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Knapp 300.000 Euro im Durchschnitt
Beamte im Ruhestand sind reichste Bevölkerungsgruppe

Beamte im Ruhestand sind reichste Bevölkerungsgruppe
Pensionäre verfügen in Deutschland über das größte Vermögen. FOTO: dpa
Wiesbaden/Berlin . Knapp 300.000 Euro hat ein Pensionärshaushalt im Schnitt an Vermögen. Sie besitzen Aktien, Immobilien in guter Lage und haben Geld auf der hohen Kante: Pensionäre in Deutschland sind im Schnitt wohlhabender als alle anderen Bevölkerungsgruppen.

Auf 298.700 Euro pro Haushalt beläuft sich das Nettogesamtvermögen der Beamten im Ruhestand. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. Sie toppen damit nicht nur Rentner, die weniger als die Hälfte haben, sondern auch Selbstständige (257.500 Euro). Und nicht nur das Vermögen ist größer, auch die Zuwächse fallen deutlich höher aus als im Schnitt.

Die Gründe liegen für den Bund der Steuerzahler auf der Hand. "Die Pensionen haben in den vergangenen Jahren im Vergleich zu den Renten kaum Kürzungen erfahren. Pensionäre in Deutschland sind eine privilegierte Gruppe", sagt der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel. Angesichts der gewaltigen Lasten für die öffentlichen Kassen müsse der Staat endlich gegensteuern, bekräftigte Holznagel: "Die Einschnitte bei den gesetzlichen Renten müssen 1:1 auf die Pensionen übertragen werden."

Der dbb Beamtenbund und Tarifunion hält dagegen: "Die Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung wurden in der Vergangenheit wirkungsgleich auf die Beamtenversorgung übertragen." Seit 2003 sei der Höchstsatz der Versorgung in acht Schritten auf 71,75 Prozent abgesenkt worden.

Überdurchschnittlich hoch ist nach Zahlen des Statischen Bundesamtes das Vermögen, das Pensionäre dank des Börsenbooms mit Wertpapieren wie Aktien oder Investmentfonds angehäuft haben. Im Schnitt hat ein Pensionärshaushalt Papiere im Wert von 35.100 Euro. Ein Durchschnittshaushalt kommt nur auf 12.200 Euro. Die starke Nachfrage nach Immobilien insbesondere in guten Lagen trägt zu dem kräftigen Plus in der Vermögensstatistik der Staatsdiener ebenfalls bei. Zudem haben die ehemaligen Beamten höhere Sparguthaben als der Durchschnittshaushalt.

Insgesamt stieg das Vermögen der Pensionäre pro Haushalt von 2008 bis 2013 um satte 21,6 Prozent. Rentner mussten sich im Schnitt dagegen mit einem mageren Plus von 2,7 Prozent auf 127.000 Euro begnügen. Über alle Bevölkerungsgruppen gesehen stieg das Nettogesamtvermögen der Haushalte um 5 Prozent auf 123.500 Euro. Kaum Zuwächse gab es bei Selbstständigen und noch aktiven Beamten. Mehr Vermögen als 2008 hatten Angestellte. Die Wiesbadener Behörde führt alle fünf Jahre die sogenannte Einkommens- und Verbrauchsstichprobe durch. Die Daten für die Stichprobe 2013 wurden in fast 55.000 Haushalten erhoben.

Doch woran liegt es, dass Pensionäre im Schnitt reicher sind als andere? Ein Grund: Beamtenpensionen "spiegeln durchweg langjährige, geradlinige Erwerbsbiographien" wider, erläutert das Bundesarbeitsministerium. Hinzu kommt: Bei Beamten des Bundes zum Beispiel handelt es sich meist um Beschäftigte mit langen Dienstzeiten und hoher Qualifikation - und entsprechend und hohen Pensionen. Diese müssen freilich fast in voller Höhe versteuert werden - Renten bislang nicht.

Der Beamtenbund weist darauf hin, dass die Bruttobezüge der Ruhegehaltsempfänger des Bundes sich in den vergangenen 20 Jahren nicht wesentlich besser entwickelt hätten als die Renten (1993-2013: Pensionäre Bund +32 Prozent/ Rentner +26 Prozent). Die Entwicklung bei den Versorgungsempfängern der Länder sei dagegen überwiegend schlechter. Auch die Unterschiede bei den Pensionären sind gewaltig: So erhält beispielsweise ein früher beim Bund beschäftigter Oberamtsmeister eine Pension von monatlich 1696,82 Euro brutto. Ein ehemaliger Staatssekretär kassiert 8974,82 Euro.

(dpa)
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