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Zusatzbeiträge vergraulen Versicherte
Zehntausende wechseln die Kasse

Presse: Zusatzbeiträge - die Rache von Ulla Schmidt
Presse: Zusatzbeiträge - die Rache von Ulla Schmidt FOTO: AP
Berlin (RP). Bei den Krankenkassen mit Zusatzbeitrag hat eine Austrittswelle eingesetzt. Zehntausende wechseln zu Kassen, die keinen Aufschlag erhoben haben. Allein die Deutsche BKK, die seit 1. Februar acht Euro pro Monat zusätzlich fordert, hat bereits 1000 Kündigungen erhalten. Und das ist erst der Anfang, fürchtet die Kasse, die 750 000 Mitglieder betreut. Von Antje Höning und Eva Quadbeck

Nach internen Schätzungen erwartet die Deutsche BKK bis zu 50 000 Kündigungen, wie es in Unternehmenskreisen heißt. Theoretisch ist mehr als jeder Vierte bereit, seine Kasse zu wechseln, wenn der Beitrag um acht Euro steigt, wie eine Umfrage der Kölner Rating-Agentur Assekurata zeigt.

Aus Sicht des Gesundheitsökonomen Jürgen Wasem lässt sich der derzeitige Wechselwille leicht erklären: "Der Anreiz für einen Kassenwechsel ist größer geworden, da das System transparenter geworden ist." Zudem hat Gesundheitsminister Rösler die Versicherten aufgefordert, ihr Wechselrecht zu nutzen.

DAK nennt keine konkreten Zahlen

Die DAK mit 4,6 Millionen Mitgliedern, die ebenfalls seit 1. Februar einen Zusatzbeitrag von acht Euro erhebt, wollte keine konkrete Zahl nennen, wie viele Kündigungen bei ihr bereits eingegangen sind. Aus Branchenkreisen erfuhr unserere Zeitung, dass es zurzeit täglich 1000 Kündigungen gibt. Ein Sprecher wies dies als "Quatsch" zurück.

Bei der BKK für Heilberufe haben allein gestern 500 Mitglieder angerufen, die kündigen wollen, so ein Sprecher. Die Kasse mit 170 000 Mitgliedern erhebt den Maximalbeitrag von einem Prozent des Bruttolohns (aber höchstens 37,50 Euro im Monat).

Bei TK stehen die Telefone nicht still

Krankenkassen ohne Zusatzbeitrag haben kräftigen Zulauf. Die Telefone stünden nicht still, hieß es bei der Techniker Krankenkasse (TK). Online hätten sich die Anfragen vervierfacht. "Derzeit haben wir täglich 1000 Anrufe von möglichen Neukunden, zehnmal so viel wie sonst", sagte der Chef der AOK-Rheinland, Wilfried Jacobs.

Damit die Langzeitarbeitslosen nicht von Kassen zu Kasse wechseln müssen, soll nach dem Willen der Politik die Bundesagentur für Arbeit übergangsweise den Zusatzbeitrag für chronisch Kranke übernehmen. Wer dauerhaft die Zusatzbeiträge der Bedürftigen zahlt, ist zwischen Gesundheits-, Arbeits- und Finanzministerium noch umstritten.

Quelle: RP
 
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