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Borussia Mönchengladbach
Jantschke: "Granit als Kapitän? Das fand ich plausibel"

Borussia Mönchengladbach: Jantschke: "Granit als Kapitän? Das fand ich plausibel"
Tony Jantschke hat erstmals über die Kapitänsfrage bei der Borussia gesprochen. FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Erstmals äußert sich Tony Jantschke selbst in der Kapitänsfrage. Er spricht über Erwartbares in der Zeit nach Lucien Favre und seine Reha.

Herr Jantschke, wann sehen wir Sie wieder zurück auf dem Platz?

Tony Jantschke Ich bin seit Dienstag die Krücken los. Die Schiene ist seit Mittwoch auch weg. Wir gehen mal von sechs bis sieben Wochen aus, also von Mitte bis Ende März. Das ist realistisch. Ich will natürlich so schnell wie möglich zurückkommen, aber wir müssen auch nichts "übers Knie brechen". Denn man weiß natürlich nie, wie das Knie reagiert in den kommenden Wochen. Bisher läuft es jedenfalls sehr, sehr gut. Ich kann aufs Fahrrad, wir arbeiten an der Stabilität des Knies, an der Mobilität und am Muskel- und Kraftaufbau. Und dann geht es zurück auf den Platz. So ist der Plan.

Porträt in Bildern: Das ist Tony Jantschke FOTO: Dieter Wiechmann

Sie wurden im Dezember an Kreuzband und Meniskus operiert, eine konservative Behandlung kam nicht in Frage, oder?

Jantschke Am Kreuzband bin ich ja gar nicht operiert worden. Das war nur ein kleiner Einriss, aber der Meniskus hatte eben ganz schön etwas abbekommen. Der musste entsprechend genäht werden.

Gladbach - Dortmund: Einzelkritik FOTO: dpa, gki

War diese Verletzung der negative Höhepunkt eines zweiten Halbjahres 2015 zum Vergessen für Sie persönlich?

Jantschke Ach, "zum Vergessen" würde ich nicht sagen. Du nimmst ja auch aus negativen Erfahrungen Positives mit. So war ich jetzt zum 50. Geburtstag meines Vaters in der Heimat. Das letzte Mal habe ich den 40. mit ihm feiern können, weil wir zu der Zeit quasi immer im Trainingslager waren. Da begreifst du mal wieder, dass es um den Fußball herum auch noch andere Dinge gibt.

Borussia Mönchengladbach: Scorerliste der Saison 2015/16 FOTO: ap

Sicher. Aber auch diese Dinge können die sportliche Enttäuschung nicht komplett ausblenden, oder?

Jantschke Na klar. Nach der ersten Jahreshälfte mit dem dritten Platz, als ich fast immer gespielt habe, war das zweite Halbjahr natürlich bescheiden. Ein schlechter Saisonstart - von mir wie von der ganzen Truppe, der Rücktritt von Lucien Favre, ein neues System, an das ich mich ein Stück weit gewöhnen musste, dann erst die Unterschenkelverletzung, dann die Schulterverletzung, insgesamt wenig Einsätze und dann die Knieverletzung in Leverkusen. Und jetzt ist es eben so, wie es ist. Wenn du mehr als vier tolle Jahre erlebst, quasi ohne ein Tief, dann kann das schon mal vorkommen.

Sie haben Lucien Favres Rücktritt angesprochen, und Favre haben Sie ja oft als Glücksfall für sich bezeichnet. Hatten Sie sich eigentlich irgendwann mal mental auf die Zeit nach ihm vorbereitet?

Jantschke Natürlich weißt du in diesem Geschäft, dass ein neuer Trainer in Sachen Aufstellung andere Vorstellungen hat. Du hast ja nach einem Trainerwechsel oft sofort auch eine andere Hackordnung. Insofern war mir bewusst, dass sich das Ganze für mich wieder drehen kann. Und man darf ja auch nicht vergessen: Ich hab es ja auch andersherum erlebt, als Lucien Favre 2011 kam, Tobias Levels quasi sofort aussortierte und ich dafür gespielt habe.

Ist der größte Erfolg von Lucien Favre, letztlich der, dass Borussia vom Leistungsniveau her nach normalen Maßstäben kein Abstiegskandidat mehr sein kann?

Jantschke Ja, das ist die größte Leistung der Favre-Zeit, die er, aber eben auch alle hier zusammen aufgebaut haben. Wir haben heute eine Qualität im Kader und eine Ausstrahlung nach außen, das ist schon bemerkenswert für einen Verein, der vorher lange nur Abstiegskampf kannte.

Haben Sie noch Kontakt zu Favre?

Jantschke Wir haben ein paar Mal telefoniert. Er hat sich auch nach meiner Verletzung erkundigt. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass wir siebenmal pro Woche telefonieren, bloß weil ich unter ihm immer gespielt habe.

Favres Nachfolger André Schubert hat die Spielweise verändert. Und er hat gesagt, Martin Stranzl und Sie müssten sich noch daran gewöhnen. Gibt es einen Grund, warum Sie im neuen System nicht klar kommen sollten?

Jantschke Ich glaube schon, dass die Art, wie ich mir das Verteidigen angelernt habe, zunächst mal kontrovers zu unserer neuen Spielweise erscheint. Insofern müssen auch Martin und ich uns natürlich erst an die Änderungen gewöhnen, es müssen neue Automatismen entstehen. Aber das ist doch ganz normal, das heißt ja nicht, dass wir zwei nicht durchverteidigen können. Und es ist ja auch nicht so, dass Martin und ich vorher nur hinten drin gestanden haben. Wir haben auch an der Mittellinie verteidigt, aber wir haben uns gegenseitig abgesichert. Und in den vergangenen Jahren gehörten wir damit ja auch immer zu den Top-Abwehrreihen. Das darf man nicht vergessen.

Als Sie Ende Oktober gegen Schalke von der ersten Verletzung zurückkamen, war Granit Xhaka Kapitän. Und er blieb es auch - mit Ihnen auf dem Platz. Kolportiert wurde danach immer, Sie hätten mit der Abgabe der Binde kein Problem gehabt. Doch, was Sie selbst davon hielten, habe ich bislang nirgendwo gelesen.

Jantschke Was soll ich mich dazu auch äußern? André Schubert hat mit mir ganz offen darüber gesprochen. Die Idee war ganz klar, Granit zum Kapitän zu machen. Das fand ich plausibel und im Sinne des Teams. Und man hat ja auch gesehen, dass er an dem Amt gewachsen ist. Natürlich hätte ich sie gerne behalten, aber man darf nicht vergessen, auch ich war ja nur zweiter Kapitän hinter Martin Stranzl.

Trotzdem wirkte es so, als sei Tony Jantschke einer, der im Sinne der Mannschaft alles mitmacht.

Jantschke Das glaube ich nicht. Ich sehe es einfach so, dass man nicht zwingend die Binde tragen muss, um ein Anführer zu sein. Und Anführer muss es in einer Mannschaft eh mehr als nur einen geben. Max Kruse zum Beispiel war meilenweit von der Kapitänsbinde entfernt und war trotzdem der, der im Kreis vor dem Spiel gesprochen hat.

Das drängendste Thema ist nun eh die Defensivproblematik. Bekommt Borussia die schnell in den Griff?

Jantschke Ich hoffe es natürlich, und ich weiß, dass wir die Qualität dazu haben. Fakt ist auf jeden Fall, mit drei Gegentoren im Schnitt wird es schwer, weil du in der Bundesliga nicht davon ausgehen kannst, immer vier zu schießen.

Reicht es für Borussia trotzdem am Ende wieder für den Europacup?

Jantschke Das werden wir Mitte Mai wissen.

Ich hatte diese Antwort befürchtet...

Jantschke (lacht) ...Was soll ich denn sagen? "Klar, das wäre schön", könnte ich jetzt sagen. Aber wenn das ein Fan liest, denkt er sich auch "Wäre ja auch schlimm, wenn nicht!".

STEFAN KLÜTTERMANN FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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