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Olympische Winterspiele
Der Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle

Olympische Winterspiele: Der Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle
Evi Sachenbacher-Stehle hat das deutsche Olympia-Team in Verruf gebracht. FOTO: dpa
Sotschi. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist um eine vollständige Aufklärung bemüht. Man habe die Fürsorgepflicht gegenüber der Biathletin ausreichend gewahrt. In einem Nahrungsergänzungsmittel war wohl ein verbotener Stoff. Von Joachim Lindinger

Seine Gefühlslage sollte Alfons Hörmann schildern in Sachen Evi Sachenbacher-Stehle. An Tag zwei nach dem Fall Evi Sachenbacher-Stehle. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) schürzte die Lippen, etwas blass sah er aus. "Für mich war's, wie für alle im Team, ein schockierendes Erlebnis. Diese Unachtsamkeit in Form von Verstößen gegen alle Empfehlungen, die vom DOSB, vom Deutschen Skiverband, seitens der Nationalen Anti-Doping-Agentur zum Thema ,Nahrungsergänzungsmittel' nochmal verteilt wurden – man kann nur mit ungläubigem Erstaunen feststellen: Das hätte so in keiner Weise passieren dürfen."

Ist es aber, und so überlagern – mitnichten imagefördernd – zwei positive Proben auf Methylhexanamin die deutsche Sotschi-Bilanz. Michael Vesper, Chef de Mission der Olympiamannschaft, wiederholte mantrahaft, dass der DOSB seiner Für- und Vorsorgepflicht Genüge getan, aufgeklärt, gewarnt habe. Allerdings: Nahrungsergänzungsmittel sind legal. "Das sind Produkte", sagte DOSB-Athletenvertreter Christian Breuer, "die jeder von uns im Laden kaufen kann."

Pressestimmen: "Das war's erstmal mit Biathlon" FOTO: RPO

Evi Sachenbacher-Stehle hatte sich offensichtlich eines anderen Vertriebswegs bedient: Ihr Mentaltrainer habe die Nahrungsergänzungsmittel für sie bezogen. Den Hersteller – so referierte Michael Vesper die Ergebnisse der IOC-Anhörung – habe die 33-jährige Biathletin beauftragt, einen Teil der Lieferung auf mögliche Verunreinigungen prüfen zu lassen. Beim Rest "hat sie eben auf die Aussage vertraut, dass die Produkte clean seien".

Ein Fehler. Auch wenn der Vorwurf des vorsätzlichen Dopings wohl aus der Welt ist – vor Strafe schützt das nicht: Ausschluss von den Spielen, demnächst das Verfahren des Biathlon-Weltverbandes IBU, Aberkennung der vierten Plätze in Massenstartrennen und Mixed-Staffel. Die lief Evi Sachenbacher-Stehle mit Laura Dahlmeier, Daniel Böhm und Simon Schempp. Drei schuldlos Mit-Disqualifizierte. Michael Vesper: "Ich kann mir ihre Gemütslage vorstellen."

Evi Sachenbacher-Stehles Gemütslage hat der 61-Jährige hautnah erlebt am Tag von B-Proben-Öffnung und IOC-Kreuzverhör. "Schlicht und einfach erschüttert" sei sie gewesen, als sei ihr "komplett der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Es waren schon sehr bewegende Stunden." Stunden, in denen der Oberbayerin mehr und mehr die Tragweite dessen bewusst geworden sei, was sie getan hat.

Tätig war zu dieser Zeit die Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Dopingdelikte: Der Biathlon-Olympiastützpunkt in Ruhpolding ist durchsucht worden, Evi Sachenbacher-Stehles Privatwohnung auch. Der DOSB will mit der Behörde kooperieren, sie ermittelt gegen Unbekannt - auch im Sinne seiner Sportlerin. "Hochtechnisiertes Doping" habe die definitiv nicht betrieben, sagt Michael Vesper an Tag zwei danach. Dass Evi Sachenbacher-Stehle fahrlässig(st) gehandelt hat, muss niemand sagen. Die Zahl der Nahrungsergänzungsmittel-Produkte, die sie nutzte, spricht für sich. Michael Vesper: "Es sind einige. Also es sind mehr als fünf. Fünf, sechs, sieben ..."

Alfons Hörmann sieht etwas blass aus. Immer noch.

Quelle: RP

 
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