bogmann. Der hat aber noch ein ganz anderes Problem: Das Programm Bluesky scheint sich aller Kontrolle zu entziehen und selbstständig zu machen. Bogmann wird immer nervöser, er versucht immer wieder die Kontrolle zurück zu bekommen und diese Versuche gleichzeitig vor dem Programm geheim zu halten.

Es ist spannend, diesem Duell Mensch - Computer zuzusehen und irgendwann überlegt der Zuschauer tatsächlich, ob es sein kann, dass ein Computerprogramm seinem Entwickler einen Mord in die Schuhe schiebt, den er nicht begangen hat. Regisseur und Autor Niki Stein findet dafür gute Bilder: Immer wieder hat der Zuschauer das Gefühl, er beobachtet das Geschehen aus der Sicht des Computers. Das Computerprogramm Bluesky wird als Affenmensch gezeigt, der mit seinem Gegenüber kommuniziert. Die Auflösung des Falles von Regisseur und Autor Niki Stein ist dagegen klassisch-langweilig: Der eifersüchtige Freund hat Elena Stemmle umgebracht.

Wahre Begebenheit

Kameras überall, Smartphones und Computer gehören zum Alltag, am Flughafen gibt es Körperscanner, Bundesinnenminister Thomas de Maizière denkt laut über Gesichtserkennung in Bahnhöfen nach – der 19. Fall der Stuttgarter Tatort-Ermittler scheint gar nicht so abwegig. Ein Computerprogramm als Handelnder in einem Krimi – das klingt aber doch erst mal nach Science Fiction. Dabei gibt der Mensch schon oft genug die Kontrolle an Computer ab. In gewisser Weise war es zum Beispiel im amerikanischen Drohnenkrieg der Fall: Computerprogramme waren an Tötungsentscheidungen zumindest beteiligt.

Wen muss man sich merken?

Der dominierende Charakter in "HAL" ist David Bogmann, gespielt von Ken Duken. Er wandelt sich in den 90 Minuten vom hippen Start-up-Unternehmer zum gepeinigten Wrack. Schauspieler Ken Duken spielt das toll: Angst und Zerissenheit zeigen sich in seinem glasigen Blick. Man spürt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Angst vor dem völligen Kontrollverlust ihn wahnsinnig werden lässt. "Du glaubst, du kannst mich fertig machen?", ruft er dem Computerprogramm verzweifelt zu.

Was steckt hinter dem Titel "HAL"?

Schon vor mehr als 50 Jahren hat sich Autor, Produzent und Regisseur Stanley Kubrick mit dem Thema Mensch und Computer beschäftigt. "2001: Odyssee im Weltraum" lautet der Filmtitel. HAL heißt der Computer des Raumschiffs Discovery in dem Streifen. Während seiner Reise zum Jupiter wird HAL immer verrückter, immer menschlicher. Als er bemerkt, dass er abgeschaltet werden soll, versucht er, die Besatzung des Raumschiffs auszuschalten. Bei HAL gewinnt zum Schluss der Mensch, der das Programm deaktivieren kann. Schon die erste Szene im "Tatort" erinnert an HAL. "Hänschen klein" ist zu hören, während der Zuschauer eine Leiche im Wasser treiben sieht. Auch HAL hatte das Kinderlied verlauten lassen, was seine "Vermenschlichung" im Film 2001 unterstreicht

Bester Spruch

"Jetzt weißt du, warum ich Oldtimer fahre", sagt Kommissar Lannert zu Kollege Bootz, als der an der Technik seines modernen Autos verzweifelt.

Mehr zum "Tatort" in unserem Dossier.

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