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DIW-Studie
1,8 Millionen Menschen verdienen weniger als den Mindestlohn

Studie: 1,8 Millionen Menschen verdienen weniger als Mindestlohn
Euro- und Centmünzen (Symbolbild). FOTO: AP, AP
Berlin. Mehr Menschen als bislang bekannt haben einer Studie zufolge in den vergangenen Jahren unterhalb des Mindestlohns gearbeitet. Die gesetzliche Lohnuntergrenze wurde zum 1. Januar 2015 eingeführt und liegt aktuell bei 8,84 Euro.

1,8 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland verdienen weniger als den gesetzlichen Mindestlohn, obwohl sie einen Anspruch darauf haben. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin für das vergangene Jahr ermittelt, indem es Beschäftigte befragte. Die amtliche Statistik dagegen befragt die Arbeitgeber und kommt auf 1,1 Millionen Menschen, die weniger als die 2016 vorgesehenen 8,50 Euro verdienten.

"Offensichtlich - und keineswegs unerwartet - wird das Mindestlohngesetz nicht in jedem Betrieb eins zu eins umgesetzt", sagte Studienautorin Alexandra Fedorets. Aus ihrer Sicht trickst ein Teil der Betriebe, etwa indem sie Bereitschaftszeiten nicht mehr bezahlen oder Kosten für Arbeitsmaterial vom Lohn abziehen.

Unternehmen umgehen den Mindestlohn

Das DIW hatte die Beschäftigen in seiner Langzeitumfrage sozioökonomisches Panel auch nach ihrer tatsächlichen Arbeitszeit gefragt. Werden unbezahlte Überstunden beim Stundenlohn berücksichtigt, erhielten demnach sogar 2,6 Millionen Beschäftigte weniger als den Mindestlohn. Keinen Anspruch haben Selbstständige, Azubis und Beschäftigte in Branchen mit Übergangsfristen. Werden sie mitgezählt, erhalten sogar 4,4 Millionen Erwerbstätige weniger als den Mindestlohn, wie das DIW ermittelte.

Betroffen sind der DIW-Studie zufolge vor allem Minijobber, Beschäftigte in kleinen Firmen, Frauen und Ausländer. Beschäftigte im Osten seien dabei häufiger betroffen als im Westen. Um den Mindestlohn zu umgehen, würden Arbeitgeber vor allem bei der Arbeitszeit tricksen, heißt es.

Insgesamt habe der 2015 eingeführte gesetzliche Mindestlohn bedeutende Lohnsteigerungen gebracht, sagte Fedorets. "Jetzt muss alles daran gesetzt werden, dass der Mindestlohn tatsächlich alle erreicht, denen er laut Gesetz auch zusteht". Zu Jahresbeginn war der Mindestlohn auf 8,84 Euro gestiegen.

(laha/afp/dpa/kna/reu)
 
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