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Düsseldorf
Starker Zulauf an G 9-Gymnasien

Düsseldorf. Elf Gymnasien in NRW bieten das Abitur nach neun Jahren an. Das macht sie für viele Familien attraktiv. Dennoch ist das Ministerium dagegen, G 9 an weiteren Schulen zu ermöglichen. Von Tanja Karrasch und Nicole Scharfetter

Die Gymnasien in NRW, die einen neunjährigen Bildungsgang (G 9) anbieten, sind bei Eltern beliebt. Das ergab eine Umfrage unserer Redaktion unter den elf Schulen, an denen das Abitur nach neun Jahren möglich ist. Die restlichen gut 600 Gymnasien führen in acht Jahren zum Abitur (G 8). Nach eigenen Angaben verzeichnet der größte Teil der Versuchsschulen einen deutlichen und anhaltenden Zuwachs bei den Anmeldungen. Der Rest hat stabile Zahlen, obwohl die Schülerzahlen in NRW insgesamt sinken. Bei einem Teil der G 9-Gymnasien vergrößerte sich das Einzugsgebiet seit Versuchsbeginn 2011.

In Umfragen haben sich in NRW bis zu drei Viertel der Befragten für eine Rückkehr zu G 9 ausgesprochen. Angesichts scharfer Proteste von Eltern, die eine Überlastung ihrer Kinder an achtjährigen Gymnasien befürchten, hatte das Land 2011 den Gymnasien freigestellt, für eine begrenzte Zeit zum Abitur nach neun Jahren zurückzukehren. Nur 14 Schulen wollten das - die meisten anderen lehnten die erneute Umstellung ab. Inzwischen läuft der Versuch noch an elf Gymnasien.

"Die Schule hat mit neun Jahren Gymnasium ein Alleinstellungsmerkmal in der Umgebung. Deswegen kommen zunehmend Anmeldungen von außerhalb", sagte Ralf Cyrus, Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Münster. Für 2016 verzeichnet seine Schule 93 Anmeldungen - den höchsten Stand seit 2000. Starke Anstiege melden auch Gymnasien in Essen und Beverungen (Kreis Höxter).

Das Antonius-Kolleg in Neunkirchen-Seelscheid bei Siegburg, das G 8 und G 9 parallel anbietet, hat Probleme, seine G 8-Klassen zu füllen. Das Gymnasium Petrinum in Dorsten ging 2011 ebenfalls mit beiden Bildungsgängen an den Start, entschied sich aber nach dem ersten Jahr, ganz auf G 8 zu verzichten.

Ähnlich ist es in Lohmar bei Siegburg. "60 Prozent der Eltern melden ihre Kinder für den G 9-Zweig an, 40 Prozent für G 8. Und das manchmal nur, weil wir es den Eltern geraten haben", sagte Uta Sonnenberger, Leiterin des örtlichen Gymnasiums, das ebenfalls zweigleisig fährt.

In Lohmar hat der G 9-Versuch zu Streit geführt - die Schule möchte eine vom Ministerium angebotene Verlängerung des Versuchs um drei Jahre annehmen, die Stadt als Trägerin ist dagegen. "Die Eltern wünschen sich für ihre Kinder ein Jahr mehr Zeit, weil die Schüler dann älter und reifer sind", betonte Sonnenberger. Die Stadt will dagegen die Unterscheidung zwischen dem achtjährigen Gymnasium und der neuen, neunjährigen Gesamtschule klarer machen. Das habe die Anmeldezahlen sinken lassen, beklagte Sonnenberger - 2016 gebe es statt fünf nur noch vier Eingangsklassen.

Auch das katholische Gymnasium Gaesdonck in Goch hofft auf eine Verlängerung des Versuchs: "Wir würden gerne weitermachen", sagte Schulleiterin Doris Mann.

Das Ministerium visiert derweil ein Ende des Versuchs an. Er werde nach der Verlängerung "abschließend evaluiert", hieß es. Auch eine Ausweitung des G 9-Angebots ist kein Thema: "Ein weiterer Schulversuch hat keinen Sinn", sagte ein Sprecher und verwies auf die wissenschaftliche Auswertung des laufenden Versuchs und der angestoßenen G 8-Reformen. Aus Sicht der Landeselternschaft ähneln sich G 9-Versuch und G 8 ohnehin stark: "Dieses G 9 unterscheidet sich mit seinen 31,3 Stunden pro Woche gar nicht mehr so sehr von G 8 mit 32,6 Stunden", sagte der Vorsitzende Ulrich Czygan.

Quelle: RP
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