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Borussia Mönchengladbach
So verhindert Borussia eine Sprachbarriere auf dem Platz

Welcher Trainer fliegt zuerst?
Welcher Trainer fliegt zuerst? FOTO: dpa
Mönchengladbach. Die in München grassierende Debatte um Deutsch als Hauptsprache im Team stellt sich in Gladbach schon seit Jahren nicht mehr. Von Thomas Grulke und Stefan Klüttermann

Wenn sich um Branchenführer FC Bayern ein Diskurs zu einem bestimmten Thema entfacht, strahlt das nicht selten auf den Rest der Liga aus. Was meinen andere Trainer und Sportdirektoren zum Thema? Was bedeutet der schwelende Streit für die Konkurrenz? Und wie wird in den anderen Klubs dieses vermeintliche Problem eigentlich gehandhabt?

Ein Thema, das immer mal wieder hoch kocht, seit Pep Guardiola 2013 seine Stelle bei den Bayern angetreten hat und danach die Anzahl seiner Landsleute in Münchner Lohn und Brot sukzessive gestiegen ist, ist die Frage, wie relevant es eigentlich ist, dass auf dem Trainingsplatz (hauptsächlich) Deutsch gesprochen wird. Ottmar Hitzfeld hält es für sehr relevant. "Die Bayern müssen aufpassen, dass Deutsch die Hauptsprache in der Mannschaft bleibt", warnte er im "Kicker".

Schwenkt man den Blick in dieser Hinsicht indes mal hunderte Kilometer nordwestlich nach Mönchengladbach, stellt sich diese Frage überhaupt nicht. Und dabei ist es ja nun nicht so, dass Borussia nur Profis mit deutschem Pass in ihrem Kader hätte. Aber - und deswegen lohnt der Blick diesbezüglich durchaus - die Tatsache, dass alle Borussen-Profis auf dem Trainingsplatz deutsch verstehen und fast alle auch deutsch sprechen, ist eben zumindest ein Nebenaspekt der Transferstrategie, die Sportdirektor Max Eberl nun schon seit einigen Jahren konsequent verfolgt. "Die Sprache und die Kenntnis des deutschen Fußballs spielen eine Rolle. Die Spieler können sich schnell eingewöhnen, das ist ein Vorteil", sagte er im Kicker-Sonderheft.

Blickt man auf Eberls Jahre als Kaderplaner zurück, fallen in Sachen Sprachbarriere als Ausnahmen natürlich vor allem Juan Arango und Kurzzeit-Passant Yuki Otsu ein. Alle anderen ausländischen Profis brachten entweder Deutschkenntnisse aus einer vormaligen Bundesligastation oder einer im deutschsprachigen Ausland mit (Raffael, Stalteri, Galasek, Nordtveit, Ring), stammten aus Österreich (Stranzl) oder - wie Lucien Favre - aus der Schweiz (Xhaka, Sommer, Drmic, Elvedi) oder lernten Deutsch sehr schnell (Wendt, Hrgota, Dominguez, Dante, de Camargo).

Einen Extra-Dolmetscher auf der Bank, wie anderswo durchaus üblich, kannte man in Gladbach in den vergangenen Jahren nur von Jörg Stiel, der in der Anfangszeit für die spanisch sprechende Fraktion um Arango, Raul Bobadilla und Roberto Colautti übersetzte und in Tobias Levels einen sprachbegabten Profi als Unterstützung hatte. Heute braucht Thorgan Hazard nur im Zweifelsfall einen Ibo Traoré an seiner Seite.

In einem Geschäft, in dem (teure) Neuzugänge fast immer als Soforthilfe im Team eingeplant sind, weil die Zeit knapp und der Erfolgsdruck groß ist, sehen sie bei Borussia in der Sprachbarriere ein Hindernis, das mit vorausschauender Transferpolitik zu umgehen ist. Einen Vorfall, wie jüngst in Mainz, als Manager Christian Heidel seinem chilenischen Nationalspieler Gonzalo Jara öffentlich mangelnden Integrationswillen vorwarf, erlebte man in Gladbach jedenfalls lange nicht mehr. Und gibt es tatsächlich mal einen Vorwurf, ist der scherzhaft gemeint, wie der von Tony Jantschke in Richtung der Schweizer Fraktion im Team: "Untereinander haben sie eine Art Geheimsprache, die angeblich mit Deutsch zu tun hat."

Quelle: RP
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