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Düsseldorfer EG
"Weil wir verrückt sind"

Düsseldorfer EG: "Weil wir verrückt sind"
Die Gesellschafter zu Gast bei der RP (von links): Stephan Hoberg, Peter Hoberg und Peter Völkel. FOTO: Endermann
Düsseldorf. Erstmals haben die drei geldgebenden Gesellschafter der Düsseldorfer EG - Peter und Stephan Hoberg sowie Peter Völkel - ein Interview gegeben, in dem sie über Summen, die Motive ihres Engagements und Ziele sprechen.

Seit Mai verfügt die Düsseldorfer EG über eine neue Gesellschafter-Struktur, nachdem Stephan Hoberg die Anteile von Mikhail Ponomarev übernommen hat. Peter Hoberg war 2012 der erste Gesellschafter, im Herbst 2015 kam Peter Völkel hinzu.

Warum engagieren Sie sich finanziell bei der DEG?

Peter Hoberg Weil wir verrückt sind. Weil wir Eishockey und die DEG lieben.

Ist es Ihr privates Geld, das Sie in den Klub stecken?

Peter Hoberg Ja, jeder Cent ist in Deutschland verdient und versteuert. Rational ist das nicht zu erklären. Das ist eine emotionale Sache. Ich bin begeistert von dem Sport, der Geschwindigkeit, dem Teamgeist und Einsatz.

Wie viel stecken Sie denn pro Saison in den Klub?

Stephan Hoberg Das lässt sich nicht exakt sagen, das ist von verschiedenen Faktoren abhängig.

In der Branche heißt es, das Loch der DEG betrage jährlich etwa 1,5 Millionen Euro.

Peter Völkel Konkrete Zahlen möchte ich nicht nennen. Bei mir kommt es aber nicht aus der Privatschatulle, sondern unser Unternehmen ist Sponsor der DEG.

Der Etat der DEG ist mit acht Millionen Euro etwas höher als in den vergangenen Jahren.

Peter Völkel Wir liegen mit unserem Etat im Mittelfeld der Liga. Teams wie München, Köln und Mannheim haben sicherlich einen um 50 Prozent höheren und sind damit führend.

Und Sie stopfen das Loch am Ende der Saison?

Stephan Hoberg Wir haben gegenüber der Deutschen Eishockey Liga, die in diesen Dingen sehr streng ist, die finanzielle Verantwortung übernommen, eine Art Patronatserklärung abgegeben.

Die DEG wird von Ihnen alimentiert?

Peter völkel Ja, das ist im Eishockey üblich. Wir waren neulich bei einem Kongress der 70 führenden Eishockey-Klubs in Europa. Ein einziger kann die Saison aus eigener Kraft stemmen, alle anderen sind auf Gesellschafter angewiesen.

Wo sehen Sie die größten Baustellen?

Peter Hoberg Die DEG ist jetzt gut aufgestellt und auf einem guten Weg. Wir haben einen Drei-Jahres-Plan erstellt und für diese Zeit die Verpflichtungen übernommen. Dadurch haben wir zunächst einmal Vertrauen geschaffen. Die DEG ist ein verlässlicher Partner. Aber wir müssen vor allem in den Bereichen Marketing und Organisation professioneller arbeiten. Verbessern können wir uns in allen Bereichen.

Warum hat die DEG bei der Sponsorensuche so große Probleme?

Peter Hoberg Nach dem Ausstieg der Metro, die das damals absolut sauber gemacht hat und der wir dankbar sind, dass sie sich im Nachwuchsbereich weiterhin engagiert, hatten wir große Probleme. Das waren schwere Zeiten, in denen auch Vertrauen verspielt worden ist. Ich stand erst einmal alleine da. Und als mir keiner helfen wollte, kam Mikhail Ponomarev und hat geholfen. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Er ist ein exzellenter Eishockey-Fachmann, und seine Idee war es auch, das Wintergame nach Düsseldorf zu holen - eine großartige Sache.

Aber es endete im Streit.

Peter Hoberg Nein, das nicht. Aber Herr Ponomarev hatte sich mit der Stadt angelegt, das war schwierig und ging dann nicht mehr; das hat er gespürt. Seine Verdienste aber sind unstrittig.

Wie wollen Sie denn die Probleme im Marketing lösen und neue Sponsoren gewinnen?

Stephan Hoberg Zum einen haben wir in Stefan Adam jetzt einen Geschäftsführer, der uns sicherlich voranbringen wird. Zum anderen bin ich aber davon zutiefst überzeugt, dass es nur dadurch geht, dass wir das vorleben. Diese Begeisterung für das Eishockey und für die DEG muss anstecken. Es ist eine emotionale Sache.

Dazu müssen aber Erfolge her.

Peter Hoberg Ja, aber die können wir vorweisen. Wir haben in Christof Kreutzer und Tobias Abstreiter nicht nur zwei kompetente Trainer, sondern sie arbeiten überaus erfolgreich. Zweimal in Folge Platz fünf, einmal im Halbfinale, einmal im Viertelfinale; sie verstehen, ein Team zu formen, zu führen und zu begeistern. Und das steckt an. Deshalb haben wir jetzt erstmals seit zehn Jahren wieder mehr als 3000 Dauerkarten verkauft. Das ist doch ein großartiger Erfolg.

Welches Ziel peilen Sie innerhalb der drei Jahre an?

Stephan hoberg Sportlich sind zunächst einmal die Pre-Play-offs unser erstes Ziel, dann das Viertelfinale. Aber anders als zum Beispiel im Fußball ist das Meisterschaftsrennen völlig offen.

Und welche Ziele haben Sie im wirtschaftlichen Bereich?

Stephan Hoberg Nach den drei Jahren soll die DEG breit aufgestellt sein und stabil dastehen.

Haben Sie auch Platz für einen ganz großen Partner? Sind Sie bereit, Rechte abzugeben?

Peter hoberg Wir haben in allen Bereichen Platz. Jeder kann sich bei der DEG engagieren - mit wenig Geld und dem Kauf einer Eintrittskarte, aber auch mit viel Geld bis hin zum Gesellschafter. Wir werden aber nicht den Namen oder die Markenrechte verkaufen.

Herr Hoberg, in den vergangenen Jahren haben Sie der DEG mehrere Millionen Euro zukommen lassen. Kommen Ihnen da nicht die Tränen?

peter hoberg Ich habe so manche Nacht nicht geschlafen und in mein Spiegelbild geschaut, das sehr kritisch mit mir ist. Ich darf Ihnen sagen: Mir sind nicht die Tränen gekommen. Die kommen mir, wenn wir wirklich mal Meister werden sollten - und dann dürfen sie reichlich laufen.

THOMAS SCHULZE FASSTE DAS GESPRÄCH ZUSAMMEN.

Quelle: RP
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