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Experten-Interview
Wie man ein echtes Internet-Videos erkennt
Wikileaks-Enthüllungen: US-Militär vertuschte Folter in Gefängnissen
Wikileaks-Enthüllungen: US-Militär vertuschte Folter in Gefängnissen FOTO: AFP
Berlin/London. Die Echtheit von Videos wie dem Skandalfilm, in dem US-Soldaten in Afghanistan angeblich auf Leichen von Taliban urinieren, ist schwer zu prüfen. Der Gegencheck kann ein aufwendiger Prozess sein, erklärt der BBC-Journalist Alex Murray im Interview.

Bei der britischen Rundfunkanstalt ist ein Team von 20 Mitarbeitern nur dazu da, jeden Tag bis zu 20 Videos zu prüfen. Die Aufnahmen werden zugespielt, kommen von Agenturen oder sind bei Youtube und anderen Internetseiten hochgeladen worden.
Am wichtigsten sind bei der Prüfung oft Kleinigkeiten, sagt Murray.

Was denken Sie über das Leichenschändungs-Video, das bei YouTube kursiert?

Murray: "Mir fiel auf, dass die Soldaten eine Art Klappe über ihrem Genitalbereich tragen. Dann habe ich recherchiert und gesehen, dass das zu einer relativ neuen Ausstattung gehört, die die US-Truppen erst im vergangenen August bekommen haben. Man kann also begründet sagen, dass das Video nicht älter sein kann als Sommer 2011."

Womit fangen Sie bei ihrer Arbeit an?

Murray: "Als erstes schauen wir nach der Original-Quelle. Wenn ein Youtube-Video in den Schlagzeilen ist, wird es meistens sehr oft hochgeladen. Da müssen wir dann nach der Quelle suchen, die es zuerst ins Netz gestellt hat. Wenn das Video zum Beispiel aus Syrien stammt, ist es sehr wahrscheinlich, dass es mit einem arabischen Text hochgeladen worden ist. Also suchen wir nach arabischen Schlagworten aus dem Text. Dabei helfen uns unsere arabischsprachigen Kollegen - die uns zum Beispiel auch übersetzen, was auf den Plakaten bei Demonstrationen steht."

Mit welchen Tricks gehen sie vor?

Murray: "Wir haben gemerkt, dass die ganz banalen Sachen am meisten weiterhelfen: Passt das Wetter in dem Video zu dem Wetter, das für den Tag für die Gegend angekündigt war? Was für Kleidung tragen die Menschen? Dicke Mäntel? Dann war es wohl Winter. Worüber sprechen die Menschen oder was steht auf ihren Plakaten? Wenn es da um etwas geht, das gerade erst passiert ist, kann der Entstehungszeitpunkt des Videos nicht so lange her sein. Solch einfache Sachen: Verkehrszeichen, Autokennzeichen, Minarette von Moscheen, Landschaft, Pflanzen, die es nur in bestimmten Gebieten gibt, Waffen, die Tageszeit. Oder die Länge der Schatten: Wenn jemand sagt, das Video ist an einem Mittag im Sommer gedreht worden, die Schatten sind aber sehr lang, dann kann das nicht sein."

Quelle: dpa
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