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Experten sehen hohes Einsparpotenzial
So viele verdienen an einem Medikament

Gesundheitsreport 2009
Gesundheitsreport 2009 FOTO: AP
(RP). Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will die Pharma-Hersteller dazu zwingen, eine Kosten-Nutzen-Bewertung ihrer Arzneien vorzulegen. Bis eine Tablette beim Patienten ist, verdienen viele. Von Eva Quadbeck

Wenn neue Pillen, Tropfen und Salben auf den Markt kommen, dürfen die Hersteller ihren Preis selbst festlegen. Und der ist in vielen Fällen zu hoch, meinen nicht nur Pharma-Kritiker, sondern mittlerweile auch Gesundheitsminister Philipp Rösler. Bevor eine heilende Arznei beim Patienten ankommt, halten viele die Hand auf.

Beispiel Krebsmedikament

Unsere Grafik (oben rechts) zeigt als Beispiel ein Krebsmedikament, bei dem der Hersteller-Preis mit Abstand den größten Anteil an den Kosten ausmacht. Aber auch Apotheken und nicht zuletzt der Staat verdienen dank 19 Prozent Mehrwertsteuer mit. Die Apotheken erhalten grundsätzlich einen Packungspreis von 8,10 Euro, davon müssen sie allerdings wieder 2,30 Euro als Rabatt an die gesetzlichen Krankenkassen weitergeben. Zudem dürfen sie einen Zuschlag von drei Prozent auf den Preis von Hersteller und Großhandel nehmen. Das heißt, je höher der Hersteller-Preis für ein Medikament ausfällt, desto besser verdienen auch der Staat und die Apotheken daran.

Großteil für Apotheken und Steuern

Bei Arzneien, die der Hersteller günstig abgibt, den so genannten Nachahmer-Präparaten, setzt sich der Großteil des Preises aus Apothekenzuschlag und Mehrwertsteuer zusammen. Ein Beispiel, das das Zentrum für Sozialpolitik der Uni Bremen liefert: Bisohexal ist ein Betablocker, also ein Medikament, das den Blutdruck senkt. Für 100 Tabletten zu fünf Milligramm verlangt der Hersteller 3,36 Euro (Stand 1. März 2010). Der Zuschlag des Großhandels beträgt 45 Cent. Die Apotheken schlagen wiederum drei Prozent und ihren Packungspreis von 8,10 Euro auf. Danach langt der Staat mit 19 Prozent Mehrwertsteuer zu. Am Ende geht das Päckchen Betablocker für 14,30 Euro über die Theke.

Innovative Arzneien sind undurchsichtig

Bei den teuren, innovativen Arzneien ist es völlig undurchsichtig, wie sich der Hersteller-Preis genau zusammensetzt. In Deutschland gibt es für die neuen Arzneien bislang keine Preisbeschränkungen. So kostet der Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs hierzulande 477 Euro. In der Schweiz liegt der Preis bei 314 Euro. Der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller verweist darauf, dass die Firmen ihre Entwicklungskosten einpreisen müssen, auch für jene Projekte, die am Ende kein gutes Geschäft werden.

Undurchsichtige Preiszusammensetzung

Mit ihren Preisen müssen die Hersteller Kosten für Forschung, Produktion, Verwaltung, Marketing und Vertrieb abdecken. Wie hoch der Gewinn ist und wie viel für das Marketing ausgegeben wird, beziffern die Unternehmen nicht. Der Gesundheitsökonom Gerd Glaeske schätzt, dass Forschung und Entwicklung höchstens 15 Prozent der Pharmakosten ausmachen, seiner Ansicht nach deutlich weniger als Marketing und Vertrieb. Nach einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 2008 liegen die Ausgaben der Arzneimittel-Hersteller für Marketing doppelt so hoch wie für Forschung und Entwicklung.

Die Sache wird umso undurchsichtiger, da sich in der Pharma-Branche Marketing und Forschung nicht immer sauber voneinander trennen lassen. So übernehmen Ärzte und Krankenhäuser gut bezahlte Anwendungsstudien im Auftrag der Pharma-Firmen. Teilweise sind diese Studien sehr nützlich, weil sie Wirkung und Nebenwirkungen neuartiger Arzneien in der Praxis überprüfen. Teilweise sind sie aber auch ein Marketing-Instrument der Unternehmen, mit dessen Hilfe sie ihr neues Medikament auf dem Markt einführen.

Quelle: RP
 
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