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Unsere Leser erzählen
Erinnerungen an die Konfirmation

Aufruf: RP-Leser erinnern sich an ihre Konfirmation
Unsere Leser haben uns ihre Erinnerungsstücke an ihr Glaubensleben zukommen lassen. Das sind die Erinnerungsstücke von Luzia Hermsteiner. Auf dem Bild sind auch ihre abgeschnittenen Zöpfe zu sehen. FOTO: Jana Bauch
Düsseldorf. Unsere Leser haben uns Erinnerungsstücke an ihr Glaubensleben geschickt – darunter ein Taftkleid, ein Gesangbuch und ein Gruppenbild. Ein Konfirmationsschein datiert von 1905 und wurde zum Familienerbstück. Und ein Ehepaar lernte sich im Konfirmationsunterricht kennen.  Von Franziska Hein

Klaus und Inga Meyer

Die Erinnerungen an die Konfirmation sind für Inga Meyer eng mit ihrem Mann Klaus (75)  verbunden. "Wir wurden beide am 23. März 1957 in der Friedenskirche in Solingen konfirmiert", erzählt die 74-Jährige. Dass die beiden einmal heiraten würden, war nicht von Anfang an klar. Zwar haben sie sich im Konfirmationsunterricht kennengelernt, aber gemocht haben sie sich nicht von Anfang an. "Mein Mann hat die Mädchen damals immer geärgert", erzählt Inga Meyer und lacht. "Später gingen wir beide in Wuppertal zur Schule. Auf den Zugfahrten hat sich das dann ergeben." Damals war Inga Meyer 16 Jahre alt.  

Klaus und Inga Meyer FOTO: Jana Bauch

Am 23. März 1965, acht Jahre nach der Konfirmation, wurde das Paar vom selben Pfarrer in der Friedenskirche getraut, und auch die beiden Töchter, heute 52 und 50 Jahre alt, wurden dort von ihm getauft. Dieses Jahr wird die diamantene Konfirmation gefeiert. "Wir haben immer noch mit vielen  Kontakt. Es reisen sogar ehemalige Konfirmanden aus den USA und Portugal an", erzählt sie. Seit 52 Jahren ist Inga Meyer mit Klaus verheiratet. "Ich würde alles wieder so machen."

Luzia Hermsteiner

Am 27. März 1955  wurde Luzia Hermsteiner  in der kleinen Holzkirche in Kevelaer konfirmiert. Das dunkelblaue Taftkleid, das sie damals trug, besitzt sie noch heute. Dazu sollte Hermsteiner auf Wunsch ihrer Mutter nach alter Sitte einen Myrtenkranz tragen. "Meine Eltern haben dafür schon Wochen und Monate vorher ein Bäumchen gezüchtet. Aber ich wollte keinen Kranz, weil sonst kein anderes Mädchen aus unserer Gruppe einen tragen wollte."

Luzia Hermsteiner FOTO: Jana Bauch

Schließlich habe sie nachgegeben. "In der Kirche wurde ich von unserem Pastor sehr gelobt, weil ich das einzige  Mädchen war, das einen Kranz trug", erinnert sich die 77-Jährige. Ein weiteres Erinnerungsstück an die Konfirmation sind Hermsteiners Zöpfe. Auf einem alten Bild sieht man sie in ihrem Kleid und mit langen Zöpfen. Als sie kurze Zeit später anfing zu arbeiten, riet ihre Schwester ihr, die Haare abzuschneiden. Gesagt, getan. Die Zöpfe hat sie aber aufgehoben.  

Peter Becker

Drei evangelische Gesangbücher haben für Peter Becker eine besondere Bedeutung: Sie stammen aus dem Familienbesitz, und er bekam sie zu seiner Konfirmation 1951 in München geschenkt. Darunter ist auch das seiner Mutter Ena Becker. Die Familie lebte bis 1948 in der Gegend von Zossen bei Berlin. Beckers Vater befand sich bis Ende 1947 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft in München. Seine Mutter floh mit den Kindern 1948 aus der damaligen Sowjetischen Besatzungszone in den Westen, nach München zu ihrem Mann.

Das Gesangsbuch von Peter Beckers Mutter Ena. FOTO: Jana Bauch

Die Flucht finanzierte sie durch den Verkauf von Penicillin, das damals auf dem Schwarzmarkt teuer gehandelt wurde, erinnert sich Becker. In München wurde er konfirmiert: Er besitzt auch noch  sein eigenes Gesangbuch sowie zwei Platzkarten aus dem Konfirmationsgottesdienst. Becker ist 81 Jahre alt und lebt seit 1973 mit seiner Familie in Kaarst.

Charlotte van der Moolen

Diese besondere Urkunde datiert auf den 16. April 1905, den Konfirmationstag von Charlotte van der Moolen. Die junge Charlotte erhielt den Denkspruch: "Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein (1. Mose 12,2). Sie wurde 1890 in Geldern geboren und wurde 94 Jahre alt. 

Erika van der Moolen bewahrt die Urkunde ihrer Tante Charlotte auf. FOTO: Jana Bauch

Die Urkunde gelangte vor etwa 20 Jahren in den Besitz von Erika van der Moolen. Charlotte war eine angeheiratete Tante, die Schwester ihres Schwiegervaters. Die beiden Frauen hatten ein enges Verhältnis, erzählt die 79-Jährige. Sie selbst wurde 1952 konfirmiert. Allerdings ohne schicken Konfirmationsschein, wie sie erzählt." Zur Konfirmation bekam ich von meiner Großmutter ein hübsches kleines Gesangbuch mit Goldschnitt und meinem Namen sowie eine kleine vergoldete Armbanduhr, die auch heute noch läuft."

Anneliese Bergfeld, geb. Hüfing

Am 17. März 1940 wurden die Jungs und Mädchen aus den Düsseldorfer Stadtteilen Reisholz und Holthausen gemeinsam konfirmiert. Anneliese Bergfeld, die noch das Gruppenbild ihrer Konfirmationsgruppe besitzt, hat den Tag auch in ihrem Tagebuch festgehalten.

Anneliese Bergfeld besitzt immer noch das Gruppenbild ihrer Konfirmationsgruppe. FOTO: Jana Bauch

Damals schrieb sie: "Wie verändert sieht heute die Klarenbachkapelle zu Düsseldorf-Holthausen aus. Zu beiden Seiten des geschmückten Altars stehen Lorbeerbäume, die fast die Buben und Mädchen verdecken, die heute in den Kreis der Gemeinde aufgenommen werden. Auch ich bin unter den Konfirmanden, und meine Eltern, Verwandten und Bekannten lauschen meinem Bekenntnis zu Gott, Christi und der Kirche. Ganz still ist es, als ich nach dem letzten Paar mit Hilde Herbst und Margot Hoffart vor den Altar trete, und unter der Hand des uns segnenden Pfarrers wird mein stürmisch schlagendes Herz ganz ruhig und still. Ja, mein Gott, das strahlende Auge, das eine Minute später den mit den Presbytern gewechselten Händedruck begleitet, ist Zeuge des Aufgangs der Sonne in meinem Herzen. O möge sie doch immer scheinen und nie der Nacht weichen."

Das Tagebuch von Anneliese Bergfeld. FOTO: Jana Bauch
 
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