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Düsseldorf
Wenn sich 42 Fahrer ein Auto teilen

Düsseldorf. Carsharing liegt bei jungen Leuten voll im Trend. Aber es macht nur Sinn, wenn man wenig fährt. Von Maximilian Plück

Der Deutschen liebstes Spielzeug, das Auto, hat ein Problem: Die Generation Smartphone hat im Vergleich zu älteren Semestern immer weniger Interesse daran, ein Fahrzeug zu besitzen. Zu teuer der Unterhalt, zu schmutzig im Gebrauch. Befeuert wird die Haltung nicht nur durch den öffentlichen Personennahverkehr in den Großstädten, sondern auch durch das Phänomen Carsharing.

Früher war darunter vor allem die gemeinsame Nutzung eines Privatwagens gemeint. Inzwischen hat sich das Geschäft stark professionalisiert. Immer mehr Anbieter sind auf dem Markt. Laut TÜV Rheinland könnte die Zahl der Nutzer bis 2020 auf drei Millionen steigen - angesichts von 60 Millionen Deutschen im "fahrfähigen Alter" noch ein kleiner Anteil. Und ein Zeichen dafür, dass Carsharing derzeit vor allem als Ergänzung genutzt wird.

Aber es wächst. Gerade erst hat die Deutschen Bahn ihr Angebot namens Flinkster erweitert. Kunden können ab sofort zum Fernstrecken-Zugticket nach Berlin gleich ein Elektromobil in der Hauptstadt hinzubuchen. Die Autos finden sich am Bahnhof Südkreuz oder Hauptbahnhof. Kosten: 29 Euro pro Tag.

Das Flinkster-Connect-Angebot ist eine stationsbasierte Variante. Fahrzeuge werden an festen Stationen stunden- oder minutenweise ausgeliehen und dort wieder abgeliefert. Der Bundesverband Carsharing rechnet vor, dass sich statistisch 42 Personen ein solches stationsbasiertes Auto teilen - und so bis zu zehn private Pkw ersetzen. Weitere Anbieter: unter anderem Greenwheels (VW) und Cambio. Vorteil: Die Autos lassen sich problemlos auch in ländlichen Regionen anbieten. Kostenpunkt nach Angaben der Stiftung Warentest zwischen zwei und fünf Euro pro Stunde, Benzin inklusive.

Die sogenannten Free-Floater-Angebote sind dagegen vor allem etwas für die Metropolregionen. Das Prinzip ähnelt dem, das die Bahn bereits seit Jahren mit Leihfahrrädern anbietet: Über das Stadtgebiet verstreut, ohne feste Mietstation, stehen Autos auf öffentlichen Parkplätzen. Per App oder Internet lassen sie sich finden und mit Chipkarte oder Smartphone aufschließen. Bekannteste Anbieter sind Car2go (Daimler und Europcar), DriveNow (BMW, Mini mit Sixt) und Multicity (Citroen). Vorteile gegenüber stationsbasierten Varianten: Das Fahrzeug kann am Zielort abgestellt werden, wenn der im Einzugsgebiet des Anbieters liegt. Auch muss man nicht (wie bei vielen stationsbasierten Carsharing-Angeboten) vorher die Nutzungsdauer festlegen. Allerdings sind Free-Floater deutlich teurer: 15 bis 17 Euro fallen pro Stunde an, Benzin und Parkkosten sind enthalten.

Allen Carsharing-Modellen gemein ist, dass - anders als beim klassischen Mietwagen - nur einmal ein Rahmenvertrag abgeschlossen wird, dafür aber in der Regel eine Grundgebühr anfällt. Nach einmaliger Registrierung und Führerscheinüberprüfung kann der Wagen beliebig oft geliehen werden. Gezahlt wird per Kontoabbuchung. Einige Anbieter verlangen vom Kunden ein Mindestalter oder eine Mindestbesitzdauer des Führerscheins.

Der TÜV Rheinland und die Stiftung Warentest urteilen: Für Vielfahrer und Berufspendler ist Carsharing zu teuer. Nur bis 5000 Kilometer Fahrleistung im Jahr macht die ausschließliche Nutzung Sinn. Die Verbraucherzentrale NRW rät, Sonderkonditionen zu prüfen - etwa für Abo-Kunden des ÖPNV oder Bahn-Card-Inhaber.

Quelle: RP
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