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Berlin
Im Pergamonmuseum wird umgeräumt
Berlin. Der Pergamonaltar ist der größte Publikumsmagnet der Berliner Museumsinsel. Das einst eigens für ihn gebaute Haus wird jetzt saniert. Nicht alle sind begeistert. Die Kosten belaufen sich auf 385 Millionen Euro. Von Nada Weigelt

Das Pergamonmuseum in Berlin ist Deutschlands meistbesuchtes Kunstmuseum. Allein im vergangenen Jahr kamen mehr als 1,3 Millionen Menschen aus aller Welt, um den berühmten Pergamonaltar, aber auch das Markttor von Milet, die Mschatta-Fassade oder das Ischtar-Tor mit der Prozessionsstraße von Babylon zu sehen. Zu Jahresbeginn rücken in dem imposanten Gebäude die Bautrupps an: Innerhalb des Masterplans für die unter Unesco-Schutz stehende Museumsinsel wird das Haus bis zum Jahr 2025 grundlegend saniert und umgebaut – mit veranschlagten Kosten von bisher 385 Millionen Euro ein Mammutprojekt, das auch den Denkmalschutz auf den Plan rief.

Die Kosten trägt zu hundert Prozent der Bund. "Der Besucher wird die antike Architektur künftig in einem großartigen Rundgang erleben. Wie in keinem anderen Museum der Welt wird man einen Eindruck von ihrer Monumentalität bekommen", sagt der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. Die Stiftung ist Eigentümerin aller fünf Häuser auf der Museumsinsel und damit auch Bauherr des neuen Projekts.

Damit das publikumsträchtige Haus nicht auf Jahre hin vollständig geschlossen werden muss, ist die Sanierung in mehreren Abschnitten geplant. Den Auftakt bildet ausgerechnet der bei Denkmalschützern als besonders sensibel eingestufte Nordflügel. Dort soll später die reich geschmückte Fassade der jordanischen Wüstenresidenz Mschatta aus dem 8. Jahrhundert komplett aufgebaut werden. Dieses Glanzstück des Islamischen Museums ist bisher wenig spektakulär im Südflügel untergebracht. Der Landesdenkmalrat hatte die Umbaupläne im vergangenen Jahr als "massiven Eingriff in das Baudenkmal" abgelehnt und vor einem Verlust des Welterbe-Siegels gewarnt.

In langwierigen Verhandlungen mit dem Denkmalamt einigten sich beide Seiten schließlich auf einen Kompromiss. Demnach hält die Preußenstiftung zwar an dem Plan fest, die Fassade vor der Fensterfront im sogenannten Stadtbahnsaal zu errichten; die Fensternischen dahinter sollen gleichwohl erhalten werden. "Hier ist eine sehr gute Lösung gefunden worden. Wir sehen keinen Anlass zur Besorgnis", sagt Michael Petzet vom Internationalen Denkmalrat Icomos in München, der für die Beobachtung des Weltkulturerbes zuständig ist.

Nach Angaben von Petra Rohland, Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde, soll es während des Umbaus weitere Detailabstimmungen geben: "Wir gehen davon aus, dass wir eine denkmalverträgliche Lösung finden." Bis zum Jahr 2019 sollen die Arbeiten am Nordflügel dauern. Parallel dazu wird bereits 2014 auch die Sanierung des Mittelbaus anlaufen. "Besonders schmerzen wird uns die Schließung des Pergamonsaals für zwei, drei Jahre", sagt Bauherr Parzinger auch mit Blick auf die Einnahmen durch den Publikumsmagneten. "Wir überlegen derzeit, ob wir vielleicht einige Reliefs woanders zeigen können. Aber ihn komplett auszubauen, ist schlichtweg unrealistisch."

Der Entwurf für den Umbau stammt von dem 2007 gestorbenen Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers. Er gewann im Jahr 2000 den Wettbewerb, löste aber mit seinem radikalen Konzept auch Diskussionen aus.

Quelle: dpa
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