| 15.27 Uhr

Borussia
"Frontzeck war der beste Transfer"

Borussias Sportdirektor Max Eberl nimmt Stellung: zur Entwicklung der Mannschaft, den Zielen für die nächste Saison, ob unbedingt ein neuer Stürmer geholt werden muss, welche Zukunft Oliver Neuville hat und wer im Mai Deutscher Meister sein wird.

Borussia hat vor dem Spiel in Dortmund 30 Punkte. Sie "sprechen von einer komfortablen Situation". Besteht die Gefahr, sich zu sehr in Sicherheit zu wiegen?

Eberl Wir stehen mit 30 Punkten nach 24 Spielen ordentlich da. Das darf aber nicht dazu führen, dass wir schlampig werden. Es sind noch zehn Spiele, richtig schöne zum Teil: Bayern, Leverkusen, Wolfsburg, Hamburg und jetzt Dortmund. Wir müssen sehen, dass wir im richtigen Fahrwasser bleiben und weiter punkten. Wir wollen nicht mehr in Gefahr kommen, sondern die Saison, die bis auf die Phase, als wir sechs Spiele nicht gewonnen haben, gut zu Ende bringen.

Borussia könnte das Zünglein an der Waage im Meisterschaftsrennen sein. Am drittletzten Spieltag kommen die Bayern, dann am letzten Leverkusen.

Eberl Wir freuen uns erstmal auf das Spiel in Dortmund vor 80 000 Zuschauern. Das ist für jeden Fußballer ein tolles Erlebnis. Ich denke auch, dass, wenn Leverkusen zu uns kommt, die Meisterfrage schon entschieden ist.

Zu wessen Gunsten?

Eberl Ich glaube, dass der FC Bayern Meister wird. Die Münchener haben zuletzt unglaublich konstant und gut gespielt. Ich glaube nicht, dass sie noch zu stoppen sind.

Jupp Heynckes hat die Bayern am Ende der vergangenen Saison wieder auf Kurs gebracht, nun arbeitet er erfolgreich in Leverkusen. Warum hat es vor knapp vier Jahren in Gladbach nicht geklappt?

Eberl Ich war damals ja noch Jugenddirektor. Darum kann ich das nicht so gut beurteilen. Aber es hatte sicher auch damit zu tun, dass Jupp Heynckes hier vom Umfeld nicht so behandelt wurde, wie es einem Mann mit seinen Verdiensten für diesen Klub zusteht. Dass es nun in Leverkusen so gut funktioniert, wundert mich nicht. Ich habe noch viel Kontakt zu Hermann Gerland beim FC Bayern und weiß, wie nah Heynckes an den Spielern dran ist. Mit ihm und Sami Hypiäa hat Leverkusen genau die noch fehlenden Bausteine in das junge, spielstarke Team integriert.

Mit Michael Frontzeck passt es bei Borussia ebenfalls sehr gut.

Eberl Ich habe es schon mal so formuliert: Michael Frontzeck war mein bester Transfer. Das Team stand ja schon, nur Torben Marx kam als bundesligaerfahrener Mann noch dazu. Wir hatten Spieler, die etwas erreichen wollen in einem Klub, der Schritt für Schritt etwas aufbauen will. Mit diesen Vorgaben haben Steffen Korell und ich einen Trainer gesucht. Wir haben mit einigen Kandidaten gesprochen, dabei hat sich Michael Frontzeck herauskristallisiert. Ich wusste, dass es zunächst Gegenwind geben würde. Dass es so heftig werden würde, hatte ich allerdings nicht vermutet. Die Leute dachten wohl, ich nähme den ersten Trainer, den ich kenne. Aber ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht und war mir sicher, dass es funktioniert. Und es hat funktioniert.

Michael Frontzeck spricht immer von einem Lernprozess, in dem sich die Mannschaft befindet. Wie weit ist das Team?

Eberl Es geht darum, stabil in der Bundesliga zu bleiben. Dafür brauchen wir ein stabiles Team. Was das angeht, sind wir auf einem guten Weg. Nehmen wir die beiden Spiele gegen Hoffenheim. Im Hinspiel haben wir in den ersten 60 Minuten überragend gespielt, dann aber nach dem Ausgleich zu offen nach vorn gespielt und 2:4 verloren. Im Rückspiel haben wir zwar auch nur 2:2 gespielt trotz einer 2:0-Führung, aber wir haben weitaus besser gestanden am Ende. Auch das ist ein Stück weit ein Lernprozess. Auch das Spiel gegen Freiburg hat gezeigt, dass wir uns auch nach Rückschlägen wieder ordnen können. Wir haben nach dem Rückstand ruhig weiter gespielt und noch das 1:1 geschafft.

Das hat auch etwas mit Selbstvertrauen zu tun. Michael Frontzeck sagt, die Mannschaft habe sich dieses erarbeitet.

Eberl Das ist eine Wechselwirkung. Wir haben gut angefangen, unser Spiel wurde anerkannt, das bringt eine gewisse Selbstverständlichkeit in den Abläufen. Daraus zieht die Mannschaft das Selbstvertrauen. Aber wir sind uns bewusst, dass es auch Rückschläge geben wird, das ist normal. Und wir haben gesehen, als wir einige Spiele am Stück verloren haben, dass die Mannschaft damit umgehen kann. Eine Entwicklung ist, wenn die schlechten Phasen seltener werden oder wenn man immer schneller da wieder raus kommt.

War es auch wichtig für die Entwicklung, dass es bei dem Negativ-Lauf so ruhig geblieben ist im Klub und drumherum?

Eberl Wir wussten, dass so eine Phase kommen würde. Es war sehr intensiv und lehrreich. Aber die Leute haben gespürt, dass etwas entsteht. Wir haben dann Gott sei dank zum richtigen Zeitpunkt den Bock umgestoßen. Michael Frontzeck hatte nach dem Hinspiel gegen Dortmund, das 0:1 verloren ging, die richtigen Schlüsse gezogen. Seit dem Spiel in Wolfsburg, das zwar verloren wurde, aber deutlich besser war, hatten wir unsere Linie dann gefunden.

Wie lautet das Ziel für die neue Saison?

Eberl Wir wollen wieder eine stabile Saison spielen und die Mannschaft weiterentwickeln. Wir haben jetzt ein gutes Fundament, auf dem wir aufbauen können. Ich halte aber nicht viel davon, Tabellenplätze zu nennen. Jetzt ist Platz acht bis 14 möglich, doch es geht darum, wie wir spielen. Darum wäre es auch kein Rückschritt, wenn wir nächste Saison einen Platz schlechter dastehen, uns aber spielerisch entwickelt haben.

Werden Sie verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzen? Geld für große Transfers ist nicht da, haben Sie gesagt.

Eberl Mit Bäcker, Jantschke, Löhe, Neustädter, Dorda, Herrmann und Janeczek haben wir bereits einige junge Leute aus dem eigenen Nachwuchs im Kader, nächste Saison kommt Marc-André ter Stegen dazu. Zudem kommt Sebastian Schachten zurück, er ist auch erst 22. Die jungen Leute sind da, um den Arrivierten Druck zu machen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Kaderplanung.

Welche Rolle wird ter Stegen spielen?

Eberl Mit Frederic Löhe haben wir verlängert und abgesprochen, dass wir ihn ausleihen an einen Profiklub. Er muss Erfahrung sammeln. Marc-André wird dritter Torwart und in der U23 spielen. Und wir haben auch noch Janis Blaswich. Es ist gut zu wissen, dass wir solche Qualitäten im eigenen Stall haben.

Es wird also keine große Einkaufstour geben?

Eberl Nein. Wir haben genug Spieler, die sich noch entwickeln können. Bobadilla, Reus, Bradley Levels und auch Dante zum Beispiel. Tobi Levels ist das beste Beispiel. Es gab viele, die ihn schon abgeschrieben hatten, jetzt hat er seinen festen Platz in der Mannschaft. Wir werden ganz gezielt nach Spielern schauen, die uns verbessern. Wir haben aber noch keine konkreten Gespräche mit Spielern geführt. Es gibt aber mehrere Alternativen, die wir ausloten.

Sie sehen derzeit viele Spiele – und damit auch viele Spieler.

Eberl Aber das gehört doch zu meinem Job. Deshalb will ich nicht immer gleich die ganze Mannschaft kaufen. Wir arbeiten gern langfristig und beobachten die Spieler immer wieder. Wenn mir dann in zwei Jahren einer angeboten wird, kennen wir ihn gut. So war es auch bei Marco Reus. Je mehr man über die Spieler weiß, desto besser kann man einschätzen, ob sie zu uns passen.

Ist ein neuer Stürmer ein Muss?

Eberl Wir haben in der Bundesliga die achtmeisten Tore geschossen. Wir haben nicht den Stürmer. der als Torschütze herausragt wie bei Schalke Kevin Kuranyi. Aber unsere Offensivspieler waren an 77 Prozent unserer Tore beteiligt. Bei uns ist es eben auf die ganze Mannschaft verteilt.

Moses Lamidis Vertrag wird nicht verlängert. Was ist mit Thomas Kleine, Roberto Colautti und Oliver Neuville?

Eberl Wir haben mit den Beratern von Thomas und Roberto vereinbart, dass wir im März sprechen. Wenn sie sich vorher für eine andere Option entscheiden, müssen wir das akzeptieren. Olli haben wir gesagt, dass er hier nicht mehr als Profi spielen wird. Aber wir haben ihm eine Perspektive im Verein aufgezeigt. Es gibt ein, zwei Planstellen, in denen er Spaß haben wird und dem Klub helfen kann. Ich verstehe aber, dass er sich Gedanken macht. Nach 19 Jahren als Profi ist so eine Entscheidung nicht leicht.

Was ist mit Ihrem eigenen Vertrag?

Eberl Der läuft bis 2011. Wenn ich gute Arbeit mache, läuft alles andere von allein. Wir wollen dem Team ein Gesicht geben und mit einem durchgängigen Konzept arbeiten. Wir sind auf einem guten Weg.

Quelle: RP
 
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