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Cape Canaveral
Nasa schickt Sonde zu Asteroid Bennu

Cape Canaveral. Er ist schwarz, wiegt mehrere Tonnen und könnte in etwa 150 Jahren der Erde gefährlich nah kommen. Doch der 1999 entdeckte Asteroid Bennu birgt noch viele Geheimnisse. Eine Sonde mit Greifarm soll dort nun Geröll aufsaugen.

Ein exotischer schwarzer Gesteinsbrocken namens Bennu wird die US-Raumfahrtbehörde Nasa die kommenden sieben Jahre lang beschäftigen: Zur Erforschung dieses noch weitgehend unbekannten Asteroiden hat die Nasa vom Raketenzentrum in Cape Canaveral eine Mission ins All geschickt. An Bord einer Trägerrakete vom Typ Atlas hob die Raumsonde "Osiris Rex" problemlos ab. Sie soll in zwei Jahren bei Bennu ankommen und mit ihrem drei Meter langen Greifarm Gesteinsproben aufsaugen. Die gesamte Mission soll bis zum Jahr 2023 dauern.

Gesteinsproben von Bennu, so hoffen die Wissenschaftler, könnten Aufschluss über die Ursprünge des Lebens auf der Erde sowie anderswo im Sonnensystem geben. Der Name Bennu stammt von einem ägyptischen Gott. "Wir werden eine unbekannte Welt erforschen", sagte Dante Lauretta von der Universität von Arizona. "Am Ende wird Bennu der am besten charakterisierte Asteroid unseres Sonnensystems sein."

Die 6,5 Milliarden Kilometer lange und bis 2023 angelegte Reise durchs Weltall könnte die größte Ausbeute an Material bringen seit den Mondsteinen, die die Apollo-Missionen in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren einsammelten. Damals lasen die Astronauten diese Kleinode für die Wissenschaft allerdings noch mit der Hand auf. Osiris Rex indes kann dafür einfach ihren staubsaugerähnlichen Arm einsetzen. Dank der Daten, die die Weltraumteleskope Hubble und Spitzer sowie die Beobachtungen von der Erde aus lieferten, kennen die Forscher erste Details von Bennu. So bringt es der rundliche Asteroid mit einer buckligen Mitte auf einen Durchmesser von 487 Metern. Bennus schwarze Farbe lässt darauf schließen, dass seine Konsistenz reich an Kohle ist.

Forscher nehmen an, dass sich Bennu vor etwa 4,5 Milliarden Jahren bildete und ein Überbleibsel aus den Entstehungsblöcken des Sonnensystems ist. Gerade deshalb könnte er immer noch Hinweise auf den Ursprung des Lebens auf der Erde bringen. Neben dem wissenschaftlichen Forscherdrang gibt es für die Nasa auch noch einen anderen Grund, diese mehr als 800 Millionen Dollar (etwa 715 Millionen Euro) teure Mission anzugehen: die Sicherheit auf Erden. Denn Bennu gehört zu einer Reihe von Asteroiden, die sich nahe der Erde bewegen, und sein Weg könnte sich einmal mit jenem des Blauen Planeten kreuzen.

Allerdings würde ein Zusammenstoß mit Bennu das Leben auf der Erde nicht auslöschen. Vielmehr bliebe ein großer Krater zurück - das aber frühestens in etwa 150 Jahren, wie Lauretta sagt. Die Wahrscheinlichkeit für einen direkten Aufprall sei zudem verschwindend gering, sie belaufe sich auf weniger als ein Zehntel eines Prozents.

Im August 2018 wird Osiris Rex Bennu erreicht haben. In einer Entfernung von etwa 700 Metern wird der Raumflugkörper den Asteroiden umkreisen und dabei Ausschau nach dem besten Platz halten, um die Gesteinsproben zu entnehmen. Wissenschaftler hatten ursprünglich eine Landung auf Bennu erwogen, diese dann aber wegen der unbekannten Beschaffenheit seiner Oberfläche als zu riskant ausgeschlossen. Im Juli 2020 soll Osiris Rex nach dem "kosmischen Gold" greifen. Dafür wird er ganz nahe an Bennu heranfliegen und seinen Roboterarm zum Einsatz bringen. Mit Stickstoffgas wird er zunächst die Oberfläche des Asteroiden aufwirbeln und dann gelockertes Geröll und Kiesel aufsaugen.

Forscher wollen mindestens 60 Gramm von Bennus Gestein bekommen. Das Stickstoffgas von Osiris Rex reicht dabei für drei Saugversuche. Am liebsten sähen die Wissenschaftler allerdings einen erfolgreichen ersten Versuch, um die Gesteinsproben so unverfälscht wie möglich zu belassen. "Es geht darum, diese kostbaren Proben in Sicherheit zu bringen", sagte Nasa-Projektleiter Jason Dworkin. Bei Versuchen auf der Erde hatte das Verfahren bis zu 500 Gramm eingebracht.

Nach dem Fahrplan der Nasa wird Osiris Rex dann im März 2021 Bennu verlassen und zurück zur Erde kehren. Zu diesem Zeitpunkt sind Erde und Asteroid dafür am besten aufeinander ausgerichtet. Die Gesteinsproben werden in demselben Behälter transportiert wie der Kometenstaub der Stardust-Mission der Nasa im Jahr 2006. Ein weiterer großer Moment der Mission folgt dann am 24. September 2023: Der Behälter mit den kostbaren Proben tritt mit einer Geschwindigkeit von mehr als 43.500 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre ein, während sich Osiris Rex weiter zur Sonnenumrundung aufmacht. Fallschirme sollen die Kapsel dann soweit abbremsen, dass sie auf einem Testgelände westlich von Salt Lake City im US-Staat Utah landen kann. "Das ist wirklich ein großes Abenteuer", sagt Dante Lauretta. "Wir bringen wissenschaftliche Schätze zurück."

(ap)
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