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Reit-EM
Totilas-Rückkehr sorgt für Eklat: Ratlosigkeit über Punktwertung

Fotos: Wertungs-Ärger nach Totilas' EM-Auftritt
Fotos: Wertungs-Ärger nach Totilas' EM-Auftritt FOTO: dpa, ua
Aachen. Es geht mit Totilas wohl nicht anders. Heftige Diskussionen, Kopfschütteln, Staunen: Nach dem ersten Auftritt von Dressurreiter Matthias Rath mit Millionenpferd Totilas bei der Reit-EM in Aachen herrschte im deutschen Lager kollektive Ratlosigkeit.

Die niedrige Punktzahl und die großen Noten-Unterschiede bei den sieben Punktrichtern trafen auf Unverständnis. Zudem sorgten technische Pannen für Verwirrung, das erneute Gold für Titelverteidiger Deutschland geriet in Gefahr.

"Ich war mit der Prüfung eigentlich zufrieden. Natürlich kann man überall sagen, man will es besser haben. Aber wie man jetzt auf diese Prozentzahl kommt, kann ich auch nicht erklären", sagte Rath nach seiner Vorstellung. Nur 75,971 Punkte standen für ihn zu Buche. Zunächst hatten Rath und die 10.000 Zuschauer im Stadion wild gejubelt, "Mein Gefühl lag bei 80 Prozent", brachte Bundestrainerin Monica Theodorescu die Stimmung auf den Punkt.

Doch als das Ergebnis bekannt gegeben wurde, schlug die Stimmung um. Besonders auffallend war, dass die Richter am Viereck völlig unterschiedlich werteten. 8,5 Prozent lagen zwischen ihrem Votum - völlig aus dem Rahmen. Und ausgerechnet der Brite Andrew Ralph Gardner setzte Totilas mit der höchsten Punktzahl von 80,1 Prozent auf Rang eins, während die deutsche Richterin Katarina Wüst ihn mit nur 72,9 Prozent nur auf Rang elf sah. Erstaunlich: Wüst hatte sogar Werth am Mittwoch um fünf Prozent besser bewertet als Rath mit Totilas.

"Das hat mich gar nicht so überrascht, weil die Ergebnisse schon gestern bei Isabell so weit auseinander lagen", sagte Rath noch diplomatisch. Keine Erklärung hatte der Kronberger aber dafür, dass ausgerechnet zu seinem Auftritt im Stadion das Live-Scoring ausgefallen war. Den Zuschauern gefiel es nicht. "Ich habe mich kurz gewundert, warum einige Leute gepfiffen haben", sagte Rath, der davon zunächst nichts mitbekam.

Für Verwirrung sorgte auch das ständige Korrigieren der Punktzahlen. Schon beim Briten Carl Hester mit Nip Tuck wurde das Ergebnis verändert. Bei Totilas gab es immer wieder neue Werte. Letztendlich lag das Ergebnis mit 75,971 Punkten weit unter den Erwartungen. Die Goldmedaille war vor den Schlussreiterinnen Kristina Sprehe-Bröring (Dinklage) mit Desperados für Deutschland und Olympiasiegerin Charlotte Dujardin mit Valegro für Großbritannien mehr als in Gefahr.

Dass einige Fachleute feststellten, Totilas sei generell nicht richtig fit gewesen, wies Rath zurück: "Ich weiß nicht, ich muss mir nachher mal die Protokolle von dem Ritt anschauen, dann weiß ich mehr", sagte Rath. Schon im Vorfeld hatte es Stimmen gegeben, Totilas habe mit Glück den Vet-Check überstanden.

Einen Rückzug wie beim CHIO im vergangenen Jahr soll es von Rath und Totilas auch nach dieser Enttäuschung nicht geben. Im vergangenen Jahr hatte das Paar in Aachen durch den Verzicht auf die Kür für viel Unmut gesorgt. Auf die Frage, ob er am Samstag in der Einzelwertung zum Special an den Start geht, sagte Rath: "Man gibt ja nicht auf, nur weil es sieben Leute gegeben hat, die das heute mal anders gesehen haben."

(sid)
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