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Singapur
Bahn-Manager muss ins Gefängnis

Singapur. Der Schenker-Chef hatte in Singapur einen Taxifahrer angegriffen.

Folgenschwerer Blackout eines Spitzenmanagers im Vollrausch: Jochen Thewes, Chef von rund 67.000 Beschäftigten der größten Bahn-Tochter Schenker, muss nach einer nächtlichen Gewaltattacke auf einen Taxifahrer in Singapur für 14 Tage ins Gefängnis. Vor einem Jahr soll der Deutsche laut einer Singapurer Gerichtsentscheidung den Taxifahrer angepöbelt und gestoßen und dessen Fahrzeug demoliert haben, weil der ihn nicht mitnehmen wollte. Thewes tritt die Haft an und verzichtet auf eine Berufung.

Der Verfall ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 24. September 2015 in Singapur. Thewes sagte später vor Gericht, er könne sich wegen seines Alkoholkonsums an Einzelheiten nicht mehr erinnern. Das stimmte das Gericht aber nicht gnädig: Die Strafe der bekannt strengen Singapurer Justiz lautete auf Haft und umgerechnet 650 Euro Geldstrafe, die Thewes bereits beglichen hat.

An dem verhängnisvollen Abend vor einem Jahr war er laut den Gerichtsunterlagen mit seiner Ehefrau und einem Verwandten zunächst essen gewesen und hatte danach noch mit Freunden Alkohol getrunken. Dann zog er bis in den frühen Morgen allein weiter. Eine Überwachungskamera nahm die Attacke um 3.50 Uhr früh auf: Thewes soll den Fahrer wüst beschimpft, vor die Tür des Taxis getreten und den Fahrer in seinen Sitz gestoßen haben. Die Brille des Mannes ging dabei zu Bruch. Ein Arzt diagnostizierte später Schwellungen im Gesicht des Mannes. Umstritten ist, ob der Manager den Taxifahrer auch ins Gesicht geschlagen hat: Das war auf dem Video nicht zu erkennen.

Der 45-Jährige hat sich bei dem Taxifahrer entschuldigt und ihm Schadenersatz gezahlt und mehrfach und vergangene Woche auch persönlich vor den Mitarbeitern in der Essener Schenker-Zentrale sein Fehlverhalten eingeräumt. Das Karriere-Aus droht ihm aber wohl nicht: Der Bahn-Vorstand habe ihm weiter sein Vertrauen zugesichert, hieß es aus Konzernkreisen.

Auf Thewes warten daher wohl auch weiterhin die wichtigen Aufgaben, die man ihm schon bei seinem Amtsantritt vor rund einem Jahr übertragen hatte: Der Manager sollte die Rendite auf das Niveau der großen Konkurrenten wie Kühne & Nagel heben und die Bahn-Logistiktochter fit machen für einen Börsengang.

(dpa)
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