| 08.27 Uhr

"Night of Creativity"
Warum Kreative wichtig sind

Düsseldorf. Roboter werden künftig immer mehr Fähigkeiten der Menschen überflüssig machen. Doch eine Gruppe wird gleichzeitig immer wichtiger: die Kreativen. Von Florian Rinke

Wilhelm II. musste nicht mal aufs falsche Pferd setzen, um zu verlieren, es reichte schon die Wette aufs Pferd als solches. Der deutsche Kaiser soll die Zukunft des Automobils angezweifelt und stattdessen den Gäulen den Vorzug gegeben haben. Bis heute ist sein "Ich setze aufs Pferd" bei vielen ein Synonym für kolossale Fehleinschätzungen.

Große Ideen können zu neuen Geschäften werden, Umbrüche einleiten, die Welt revolutionieren. Ermöglicht werden sie fast immer durch eine Zutat: Kreativität.

Im Zeitalter der Digitalisierung, wo die zunehmende Technisierung Millionen Jobs bedroht, wird sie immer wichtiger. Denn schon bald werden Roboter in der Lage sein, immer mehr Tätigkeiten der Menschen zu übernehmen: Am Fließband, in der Verwaltung, beim Service. Künstliche Intelligenz wird Bestellungen entgegennehmen, Roboter werden die Produktion überwachen. Umso wichtiger wird es, neue Aufgaben für Menschen zu finden.

Wenn morgen in Düsseldorf die zweite "Night of Creativity" mit rund 1000 Gästen stattfindet, ist das auch Ausdruck der gestiegenen Bedeutung des Themas. "Natürlich verändern Digitalität und Technologien das Zusammenleben - aber die konkreten Anwendungsfälle mussten erstmal entwickelt werden", sagt Christoph Pietsch, einer der Geschäftsführer der Werbeagentur Grey. Dafür brauche es Kreativität. "Auch beim Feuer ist irgendwann ein Mensch mal auf die schlaue Idee gekommen, zwei Steine gegeneinander zu schlagen."

Es gibt dutzende Beispiele für Menschen, die einen technologischen Umbruch zu spät erkannt haben wie Kaiser Wilhelm II - etwa Ex-Microsoft-Chef Steve Ballmer, der über das neue Gerät des Konkurrenten Apple ätzte: "Das iPhone wird sich nie durchsetzen." Und wiederum andere, wie iPhone-Schöpfer Steve Jobs, gehen in die Geschichte als Genies ein, die mit Produkten die Welt verändert haben.

Dabei hat natürlich auch Jobs nicht alle Technologien erfunden, die es brauchte, um iPod, iPhone oder iPad zu bauen - doch er verstand, aus Technik ein Produkt zu machen, das die Menschen erst brauchen und dann lieben lernten.

Pietsch beschreibt Kreativität daher auch als die Fähigkeit, Regeln zu brechen, lösungsorientiert neue Wege zu gehen und den Stein mal 20 Meter weiter zu werfen, also weiter zu denken als andere. Er ist überzeugt, dass diese Fähigkeit in Zukunft immer wichtiger wird.

Viele Forscher sehen das ähnlich. Die Wissenschaftler Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee gehen in ihrem Buch "The Second Machine Age" etwa davon aus, dass die wesentlichen Bausteine gelegt sind, um den digitalen Wandel zu einer Revolution zu machen, der vergleichbar ist mit der Einführung der Dampfmaschine. Innovationen entstünden dabei künftig vor allem durch Neukombinationen.

Landkarten gibt es beispielsweise schon seit Jahrhunderten, digitale Technik ermöglicht es nun aber, die Kartographie nutzbar zu machen, um Fahrzeuge zu lenken - das selbstfahrende Auto wird erst dadurch möglich. Weil im Digitalzeitalter die Kosten für Innovationen rapide gesunken sind und beispielsweise ohne Fabriken funktionieren, bekommen viele etablierte Unternehmen Schwierigkeiten.

Sie waren in der Vergangenheit sehr darauf bedacht, ihre erfolgreichen Produkte immer weiter zu verbessern - bahnbrechende Innovationen fanden jedoch woanders statt. Vom Erfolg der Digitalkamera profitierte nicht der Foto-Hersteller Kodak, vom Smartphone-Boom nicht der Handy-Weltmarktführer Nokia. "Innovator's Dilemma" nennt der Forscher Clayton Christensen das Phänomen, dass ausgerechnet erfolgreiche Unternehmen den Anschluss verpassen, weil sie nicht ihr Geschäftsmodell durch Innovationen angreifen wollen.

Vielen Unternehmen sind diese Beispiele inzwischen eine Warnung. Kreative Arbeitstechniken habe es früher auch schon gegeben, sagt Pietsch, doch "Unternehmen stellen zunehmend fest, dass zukünftige Herausforderungen nicht mehr mit tradierten Methoden bedient werden können". Auch sie griffen daher verstärkt auf die Kreativen zurück, von denen sie sich Impulse, einen Perspektivwechsel erhoffen.

Den Wandel erlebt der Werbe-Fachmann auch im täglichen Geschäft: "Viele Kunden wollen nicht mehr allein die klassische Anzeige oder Kampagne. Die fragen uns: Wie können wir kreative Impulse setzen, um unsere Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln? Vielleicht sind wir also irgendwann keine reine Agentur für Kampagnen mehr, sondern digitaler, kreativer Lösungsanbieter."

Quelle: RP
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