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80. Geburtstag
Alain Delon - Der ewige Rebell

Alain Delon - Der ewige Rebell feiert 80. Geburtstag
Alain Delon auf einem Archivbild von 2013. Der Schauspieler wird 80 Jahre alt. FOTO: afp, AG
Paris. Alain Delon gehört neben Brigitte Bardot und Jean-Paul Belmondo zu den großen noch lebenden französischen Filmstars. Am Sonntag feiert der "Eiskalte Engel" und Frauenheld seinen 80. Geburtstag. Von Christine Longin

Es ist das Gesicht eines rebellischen jungen Mannes mit dunklen, ungekämmten Haaren und strahlend blauen Augen, das in Erinnerung bleiben wird von Alain Delon. Ein so attraktives Gesicht, dass Dior auch heute noch Parfum-Werbung damit macht. "Delon war von außergewöhnlicher Schönheit", sagt der Regisseur Philippe Kohly. Er muss es wissen, hat er für seine diese Woche gezeigte Fernsehdokumentation "Alain Delon, dieser Unbekannte" doch altes Filmmaterial gesichtet und zusammengeschnitten. Bilder wie die des braun gebrannten Mannes mit nacktem Oberkörper, der zusammen mit Romy Schneider 1969 in der Dreiecksgeschichte "Der Swimmingpool" zum Sexsymbol wird.

Das einstige Traumpaar des Kinos hatte für den Film - mit dem Delon Romy Schneider wieder nach Frankreich holte - noch einmal zusammengefunden. 1958 hatte Alain Delon "la Schneider" beim Dreh zu dem Melodram "Christine" kennengelernt. "Wir mochten uns nicht", erinnert sich die "Sissi-"Darstellerin hinterher. Und doch wurden die beiden so unterschiedlichen Charaktere ein Liebespaar, das mit Höhen und Tiefen vier Jahre lang zusammenblieb und sogar offiziell verlobt war.

Mit Schauspielerin Romy Schneider zusammen war Alain Delon jahrelang ein Kino-Traumpaar. FOTO: dpa, Rauchwetter

Als einen "blutjungen Burschen in Bluejeans und Sporthemd, einen ungekämmten, schnell sprechenden wilden Knaben, der immer zu spät ins Atelier kam, mit einem Rennauto durch Paris raste, rote Ampeln überfuhr - einen Alain, über den man sich die ungeheuerlichsten Geschichten erzählte", schildert Romy Schneider ihren Liebhaber 1965 in der Zeitschrift "Quick". Die gemeinsamen Jahre sind auch die besten in der Karriere von Alain Delon: 1960 gelingt dem Herzensbrecher der Durchbruch mit dem Thriller "Nur die Sonne war Zeuge".

Im selben Jahr beginnt er seine Zusammenarbeit mit dem Erfolgsregisseur Luchino Visconti in "Rocco und seine Brüder", der 1963 der Film "Der Leopard" mit Claudia Cardinale und Burt Lancaster folgt. Viscontis Erfolgswerk gewinnt die goldene Palme in Cannes. Es bleibt die einzige Auszeichnung für Delon an der berühmten Croisette, denn anders als etwa Jean-Paul Belmondo wurde der Star nie für sein Lebenswerk in Cannes geehrt. Dafür gab es andere Preise: den französischen Filmpreis César und in Deutschland den Bambi, den goldenen Ehrenbär und die Goldene Kamera.

1963 ist auch das Jahr, in dem Delons Beziehung zu Romy Schneider auseinanderbricht. Immer öfter veröffentlichen die französischen Zeitschriften Fotos des Beau mit einer anderen Frau an seiner Seite: Nathalie Barthélemy, die später seine Frau und die Mutter seines Sohnes Anthony wird. "Bin mit Nathalie nach Mexiko. Alles Gute. Alain", lautet der kurze Abschiedsbrief Delons an seine Verlobte, die daraufhin einen Selbstmordversuch unternimmt. Die brutale Art und Weise, mit Romy Schneider einfach Schluss zu machen, passt zu dem geheimnisvollen Einzelgänger, der nie eine wirklich stabile Beziehung führte.

Das sind die "Bad Boys" des 20. und 21. Jahrhunderts FOTO: "Bad Boys" Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

"Sein Vater war immer abwesend. Delon hat also kein männliches Vorbild und wollte deshalb immer zeigen, dass er ein Mann ist", sagt Regisseur Kohly der Zeitschrift "Paris Match". Alain Delons Eltern lassen sich scheiden, als der Junge vier Jahre alt ist. Der Sohn kommt zu Pflegeeltern und verbringt viel Zeit im Gefängnis von Fresnes bei Paris, wo der Pflegevater Wärter ist.

Später fliegt der ungehobelte Teenager, dem der innere Aufruhr auf der Leinwand anzusehen ist, wegen schlechten Benehmens von mehreren Internaten. Nach einer Metzgerlehre beim Stiefvater zieht er noch minderjährig als Soldat in den Indochina-Krieg.

1957 folgt ohne richtige Ausbildung der erste Film "Killer lassen bitten". Wie ein Fisch ins Wasser sei er in seinen Beruf eingetaucht, erinnert Delon sich in einem Interview an seinen Karrierestart. Der Killer wird zur Paraderolle des Leinwandneulings, der schnell Erfolg hat in Frankreich. Unvergessen ist die Darstellung des Auftragskillers Jeff Costello in "Der Eiskalte Engel" 1967. Delon spielt darin den geheimnisvollen Jäger, der selbst zum Gejagten wird.

Romy Schneider - unvergessliche Bilder FOTO: dpa, UPI

Auch im wirklichen Leben wird der Schauspieler in dieser Zeit von der Justiz verfolgt, denn die Leiche seines Bodyguards Stefan Markovich wird in einem Sack in der Nähe von Paris gefunden. Der Ermordete soll versucht haben, mit Fotos von Delons Sexpartys Geld zu erpressen.

Ob der Schauspieler hinter dem Tod seines Angestellten stand, konnte nie geklärt werden. Doch der "männlichen Brigitte Bardot", wie die britische Presse ihn nennt, werden Kontakte zur Unterwelt und Drogengeschichten nachgesagt.

In den 70er und 80er Jahren spielt Delon noch in ein paar von der Kritik gelobten Filmen wie "Monsieur Klein" oder "Eine Liebe von Swann", kann aber nicht mehr an seine großen Erfolge anknüpfen. Nach 87 Filmen zieht sich der inzwischen grau gewordene Frauenschwarm 1999 aus dem Filmgeschäft zurück. Nur 2008 ist er in der Rolle des Julius Caesar in "Asterix bei den Olympischen Spielen" noch einmal im Kino zu sehen. Ansonsten lebt der zweifach geschiedene Vater dreier erwachsener Kinder allein auf seinem Anwesen südlich von Paris.

Von sich reden macht der Schauspieler nur noch, wenn er seine Freundschaft zum Gründer des rechtsextremen Front National, Jean-Marie Le Pen, bekennt oder gegen Homosexuelle wettert. Gesellschaft leisten Delon im Ruhestand keine Frauen mehr, sondern seine Hunde. 35 Gräber ließ er für seine verstorbenen Vierbeiner in den vergangenen Jahren bereits ausheben. Und in einer Kapelle neben dem Hundefriedhof will er selbst begraben werden.

Quelle: RP
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