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Olympia-Aus der Knackpunkt
Heynen tritt als Volleyball-Bundestrainer zurück

Vital Heynen tritt als Volleyball-Bundestrainer zurück
Vital Heynen hatte Deutschland bei der WM 2014 zur Bronzemedaille geführt. FOTO: dpa, vd mr
köln. Bundestrainer Vital Heynen verlässt die deutschen Volleyballer. Der Belgier sucht neue Herausforderungen - und hinterlässt eine große Lücke.

Er verbot Handys, Fernsehen und manchmal sogar das Reden: Mit unkonventionellen Methoden und jeder Menge Sachverstand führte Vital Heynen die deutschen Volleyballer in den letzten Jahren in die Weltspitze - nun müssen sie sich einen neuen Motivator suchen.

Am Montag kündigte der 46 Jahre alte Belgier seinen Rückzug als Bundestrainer an. Spätestens Ende September wird Heynen sein Amt niederlegen. Nach dem bitteren Scheitern im Olympia-Qualifikationsturnier in Berlin, wo sein Team vor zwei Wochen hauchdünn an Weltmeister Polen gescheitert war, sucht Heynen eine neue Herausforderung.

"Nach dem Turnier in Berlin habe ich dem Verband mitgeteilt, dass ich meinen bestehenden Vertrag nicht verlängere", teilte Heynen am Montagmittag mit. In der Weltliga im Sommer will er der Mannschaft noch mal "helfen", auch das ist so mit dem Verband verabredet: "Ihr könnt alle sicher sein, ich gebe noch einmal Vollgas."

Nach dieser Ankündigung dürfen sich die Schmetterkünstler, die Heynen als Nachfolger von Raul Lozano ab Februar 2012 kontinuierlich zurück in die Weltspitze führte, noch ein letztes Mal auf ein Abenteuer mit dem unkonventionellen Sportlehrer freuen. "Meine etwas verrückte Art bringt eine Mischung, die sehr gut läuft", sagte er selbst. So stimmte er etwa seine Spieler gerne auf große Turniere mit einer "Höllenwoche" ein, Schweigegelübde in den Morgenstunden, Handyverbot und Überlebenstraining im Wald inklusive.

Dieser ungewöhnlichen Mischung entsprangen unter anderem der fünfte Platz bei den Olympischen Spielen in London 2012 und zwei Jahre später mit Bronze die erste deutsche WM-Medaille seit 44 Jahren.

Sein Abschied überrascht keinen Insider mehr. "Ich weiß nicht, ob ich in Deutschland bleibe. Denn ich weiß nicht, ob es hier noch ein Projekt mit einem richtig hohen Ziel für mich gibt", hatte Heynen vor der Rio-Qualifikation gesagt. Das Turnier und sein bitteres Ende aus deutscher Sicht beseitigten dann alle seine Zweifel.

Deutschland, und das ist die für alle Sportenthusiasten alarmierende Quintessenz des Rückzugs, war nicht mehr das richtige Pflaster für den Vollblutsportler Heynen. "Ich mache meinen Job nicht, um damit mein Geld zu verdienen. Das ist Nebensache. Ich will Spaß haben und brauche echte Herausforderungen", sagte er mal. Und diese konnte ihm "Sport-Deutschland" nicht mehr bieten.

Als die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender die Volleyball-WM 2014 nicht übertrugen, bezeichnete er dies als "Schande". Und er legte rigoros seinen Finger in Wunden, nicht nur bei seinen Spielern. "Das Problem von Deutschland ist, dass es kein Sportland ist, es keine Sportkultur besitzt."

Die Entscheidung der Hamburger gegen die Olympischen Spiele 2024, so sagte er, "traf mich mitten ins Herz. Ich kann das nicht verstehen." Deutschland habe "fast nur Fußball", es fehle die Wertschätzung für andere Sportarten.

Thomas Krohne, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), dankte Heynen für dessen "sehr erfolgreiche Arbeit": "Er hat einen maßgeblichen Beitrag zur Professionalisierung und Leistungssteigerung der deutschen Männer-Nationalmannschaft geleistet, die heute in der absoluten internationalen Spitze spielt."

(sid)
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