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Missions-Analytiker Michael Khan im Interview
"Wir haben mit Landungen auf dem Mars kaum Erfahrung"

Missions-Analytiker Michael Khan im Interview: "Wir haben mit Landungen auf dem Mars kaum Erfahrung"
Michael Khan beim Launch von ExoMars. FOTO: Jovanovic
Darmstadt. Michael Khan (54) ist seit 2001 Missions-Analytiker des ExoMars-Programms. Im Interview erklärt er die Bedeutung der Mars-Landung für die europäische Weltraumorganisation ESA. Von Ludwig Jovanovic

Herr Khan, warum landet die ESA auf dem Mars?

Khan Weil es eine Herausforderung ist. Wir haben mit Mars Express seit 13 Jahren nur eine Sonde im Marsorbit. Und wir haben mit Landungen auf dem Planeten kaum Erfahrung. Es ist erst das zweite Mal, dass wir es versuchen. Die britische Beagle-Mission ist aber 2003 leider gescheitert. Wir werden also sehr viel von dem Landemodul Schiaparelli lernen für zukünftige Missionen. Unter anderem für die Landung des Mars-Rovers in den kommenden Jahren.

Aber die Landung ist eher unsanft: Aus zwei Metern Höhe wird das Modul fallen gelassen.

Khan Das ist ein Kompromiss. Beim Mars-Rover werden wir das nicht so machen. Der wird sanft aufsetzen, um die Instrumente nicht zu beschädigen. Aber mit Schiaparelli testen wir das gesamte Verfahren vom Eintritt in die Atmosphäre bis zur Landung. Schiaparelli muss dabei autonom arbeiten und kontrolliert, aber nicht gesteuert landen. Das sanfte Aufsetzen eines Rovers aber müssen wir nicht auf den Mars testen, das können wir auch auf der Erde. Nur bei den Schritten dazwischen, vom Eintritt in die Atmosphäre bis zum Erreichen der Oberfläche, da fehlt uns noch Erfahrung. Andere sind weiter.

Sie meinen die NASA?

Khan Genau. Die haben da einen Vorsprung, den wir nun verkleinern werden.

Und das ist die einzige Herausforderung der Mission?

Khan Nein, wir testen auch das Aerobraking. Das ist eine große technische Herausforderung. Die Hauptsonde nutzt die Marsatmosphäre, um schrittweise den Orbit zu verändern. Das ist etwas Neues für uns. Aber es hat einen großen Vorteil: Wir sparen mehrere hundert Kilogramm Treibstoff, den wir sonst transportieren müssten, um die Sonde klassisch in den gewünschten Orbit zu bringen. Der Nachteil: Aerobraking ist ein langsames Verfahren. Die Hauptsonde wird erst im Dezember 2017 ihre wissenschaftliche Arbeit aufnehmen können, obwohl wir nun den Mars bereits erreicht haben.

Und wenn dabei etwas schiefläuft?

Khan Dann bringt sich die Sonde selbstständig in einen sicheren Orbit, und wir starten einen nächsten Anlauf.

Sie begleiten das Projekt schon seit mehr als 15 Jahren. Gab es auch kritische Phasen?

Khan Wir haben das ExoMars-Programm eigentlich mit den USA entwickelt und geplant. Doch die sind 2011 aus Budgetgründen ausgestiegen. Recht kurzfristig ist dann aber Roskosmos eingesprungen. Das war schon sehr kritisch damals.

Das Landemodul Schiaparelli koppelt drei Tage vor dem unsanften Aufsetzen von der Hauptsonde ab. FOTO: dpa, ase

Angesichts der politischen Verwerfungen zwischen Europa und Russland: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Roskosmos?

Khan Hervorragend. Die russischen Kollegen bringen sehr viel Erfahrung mit ein und sind überaus zuverlässig. Aber wir sind Ingenieure und Wissenschaftler. Wir reden auf einer anderen Ebene miteinander und arbeiten sehr gut zusammen. Politik spielt da für uns keine Rolle. Selbst in den Zeiten des Kalten Krieges konnten wir an gemeinsamen Missionen und Projekten arbeiten. Selbst heute kooperieren immer noch ukrainische und russische Forscher. Und das politische Verhältnis zwischen den beiden Staaten ist sehr viel angespannter als zwischen Europa und Russland. Das belastet die gemeinsame wissenschaftliche Arbeit nicht.

Was steuert Roskosmos bei?

Khan Neben der Proton-Rakete für den Start haben die Russen zwei Experimente an Bord der Hauptsonde und stellen eine Bodenstation für ExoMars zur Verfügung. Beim Mars-Rover ist die Beteiligung dann aber noch sehr viel größer.

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