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Historischer Besuch in Kuba
Roter Teppich für Obama, Knebel für Kritiker

Barack Obama auf Kuba eingetroffen
Havanna/Miami. "Wie geht's, Kuba?" Mit launigen Worten hat US-Präsident Barack Obama seinen historischen Besuch in Kuba eingeleitet. Er soll das Ende der politischen Eiszeit markieren. Liberaler wird das Castro-Regime aber nicht. Von Frank Herrmann und Tobias Käufer

Obama twitterte unmittelbar nach seiner Landung in der Hauptstadt Havanna am Sonntagnachmittag (Ortszeit). Seine dreitägige Visite markiert den bisherigen Höhepunkt des Annäherungskurses zwischen den vormals verfeindeten Ländern. Es ist die erste Reise eines amtierenden US-Präsidenten in den karibischen Nachbarstaat seit fast 90 Jahren.

Historisch: US-Präsident Barack Obama landet in Kuba FOTO: dpa, ae lmb jak hpl

Als vor gut einem Jahr US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatsoberhaupt Raúl Castro in zeitgleichen TV-Ansprachen das Ende der politischen Eiszeit zwischen beiden Ländern ankündigten, da liefen in der kubanischen Hauptstadt Havanna die Menschen auf die Straßen und jubelten. Ein Hauch von Revolution, der Geschmack von Freiheit lag in diesem Moment, doch 15 Monate später ist von diesem Gefühl zumindest bei der kubanischen Opposition nicht viel geblieben.

Rasend schnell verändern sich in Kuba vor allem die ökonomischen Rahmenbedingungen. Die Tourismusbehörde meldet immer neue Rekordzahlen, und angesichts der Eröffnung direkter Flugrouten aus den USA und neuer Verbindungen mit Europa dürfte vor allem diese Branche zu den größten Gewinnern des Öffnungsprozesses zählen.

Auch der US-Wahlkampf fliegt mit

Doch unter Kubas Regimekritikern ist der Frust groß. Sie profitieren nicht von dem Tauwetter, ganz im Gegenteil. Die Oppositionspolitikerin Rosa Maria Rodriguez von der offiziell verbotenen christlich-bürgerlichen Oppositionspartei MCL berichtet, dass der Inlandsgeheimdienst sie vor ein paar Tagen besucht habe, um ihr mit Verhaftung zu drohen, sollte sie während des Obama-Besuches ihre Wohnung verlassen. Die neue kubanische Freiheit hat ihre Grenzen.

Das Thema Kuba spielt deshalb auch im US-Wahlkampf eine Rolle. Schlecht verhandelt habe Obama mit Havanna, polterte zuletzt der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump. Und der inzwischen aus dem Rennen ausgeschiedene Senator Marco Rubio, ein Nachkomme kubanischer Einwanderer, präsentierte detailliert seine Forderungen: Ende der Verfolgung politisch Andersdenkender, freie Wahlen und die Zulassung von oppositionellen Parteien. Doch davon sind Kubas regierende Kommunisten nach wie vor weit entfernt.

"Die Castros sind Diktatoren"

Kein Wunder, dass das amerikanisch-kubanische Tauwetter auch unter Exil-Kubanern umstritten ist. 1970 hatte Ramón Pereira mit seiner Familie Kuba verlassen, damals war er noch ein Teenager. Seit zwei Jahrzehnten lebt er nun schon in Miami, der Hauptstadt der kubanischen Diaspora. Kuba zu isolieren, findet Pereira, das habe 57 Jahre lang nichts gebracht. Höchste Zeit also, das Ruder herumzureißen und den Kurs zu ändern, sagt Pereira und nippt an einer winzigen Kaffeetasse. Die Castros, Fidel und Raúl, schiebt der nachdenklich wirkende Tanzlehrer hinterher, seien doch schon so gut wie tot. Der Blick müsse nach vorn gehen, und wenn Obama nach Kuba fliege, tue er genau das Richtige.

"Ich weiß, die Castros sind Diktatoren. Aber sie sind nun mal da", mischt sich Fernando Gonzalez ein, 76 Jahre alt, doch keiner, der dem Klischee vom verbitterten, rachsüchtigen alten Mann in der Fremde entspricht. Armando Gutierrez, 81, lässt das jedoch nicht gelten. Obamas Besuch, schimpft er, sei ein Akt der Missachtung gegenüber der kubanischen Exilgemeinde. "Damit erweist er einer Regierung die Ehre, die seit Jahrzehnten an der Macht ist, ohne sich je einer freien Wahl gestellt zu haben." Mit grimmigem Stolz zeigt der drahtige Rentner auf einen vergoldeten Siegelring an seiner rechten Hand. Den bekam er, weil er als Bomberpilot an der Invasion in der Schweinebucht teilnahm. John F. Kennedy habe sie damals im Stich gelassen, als er sein Militär nicht direkt eingreifen ließ, wettert Gutierrez. Nun übe auch Obama schnöden Verrat.

Wie eine Zeitkapsel - noch

Es sind aber nicht mehr viele, die es so kompromisslos schwarz-weiß sehen wie Gutierrez. Zwar haben einige Senatoren Protest angemeldet, darunter neben Marco Rubio zwei weitere mit kubanischen Wurzeln, der Republikaner Ted Cruz und der Demokrat Bob Menendez. Doch insgesamt hält sich die Aufregung in Grenzen. Auch in Washington scheint es eine stille Mehrheit für den pragmatischen Ansatz der Regierung zu geben.

Ein 1960 verhängtes Handelsembargo ist zwar nach wie vor in Kraft; nur der Kongress (mit seiner derzeit konservativen Mehrheit) kann es aufheben, nicht das Kabinett. Doch mit der anstehenden Normalisierung des Flugverkehrs wird die Insel als Reiseziel noch populärer, als sie es ohnehin schon ist bei Amerikanern, die das alte, sozialistische Kuba mit seinen museumsreifen Straßenkreuzern und einer Art Zeitkapsel-Gefühl besichtigen wollen, bevor es womöglich verschwindet.

Quelle: RP
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