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Heilbronn
Mit Bjarne Mädel, aber schlecht

Heilbronn. Trotz des sonst famosen Hauptdarstellers ist die Tragikomödie "Wer aufgibt, ist tot" misslungen. Von Tobias Jochheim

Wer den famosen Bjarne Mädel nicht kennt, hat was verpasst. Wer ihn in der Tragikomödie "Wer aufgibt, ist tot" kennenlernt, bekommt einen falschen Eindruck.

Der 48-Jährige war schon als Bürodepp in der Satire "Stromberg" stark, spielte den Werbestar-dank-absoluter-Durchschnittlichkeit in "Der kleine Mann" noch stärker. Und liefert als "Tatortreiniger" in jeder Folge ein Kammerspiel-Meisterwerk ab, wenn seine prollige, aber bauernschlaue Figur beim Blutwegputzen in Grundsatzdiskussionen mit Schamanen und Beamten, neureichen Ex-Kumpels und rollstuhlfahrenden Veganerinnen gerät.

Doch trotz diverser Auszeichnungen wie dem Grimme-Preis für die Neonazi-Folge "Schottys Kampf" fand und findet all das quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Nun, frohlockt man, kommt Mädel endlich richtig groß raus! Freitagabend, 20.15 Uhr, im Ersten. In einem Film, dessen Idee angemessen ambitioniert klingt: Der biedere Vertreter Paul Lohmann (Mädel) aus Heilbronn stirbt bei einem Verkehrsunfall, bekommt aber vom Engel Angie (Friederike Kempter, bekannt als Assistentin im Münster-"Tatort") die Chance, seine letzten Stunden Mal um Mal erneut zu erleben und alles besser zu machen.

Schade, dass dieser Film so offensiv unkreativ ist (als Lohmann ausnahmsweise versucht, für seine Frau zu kochen, brennt ihm - Überraschung! - das Essen an...). Er ist genau so schlecht, wie es Lohmann ist als Ehemann und Vater, Kollege und Mensch. Er ist ein so arger Unsympath, dass selbst Mädel bis auf ein, zwei Szenen daran scheitert, ihn uns sympathisch zu machen.

Der Charme des Klassikers "Und täglich grüßt das Murmeltier" kommt nie auf, vor allem wegen des Übermaßes an Tragik: Kinder sind blutjung gestorben oder wegen ihrer blutjung gestorbenen Geschwister auf Abwegen, es wird gelogen, betrogen und besoffen gerast, und ein feinfühliger Buchhändler bringt sich noch an Lohmanns Totenbett als Lover in Stellung. Ein Film, der alles will und mit vielem scheitert.

"Wer aufgibt, ist tot", 20.15 Uhr, ARD

Quelle: RP
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