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Kolumne Digital
Uber wird zur Macho-App

Uber: unsere Kolumne zum Sexismus-Vorwurf gegen den US-Konzern
FOTO: RP
"Bei euch in Deutschland gibt es kein Uber?" Als ich kürzlich in Wien einen Vortrag vor Studenten hielt, waren sie überrascht. Vom Scheitern der Taxi-Alternative in Deutschland hatten sie nichts mitbekommen. Von Daniel Fiene, Austin

Die privaten Fahrer der US-Firma gehören in unseren Nachbarländern zum Straßenbild. Trotzdem habe ich die Uber-App jetzt von meinem Smartphone gelöscht. Nicht weil ich in Deutschland mit der App nur Taxen bestellen kann, sondern weil das Management offenbar zu den skrupellosesten der US-Tech-Szene gehört. Vor allem der Umgang mit den Mitarbeiterinnen gab für mich den Ausschlag.

In den vergangenen Tagen machte ein Text von Susan Fowler die Runde. Die ehemalige Entwicklerin von Uber beschreibt eine unglaubliche Macho-Kultur bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber. Am harmlosesten ist noch die Sache mit den Lederjacken: Uber spendierte Fowler zufolge nur seinen männlichen Entwicklern Lederjacken. Mit dem Hinweis, dass die für Frauen deutlich teurer wären, weil sie wegen des geringeren Frauenanteils ja auch nur in niedriger Stückzahl bestellt werden könnten.

Fowler beschreibt, wie sie von ihrem Boss eindeutige Sex-Angebote bekam und die Personaler ihre Meldung ignorierten. Erst mit ihrem Artikel entstand öffentlicher Druck. Uber-Gründer Travis Kalanick will von nichts gewusst haben und kündigte eine unabhängige Untersuchung durch den ehemaligen US-Generalstaatsanwalt Eric Holder an. Ein Einzelfall? Uber scheint kein guter Arbeitsplatz für Frauen zu sein. Als Fowler vor einem Jahr anheuerte, lag der Frauenanteil in ihrem Bereich bei 25 Prozent. Zum Jahresende waren es nur noch fünf Prozent.

Ich bin von Ubers Reaktion wenig überzeugt. Es ist nicht das erste Mal, dass das Management durch einen anscheinend unwürdigen Umgang mit Menschen aufgefallen ist - den eigenen Mitarbeitern, den eigenen Fahrern und sogar den eigenen Kunden gegenüber. Auch hier gab es vereinzelt externe Untersuchungen und viele Versprechen sich zu bessern, doch die Fälle wiederholen sich. Viele Tech-Unternehmen haben ein Macho-Problem, aber bei keinem Unternehmen ist scheint es so tief in der DNA der Unternehmenskultur verankert wie bei Uber. Deswegen ist die App für mich nicht mehr nutzbar.

Deutsche Taxizentralen müssen mehr tun

Was mich auch ärgert: Die deutschen Taxi-Zentralen schauen jetzt als lachender Dritter zu. Statt ihre Geschäftsmodelle an das Smartphone-Zeitalter anzupassen, bestand ihre Reaktion auf Uber bisher aus Blockade, Lobbyarbeit und der Einführung eigener Apps, die nicht viel mehr können, als ein Taxi zu bestellen. Dringend erforderliche Innovationen gibt es weiter nicht.

Taxifahrer müssen an die Zentralen teure regelmäßige Pauschalen bezahlen, unabhängig davon wie viele Fahrgäste sie tatsächlich vermittelt bekommen. Bei Apps wie Uber oder MyTaxi müssen Taxifahrer nur für jede erfolgreiche Vermittlung bezahlen. Dank der Pauschalen, können sie es sich nicht leisten mit schlechter Auslastung zu fahren oder länger krank zu werden. Uber war angetreten dies zu verändern, doch - wenn die Berichte der Wahrheit entsprechen - ausgerechnet ihr unmenschliches Verhalten lässt den Tech-Konzern bei diesen Schritten in die Zukunft straucheln. 

 

 
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