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Düsseldorf
Eurowings-Hängepartie belastet Kunden

Düsseldorf. Die Gewerkschaft Ufo und das Management ringen weiter um eine Lösung in dem festgefahrenen Tarifkonflikt. Die Streikdrohung bleibt bestehen. Kostenfreie Umbuchungen will die Fluggesellschaft vorerst nicht anbieten. Von Maximilian Plück

Auf die Streikankündigung bei der Fluggesellschaft Eurowings folgte gestern eine kurze Atempause. Grund war ein kurzfristig anberaumtes Spitzengespräch zwischen den Tarifparteien. Dieses soll auch heute noch fortgesetzt werden. Die Passagiere des Billigablegers der Lufthansa müssen also weiterhin bangen, ob sie in den kommenden Tagen wie geplant ihre Reise antreten können. Denn die Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (Ufo) hat ihre Streikdrohung trotz der erneuten Verhandlungen nicht zurückgenommen. Sie kündigte lediglich an, auch heute noch auf Ausstände verzichten zu wollen. In den kommenden Tagen sind Streiks aber durchaus noch möglich. Vor allem die Wortwahl im Vorfeld zeigt, wie angespannt die Lage ist: Die Ufo warf dem Management Tatsachenverdrehung und persönliche Diskreditierungen vor.

Ein Eurowings-Sprecher erklärte, Fluggäste sollten sich über die Unternehmens-Website www.eurowings.com über ihre Flugverbindung auf dem Laufenden halten. Telefonisch sei dies unter der Hotline 0180 6320320 möglich. "Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass alle Flüge wie geplant starten. Deshalb ist auch keine Kulanz-Regelung zur Umbuchung geplant", so der Sprecher. Eurowings habe der Ufo ein ordentliches Angebot gemacht, das Gehaltssteigerungen von durchschnittlich sieben Prozent vorsehe. Eine schriftliche Zusicherung zur Arbeitsplatzsicherheit, wie sie die Gewerkschaft fordert, sei unnötig. "Wir haben unsere deutsche Flotte gerade erst komplett ausgetauscht und entsprechend die Arbeitsplätze allein in der Kabine auf 550 Plätze erhöht." Es sei überhaupt nicht daran zu denken, Stellen zu verlagern.

Allerdings hat die Lufthansa-Tochter in der Vergangenheit ihr Engagement vor allem bei ihrer österreichischen Tochter ausgebaut. Auch gebe es Gedankenspiele über eine Stationierung einzelner Maschinen in Palma mit entsprechend tariffreier Besatzung , hieß es bei der Ufo.

Zeitgleich zu dem Eurowings-Tarifkonflikt wird der Ton bei der ebenfalls zur Lufthansa gehörenden Germanwings rauer. Die Ufo forderte deren Geschäftsführung dazu auf, spätestens heute ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. "Sollten auch diese Termine nicht wahrgenommen werden beziehungsweise kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt werden, müssen wir darüber beraten, ob ein Arbeitskampf ausgerufen werden muss, um den nötigen Druck auf dieses Thema zu bekommen", teilte die Ufo mit.

Nach Angaben von Hagen Lesch, Tarifexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW), sind bei Lufthansa und Co. jene Tarifverträge das Problem, die noch in Monopolzeiten geschlossen wurden und in wettbewerbsfähige Strukturen überführt werden müssten. "Das geht aber nur, wenn die Tarifstrukturen umfassend reformiert werden", sagt Lesch. Allerdings gebe es drei Probleme: Zum einen wären da die Lohnunterschiede nicht nur zwischen den verschiedenen Dachkonzernen, sondern auch innerhalb der Gesellschaften. "Eine solche ,Zweiklassengesellschaft' führt zu ständig neuen Verteilungskonflikten", so Lesch. Auch müssten die Arbeitnehmer besser in unternehmerische Entscheidungen eingebunden werden. Die Strategie, nur noch über kostengünstigere Auslandstöchter zu wachsen, möge betriebswirtschaftlich Sinn machen. Der eigentliche Konflikt werde dadurch aber nicht gelöst. Auch sei die Tarifpluralität ein Problem: "Die einzelnen Berufsgruppen lassen ihre Interessen durch ihre jeweilige Berufsgewerkschaften vertreten. Das erschwert den Interessenausgleich", so Lesch. Als Lösung plädiert er für einen Branchendialog, der einem für alle Fluggesellschaften gültigen Branchentarifvertrags den Weg ebnen müsse. Dieser biete die Chance, Spaltungen der Belegschaft zu beseitigen und stattdessen wettbewerbsfähige Löhne und Arbeitsbedingungen für alle einzuführen. Auch sinke so die Anzahl an Tarifverhandlungen und potenziellen Tarifkonflikten. Drittens könnte ein Branchentarifvertrag dazu führen, dass die Gewerkschaften wieder enger miteinander kooperierten, sagt Lesch.

Quelle: RP
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