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"Pinguinform" ideal fürs Brustschwimmen
Schwimmstar Koch kämpft gegen die Kalorienfallen

Fotos: Marco Koch – Darmstädter, Brust-Spezialist, Weltmeister
Fotos: Marco Koch – Darmstädter, Brust-Spezialist, Weltmeister FOTO: afp, mlm/rt/rc
Berlin. Nach dem Olympia-Debakel hat ein deutlich erschlankter Marco Koch im Winter auf der Kurzbahn geglänzt. Das Gewicht des Weltmeisters ist deshalb auch vor der DM in Berlin ein Thema.

Marco Koch stöhnt kurz auf. Die Frage nach seinem Gewicht hört der Schwimm-Weltmeister in etwa so gerne wie Glückwünsche zu einem vierten Platz. Aber Koch weiß natürlich auch, dass sein nicht immer voll austrainiert wirkender Oberkörper für Gesprächsstoff sorgt. "Ich habe mir wohl die falsche Sportart ausgesucht", sagt der 27-Jährige leicht gequält.

Nach seinem enttäuschenden siebten Platz bei Olympia in Rio war der Brustschwimmer mit relativ unvorteilhaften Bildern und Schlagzeilen ("Dickes Problem bei den Schwimmern") konfrontriert worden. Danach fraß sich der Darmstädter aus Frust ein paar Kilo an, ehe er mit einer Radikalkur zwischenzeitlich 13 Kilo abnahm. Schlank wie nie war Koch im Winter auch schnell wie nie: Doppel-Gold bei der Kurzbahn-WM und Weltrekord auf der 25-m-Bahn.

Kein Wunder, dass bei der am Donnerstag beginnenden DM in Berlin, bei der die Tickets für die Weltmeisterschaften in Budapest (14. bis 30. Juli) vergeben werden, auch auf Kochs Gewicht geschaut wird. "Ich bin wieder ein bisschen schwerer, aber das liegt am neuen Kraftkonzept", sagte Koch dem SID: "Ich habe jetzt eine stärkere Muskulatur, der Körperfettanteil ist aber so wie im Dezember."

Das wird Bundestrainer Henning Lambertz freuen. Zum einen, weil sein als Konsequenz aus dem Olympia-Debakel entwickeltes Kraftkonzept (Fokus auf Maximal- statt Ausdauerkraft beim Landtraining) nicht überall auf Gegenliebe stößt. Zum anderen aber auch, weil er weiß, dass ein austrainierter Koch ganz offensichtlich schneller ist.

"Er trainiert hart und professionell, gönnt sich aber wahrscheinlich zur Entspannung auch mal etwas Süßes oder tappt vielleicht in versteckte Kalorienfallen", sagte Lambertz dem SID. Sein Rat an seinen Vorschwimmer: "Er soll sich jetzt nur für einen Ernährungsberater entscheiden und auch auf diesem Gebiet so hochprofessionell arbeiten wie auf den anderen."

Kochs Heimtrainer Alexander Kreisel gab zu, dass man die Gewichtsreduzierung schon vor Olympia hätte durchziehen sollen. Er warnte aber davor, seinen Schützling mit den Muskelpaketen auf den Freistilstrecken zu vergleichen. Koch habe "eine Art Pinguinform", die ideal fürs Brustschwimmen sei, sagte Kreisel. Dazu eine "sehr weiche Haut, sehr außergewöhnlich, kein Schwabbel".

Nur wenn Koch sein ideales Gewicht findet, hat er eine Chance auf eine Olympiamedaille 2020 in Tokio. Zunächst muss er sich aber bei der DM für die Weltmeisterschaften qualifizieren, was angesichts der deutlich härteren Normen in diesem Jahr selbst für einen wie ihn kein Spaziergang wird.

"Im Training lief es ganz gut, aber ein Wettkampf ist immer etwas anderes", sagt der Weltmeister von 2015 zurückhaltend. Dass auf seiner Paradestrecke die internationale Konkurrenz schon deutlich bessere Zeiten vorgelegt hat, allen voran die beiden Japaner Ippei Watanabe und Yasuhiro Koseki, lässt Koch kalt: "Ich schaue wie immer nur auf mich."

(sid)
 
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