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Facebook-Seite der Bahn
50.000 Likes für den Versuch, einer Schwarzfahrerin zu helfen

Pannen bei der Deutschen Bahn
Pannen bei der Deutschen Bahn FOTO: dpa, Boris Roessler
München. Mehr als 50.000 Likes für eine Beschwerde auf der Facebook-Seite der Bahn - das gelang einer Münchnerin, die frustriert von ihrem Versuch berichtete, nach einer Pannenserie der Bahn einer Schwarzfahrerin auszuhelfen. Doch für die Bahn-Mitarbeiter gilt: Korrektheit geht vor Menschlichkeit. Von Leon Hofacker

Am vergangenen Wochenende war Anke im Raum München mit ICE und S-Bahn unterwegs. Was die Münchnerin auf ihrer Zugfahrt erlebt hat, regt sie auf. Sehr sogar. Deswegen hat sie ihre Geschichte auf der Facebook-Seite der Deutschen Bahn aufgeschrieben. Womit sie vermutlich nicht so ohne weiteres gerechnet hat ist, wie viele sie in ihrer Wut verstehen können. Innerhalb der letzten zwei Tage wurde ihre Nachricht über 2000 Mal geteilt und bekam über 50.000 Likes. Das zeigt: Viele andere haben wahrscheinlich schon ähnliche Erfahrungen gemacht.

Die Liste der Ereignisse, die sie wütend machen, ist lang. Vor allem ärgert die Frau aus München jedoch nicht die Verspätung ihres Zuges oder die kaputte Klimaanlage, sondern das Verhalten einiger Bahn-Angestellter. Denn die Krönung ihrer Bahnfahrt folgte für sie in der anschließenden Fahrt mit der S-Bahn. Nach der Fahrkartenkontrolle beobachtete sie, wie die Kontrolleure einer offenbar mittellosen Frau (neben ihr standen mehrere Tüten voller Pfandflaschen) ohne Fahrschein ein Bußgeld von 60 Euro ausstellen wollten. Anke bot an, die Fremde auf ihrem übertragbaren Regionalticket mitzunehmen. Für das dann folgende Verhalten des Angestellten hat sie kein Verständnis. Sie schreibt:

ICH HABE IMMERZU VERSTÄNDNIS…dafür, dass bei 40 Grad mein gestriger ICE erst mit 55 minütiger Verspätung seinen Zielort...

Posted by Anke Hargaßer on  Montag, 6. Juli 2015

"...anstatt diese Lösung zu akzeptieren, hat Ihr Angestellter es für besser erachtet, mir die MVV Richtlinien und die Prozessabläufe der Kontrollen zu erklären. Er hat es vorgezogen dieser Frau, die nachts durch München läuft um Pfandflaschen für 10 EUR zu sammeln, einen Bußgeldbescheid über 60 EUR auszustellen…und hier meine Frage…was ist eigentlich mit Ihrem Unternehmen los und wann wollen Sie damit anfangen, ein bisschen von dem Verständnis zurückzuzahlen, dass Ihnen Ihre Kunden jeden Tag entgegen bringen? 2 Fahrgäste und 2 gültige Tickets…und nur weil Ihr Kollege bereits sein Erfassungsgerät in der Hand hatte, war es nicht mehr möglich, die Bußgelderhebung zu stoppen."

Die Bahn reagiert auf den Facebook-Post

Kurz nachdem Anke ihre Kritik bei Facebook postete, reagierte die Deutsche Bahn und antwortete ihr. Der zuständige Social-Media-Mitarbeiter entschuldigte sich für die entstandenen Unannehmlichkeiten bei Ankes Fahrt. Ihre Sitzplatzreservierung könne sie sich selbstverständlich erstatten lassen. Zudem sei es lobenswert, dass sie der Dame ohne Ticket helfen wollte, jedoch ändere dies nichts an der Tatsache, dass sie schwarz gefahren sei. Würde man sich in solchen Fällen immer nachsichtig zeigen, würden "solche Leute es dann grundsätzlich immer wieder versuchen".

Ankes Ärger und der anderer Nutzer ist damit aber nicht vom Tisch. Anke hat Verständnis dafür, dass "Diebstahl und Leistungserschleichung nicht akzeptabel" sind, sie betont jedoch, dass ein verständnisvoller und individueller Umgang in gewissen Situationen angebracht ist. Dieser fehlte bei ihrem Erlebnis völlig. 

Eine Stunde Verspätung und eine kaputte Klimaanlage

Das Erlebnis der ticketlosen Dame war für Anke jedoch nur die Krönung einer, für sie, sehr anstrengenden Bahnfahrt. Was war zuvor passiert? Bereits die Fahrt zuvor mit dem ICE war für die Münchnerin kein Vergnügen. Es war heiß, der ICE hatte fast eine Stunde Verspätung, ihre Sitzplatzreservierung verfiel, da der Wagen nicht zur Verfügung stand, die Klimaanlage war kaputt, im Bordbistro gab es keine kalten Getränke und das Bordpersonal war mit der "Gesamtsituation einfach unzufrieden" und zeigte dies den Reisenden bei jeder Gelegenheit.

Kein Wunder, dass sie ziemlich ironisch mit den Worten schließt: "Ich freu mich auf zukünftige Streikmaßnahmen und sicherlich bald anstehende Preisanpassungen meines Monatsabos."

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