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Dax-Konzern
Hans Van Bylen wird neuer Henkel-Chef - Rorsted geht zu Adidas

Henkel: Hans Van Bylen folgt auf Kasper Rorsted
Henkel: Hans Van Bylen folgt auf Kasper Rorsted FOTO: dpa, fg tmk wst
Düsseldorf. Hans Van Bylen löst zum 1. Mai den bisherigen Henkel-Vorstandschef Kasper Rorsted ab, der zu Adidas wechselt.  Von Reinhard Kowalewsky

Völlig unerwartet kommt der Wechsel beim Düsseldorfer Dax-Konzern Henkel nicht, doch der Zeitpunkt überrascht dann doch: Noch kurz vor Weihnachten hatte Kasper Rorsted in einem Gespräch mit unserer Redaktion noch erklärt, er habe bei Henkel "noch viel vor" und dabei auch erwähnt, dass Ende 2016 ja die neue Strategie vorgestellt werde. Nach Informationen unserer Redaktion stand die Ablösung Rorsteds jedoch schon kurz vor Weihnachten fest, weil er als möglicher Absprungkandidat galt.

Rorsted wird neuer Vorstandsvorsitzender von Europas größtem Sportartikelhersteller Adidas.

Nun wird die neue Unternehmensstrategie Hans Van Bylen vorstellen und ausarbeiten, der zum 1. Mai neuer Vorstandschef von Henkel wird.

Die plötzliche Entscheidung macht Sinn: Sehr lange hatte Rorsted undementiert gelassen, dass er sich in Süddeutschland, wohin die Familie gezogen war, nach eventuellen neuen Herausforderungen umschaut - allerdings betonte er  gleichzeitig, gerne bei Henkel zu sein.

Rorsted war bereits acht Jahre Vorstandschef und elf Jahre im Vorstand - er hatte also in Düsseldorf gezeigt, was er kann und dabei den Aktienkurs um mehr als 200 Prozent erhöht, die ganz große Herausforderung für die nächsten Jahre war ihm aber nicht sicher. Und auch optisch hatte er demonstriert, sich etwas abseits des Manager-Einheits-Breis bewegen zu wollen:  Seit Ende 2014 reiste er mit einem gepflegten Drei-Tages-Bart rund um die Welt im Auftrag des Konzerns - völlig unüblich für den Chef eines deutschen Großkonzerns.

Die Henkel-Familie tut nun das, was sie seit mehr als 150 Jahren tut: Sie setzt auf Tradition und auf eine gewisse Kontinuität: Der neue Vorstandschef Hans Van Bylen ist seit 32 Jahren im Konzern, er sitzt seit zehn Jahren im Vorstand, er hat mit der von ihm geführten Sparte Beauty Care ("Schönheitspflege") respektable Zahlen in den vergangenen Jahren eingefahren. Die große Frage wird nun sein, ob er so wie Rorsted weiter auf die Suche nach großen Zukaufsmöglichkeiten geht - oder ob Henkel bei dem Thema etwas vorsichtiger wird. Mancher Kenner des Konzerns hält es auch für denkbar, dass Rorsted den Vertrag über 2017 nicht hinaus verlängern wollte, weil er die Chance auf wirklich große Zukäufe als begrenzt ansieht.

Zumindest die freien Aktionäre geben sich wenig begeistert vom Wechsel an  der Spitze des Düsseldorfer Familienkonzerns: Der Kurs rutscht um vier Prozent ab, keine Katastrophe, aber ein Zeichen der Unsicherheit.
 

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