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Deutschlands Nummer eins
Masson: "Ich will Damengolf populärer machen"

Caroline Masson feiert ersten Turniersieg
Caroline Masson feiert ersten Turniersieg FOTO: ap
Deutschlands neue Nummer eins freut sich auf das Turnier in ihrem Düsseldorfer Heimatklub und auf die Kochkünste ihrer Mutter. Von Eckhard Czekalla und Tino Hermanns

Caroline Masson (27) gelang die perfekte Werbung für das European Masters der Golferinnen. Die Gladbeckerin, seit vier Jahren auf der US-Tour unterwegs, gewann am Sonntag in Cambridge (Kanada) ihr erstes Turnier. In der Weltrangliste kletterte sie auf Rang 45, überholte damit die 31 Jahre alte Düsseldorferin Sandra Gal (Rang 67) und ist nun beste Deutsche. Ab morgen spielen beide erstmals gemeinsam ein Turnier in Deutschland, gehen dabei in ihrem Heimatclub in Hubbelrath morgen gegen 13.20 Uhr sogar zusammen auf ihre erste Runde.

Ist der erste Sieg eine Befreiung oder Last, weil Sie nun zeigen müssen, keine Eintagsfliege zu sein?

Masson Nichts von alledem. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich das Potenzial habe zu gewinnen. Aber man kann es nicht erzwingen, muss hart arbeiten und immer weitermachen. Als ich vor vier Jahren auf die LPGA-Tour ging, war ich bereit, dort zu spielen, aber mir war auch klar, dass ich viel Verbesserungspotenzial habe. Ich hatte immer den Gedanken, dass ich es drauf habe. Aber es muss halt auch vieles zusammenkommen.

Wie fällt Ihr erstes Fazit aus?

Masson Worauf ich wirklich stolz bin, ist das Gefühl, mich von Jahr zu Jahr weiterentwickelt zu haben und besser geworden zu sein. Das sieht man im Golf leider nicht immer an den Resultaten. Aber ich habe daran geglaubt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und jetzt in der vergangenen Woche merkst du: wow, du gewinnst und hast gewiss nicht perfekt gespielt. Man muss sein Ding durchziehen, an sich glauben. Insofern war es eher eine Bestätigung, dass ich an den richtigen Sachen gearbeitet habe. Sie haben sich in der Weltrangliste auf Rang 45 verbessert und sind damit beste Deutsche. Wie fühlt sich das an?

Masson Ein Sieg bringt viele Sachen in Bewegung. Es ist schön, in der Weltrangliste etwas höher zu stehen. Aber das Einzige, was mich derzeit interessiert, ist der Solheim Cup 2017, für den die Rangliste ja ein Qualifikationskriterium ist. Ich versuche mich nun hochzuarbeiten. Das Ziel ist, irgendwann in die Top 20 zu kommen. Es in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren zu schaffen, ist realistisch, du musst konstant vorne mitspielen. Langfristig ist es einfach wichtig, sich zu etablieren und vorn festzusetzen.

Hat der Erfolg in Kanada Sie zur Favoritin auf den Turniersieg gemacht?

Masson Es ist immer der Anspruch, gewinnen zu wollen. Ich weiß, ich bin gut drauf. Wenn ich meine Form mitbringen kann, dann habe ich die Chance, ziemlich weit oben mitzuspielen. Aber es geht auch darum, den Leuten vier Tage lang eine gute Show zu bieten und die große Chance zu nutzen, Damengolf hierzulande populärer zu machen. Ich hoffe, das gelingt uns. Ich will die Tage nach dem unerwarteten Erfolg, den ich wohl erst in einigen Tagen richtig realisiert haben werde, einfach genießen, alles mitnehmen und den Akku für die kommenden Aufgaben in Asien aufladen.

Ist es ein Vorteil, dass Sie wie auch Sandra Gal lange Jahre für den Hubbelrather Club gespielt haben?

Masson Den Platz kann jede Spielerin innerhalb von ein paar Tagen kennenlernen. Es ist auch schon lange her, dass ich hier gespielt habe. Soweit ich mich erinnere, lief es dabei meistens ganz gut. Den Unterschied kann der Wohlfühlfaktor machen. Du kennst hier viele Leute, triffst Menschen, die du lange nicht mehr gesehen hast. Du wirst von so vielen Fans unterstützt. Ich freue mich auf eine tolle Woche und hoffe, die Erwartungen auf gutes Golf erfüllen zu können. Klar, man kann nichts erzwingen, aber ich werde topvorbereitet am ersten Abschlag stehen. Natürlich hoffen Sandra und ich, ganz vorne mitspielen zu können. Aber es sind alle europäischen Topspielerinnen am Start.

Was verbindet Sie noch mit dem Golf Club Hubbelrath?

Masson Ich war 13 oder 14, als ich hierher nach Hubbelrath kam. Ich bin noch immer Mitglied, starte jedoch für einen anderen Club. Mein Heimatverein liegt mir noch immer am Herzen. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Bekannte treffe, und beobachte, was passiert, auch wenn ich nicht viel Zeit hier verbringe.

Ihre Eltern wohnen rund 30 Autominuten von der Anlage entfernt. Sind Sie während des Turniers Heimschläferin?

Masson Ich wäre es gerne, aber wir haben leider zu Hause ein bisschen Baustelle. Im Hotel bin ich jetzt einfach näher dran.

Sie haben erzählt, dass Sie das Essen Ihrer Mutter genießen, es gab schon am ersten Abend nach Ihrer Rückkehr Linsensuppe. Was gäbe es denn, wenn Sie sich was wünschen dürften?

Masson Ja, ich mag alles Deftige, was wir in den USA ja nicht so haben. Was meine Mutter allerdings richtig gut macht, ist Schnitzel mit Spaghetti und Tomatensoße. Aber wir werden jetzt die Tage ganz entspannt anpacken, und wenn dann noch einmal ein Essen bei meinen Eltern herausspringt, freue ich mich.

Vielleicht gibt es ja am Sonntag ein Siegesessen ...

Masson Ja, wer weiß.

Eckhard Czekalla und Tino Hermanns führten das Gespräch. 

Quelle: RP
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