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Kolumne: Die Ökonomin
Immer Ärger mit der Telekom

20 Jahre nach dem Börsengang macht die Telekom keinen Spaß: Der Staatskonzern ärgert Kunden mit mangelhafter IP-Telefonie, Anleger mit anhaltender Kursschwäche.

Jüngst war es wieder so weit: Das Telefon fällt aus, Anrufer erreichen nur die Sprachbox, selbst anrufen geht gar nicht - und das über Stunden. Das ist also "Ihr IP-Anschluss im Netz der Zukunft", den die Telekom verspricht. Und wir sind nicht allein: Bis 2018 will der Konzern alle ISDN- und Analog-Anschlüsse aufs Internet ("Voice over Internet Protocoll", IP) umstellen. Das trifft alle Kunden, die Telefon und Internet über einen Anschluss nutzen. Die Telekom verspricht mehr Geschwindigkeit, vor allem aber erhofft sie geringere Kosten.

So weit, so legitim. Doch der Konzern hat die Technik bis heute nicht im Griff. Eine Umfrage der Verbraucherzentralen ergab, dass es bei vielen Kunden immer wieder zu langen Ausfällen kommt und die Sprachqualität schlechter ist als im alten Netz. Ursache sind überlastete Leitungen, Strom- oder Routerausfälle. Miserabel ist der Service: Kunden klagen über Wartezeiten bei der Hotline und das Ignorieren von Beschwerden. Ärgerlich ist auch die Zwangsumstellung: Wann immer ISDN- oder Analog-Verträge auslaufen, stellt die Telekom ihre Kunden vor die Wahl: IP-Anschluss nehmen oder Aus die Maus, verlängern kann man den alten Vertrag nicht. So macht Festnetz keinen Spaß.

Aber der Spaß ist bei der Telekom schon vielen gegangen - vor allem den ersten Aktionären. Daran wird sie der 20. Jahrestag des Börsengangs am 18. November erinnern. In Etappen und zu Kursen zwischen 14,57 Euro bis 66,50 Euro kam die T-Aktie auf den Markt. Auf mehr als 100 Euro ging es hinauf. Dann folgte die Talfahrt. Heute dümpelt sie wieder bei müden 15 Euro. Der Absturz des als Volksaktie gefeierten Papiers hat die Aktienkultur in Deutschland beschädigt, Milliarden an Altersvorsorge-Vermögen wurden vernichtet.

Der Konzern beschäftigt über 200.000 Mitarbeiter, darunter viele unkündbare, der Staat ist insgesamt noch zu über 30 Prozent beteiligt. Womöglich sind auch das Gründe dafür, warum die Telekom weder Kurs noch Technik im Griff hat.

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Quelle: RP
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