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Olympia-Tagebuch
Techniken hinter dem Absperrband

Olympia 2016: Techniken hinter dem Absperrband
RP-Redakteur Stefan Klüttermann berichtet von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. FOTO: privat
Rio de Janeiro. Alle Journalisten wollen starke Zitate von Sportlern. Der Weg zum Ziel wird unterschiedlich beschritten.

Zu den tollsten Erfindungen der Medienbranche zählt ganz zweifelsohne die Mixed Zone. Hier kommen sich Journalisten, die unbedingt mit Sportlern sprechen wollen, und Sportler, die nicht unbedingt mit Journalisten sprechen wollen, ganz nah. Nur ein Absperrgitter oder ein Absperrband trennen beide Gattungen Mensch voneinander. Hier in Rio stehen überall immer ganz viele Journalisten in irgendeiner Mixed Zone, weil sie hoffen, dass die Sportler bei Olympia etwas ganz Außergewöhnliches zu erzählen haben. Dutzende Handys recken sich am Ende verrenkter Arme den Helden entgegen, um die Botschaften aufzunehmen. Dabei sind ganz verschiedene Mixed-Zone-Techniken aufseiten der Journalisten zu beobachten:

Der Platzhirsch Er stand schon in Mixed Zonen, als es noch gar keine Mixed Zonen gab. Kein Kollege würde es wagen, ihn aus der ersten Reihe zu verdrängen. Er stellt die schlausten Fragen, ihn erkennt der Sportler am Gesicht. Ein eingespieltes Team.

Der Neuling Er ist voller Tatendrang und stellt dem Sportler direkt zu Beginn genau die heikle Frage, die sich der Platzhirsch bis zum Ende aufgespart hätte. Der Sportler verlässt daraufhin nach einer schnippischen Antwort die Mixed Zone und überlässt den Newcomer den bösen Blicken der grimmigen Kollegen.

Der Desinteressierte Er hält seinen Arm samt Handy aus einiger Entfernung in den Pulk der Kollegen und guckt demonstrativ in eine andere Richtung, als in die, in der der Sportler steht. Das soll Abgeklärtheit signalisieren, dient aber auch dazu, elegant die Angst vor der Verlegenheit zu kaschieren, selbst eine Frage stellen zu müssen.

Der Kumpel Er braucht eigentlich gar kein Zitat des Sportlers für seinen Text, aber er kennt den Sportler einfach seit Jahren so gut, dass er den Kollegen einfach mal zeigen will, wie gut er just den Sportler schon seit Jahren kennt, von dem sie nun alle dringend ein Zitat haben wollen. Manchmal geht der Sportler direkt wieder, nachdem die beiden geplaudert haben. Das ist dann doof für alle anderen.

Der Zu-Spät-Kommer Er hat den Anfang des Gesprächs verpasst, entschuldigt sich beim Sportler auch dafür und fragt den Olympiasieger dann trotzdem nochmal, wie er sich denn nun in diesem Moment fühle. Manche Kollegen verlassen in dem Moment mit verdrehten Augen die Mixed Zone.

Der Tennisspieler Er besitzt eine äußerst ausgeprägte Unterarmmuskulatur und setzt darauf, das Gespräch in die Länge zu ziehen, um so weniger Austrainierte irgendwann zur Aufgabe zu zwingen und am Ende als letzter Verbliebener noch seine exklusive Frage an den Sportler loswerden zu können.

Quelle: RP
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