Bayern München Hoeneß wird wieder Präsident — wahrscheinlich

München · Die Zukunft von Uli Hoeneß nach seiner Haftentlassung ist offen. Eine Rückkehr als Präsident des FC Bayern ist aber wahrscheinlich.

Karl Hopfner weiß, dass das Unterfangen aussichtslos wäre. Eine Kampfabstimmung gegen Uli Hoeneß? Keine Chance! Deshalb hat der amtierende Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern längst angekündigt, dass er den Weg für Hoeneß beim deutschen Rekordmeister auf jeden Fall frei machen würde.

Noch ist allerdings offen, wie die Zukunft von Hoeneß nach dessen vorzeitiger Haftentlassung am 29. Februar aussehen wird. Beim FC Bayern gehen viele davon aus, dass der 64-Jährige als Präsident zurückkehren wird. Im Spätherbst steht eine Mitgliederversammlung an, bei der sich Hoeneß zur Wahl stellen könnte. Hopfners Amtszeit läuft dann aus. Laut "Bild" will Hoeneß am 1. Juli eine Entscheidung verkünden.

Uli Hoeneß besucht Grundsteinlegung beim FC Bayern München
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Hoeneß bei Grundsteinlegung für Bayern-Zukunft

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Foto: dpa, geb gfh

Vor seinem Haftantritt am 2. Juni 2014 hatte er bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung bereits trotzig erklärt, er werde zurückkommen. "Das war's noch nicht", rief er damals den Fans emotional zu. Wenn er wieder im normalen Leben zurück sei, werde er sich "nicht zur Ruhe setzen".

Seitdem ist es ruhig geworden, und deshalb müsse "zuerst Hoeneß den Schritt machen", betonte Hopfner in den vergangenen Monaten in diversen Interviews. Er müsse sagen, "ich möchte diese Position, ich möchte beide Positionen, ich möchte dieses oder jenes im Klub noch mal erreichen - oder gerade nicht. Und dann sieht man weiter."

Die wahrscheinlichste Variante ist, dass Hoeneß wie bereits von 2009 bis 2014 wieder das Amt des Präsidenten bei den Bayern übernimmt. Hopfner würde Chef des mächtigen Aufsichtsrats bleiben. Dazu müssten allerdings beide Ämter per Satzung getrennt werden, dies ist aber wohl nur eine Formalie. Hoeneß steht als Präsident des e.V. jedoch ein Platz im Aufsichtsrat zu.

Bereits seit Anfang 2015 arbeitet Hoeneß wieder beim FC Bayern - als Freigänger in der Nachwuchsabteilung. Der frühere Manager nimmt aber auch von dort Einfluss auf die Geschehnisse im Verein. Sein Wort hat intern weiter enormes Gewicht, vor allem bei vielen Spielern. Aber auch Trainer Pep Guardiola schätzt die Meinung des einstigen Patrons.

Zuletzt war Hoeneß auch schon wieder verstärkt in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen. Er besuchte die Grundsteinlegung des neuen Nachwuchsleistungszentrums der Bayern im Herbst und hinterließ dort einen recht aufgeräumten Eindruck. Zudem war er mehrfach beim Basketball im Audi-Dome.

Nach 637 Tagen Gefängnis wird Hoeneß ab 29. Februar wieder ein freier Mann sein. Die 1. auswärtige Vollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg mit Sitz in Landsberg/Lech hatte am Montag dem Antrag stattgegeben, die restliche Strafe zum Halbstrafenzeitpunkt auszusetzen. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt.

Hoeneß war wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Hoeneß hat nach Angaben des Gerichts "den Schaden durch Zahlungen in Höhe von mindestens 43 Millionen Euro wieder gutgemacht".

Momentan muss Hoeneß noch fünf Nächte in der Woche im Freigängerhaus in Rothenfeld verbringen. Dorthin war er von der Justizvollzugsanstalt Landsberg/Lech verlegt worden. Nach seiner Haftentlassung endet formal sein Vertrag in der Nachwuchsabteilung des Rekordmeisters. Dann will Hoeneß mit seiner Ehefrau Susi erst einmal Urlaub machen und in Ruhe entscheiden, wie seine Zukunft aussieht. Und die dürfte als Präsident beim FC Bayern liegen ...

(sid)
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