| 16.19 Uhr

Falscher Sieger verkündet
Panne bei Oscars – Laudatoren bekamen falsche Karte

Laudatoren geben falschen Siegerfilm bekannt
Laudatoren geben falschen Siegerfilm bekannt FOTO: rtr, HB
Los Angeles. Fassungslosigkeit bei der Oscar-Verleihung: Das Laudatoren-Duo Warren Beatty und Faye Dunaway hat in der Königsdisziplin "Bester Film" den falschen Gewinner bekanntgegeben. Grund war offenbar eine Verwechslung der Umschläge. 

Waren Beatty öffnet den Umschlag mit dem Zettel, auf dem der mit Spannung erwartete Sieger in der Kategorie "Bester Film" steht – oder stehen sollte. Er blickt auf den Zettel, kramt nochmal im Umschlag herum, zögert einige Augenblicke und reicht den Zettel dann an seine Laudatoren-Kollegin Faye Dunaway weiter. Nichts Ungewöhnliches eigentlich – ein bisschen Spannung aufzubauen, gehört bei den Oscars zum guten Ton. Faye Dunaway liest schließlich den Namen des Films auf dem Zettel vor: "La La Land". 

Damit – so denken zu diesem Zeitpunkt noch alle – hat der Favorit den Preis geholt. Die Macher von "La La Land" strömen auf die Bühne, einer der Produzenten beginnt seine Dankesrede. Doch dann bricht auf der Bühne Unruhe aus. "La La Land"-Produzent Jordan Horowitz tritt nach vorn und sagt, es habe einen Fehler gegeben. Offenbar wurde er von den Veranstaltern darauf aufmerksam gemacht, dass es gerade eine schwere Panne gegeben hat. "'Moonlight', ihr Leute habt den besten Film gewonnen. Das ist kein Witz, 'Moonlight' hat den Preis als bester Film gewonnen", sagt Horowitz. Er hält die richtige Gewinnerkarte in die Kameras – darauf steht "Moonlight". Zuerst ungläubiges Staunen im Saal, dann verhaltenes Klatschen und schließlich lauter Jubel. Horowitz trägt es mit Fassung: "Ich bin stolz, den Preis an meine Freunde von 'Moonlight' zu übergeben", sagt er.

"Das ist wirklich so, keine Falschmeldung"

Fotos: Das sind die Gewinner der Oscars 2017 FOTO: dpa, his

Moderator Jimmy Kimmel bemüht sich umgehend, deutlich zu machen, dass das kein Scherz ist. Auch Beatty betont: "Das ist wirklich so, keine Falschmeldung". Er erklärt, er habe auf seinem Zettel "Emma Stone for 'La La Land'" gelesen, gestutzt und den Zettel deshalb an seine Mit-Laudatorin Faye Dunaway weitergegeben. Sie verkündete dann den falschen Sieger. Offenbar hielten die Laudatoren einen falschen Zettel in der Hand – nämlich den für die Kategorie, die unmittelbar zuvor bekanntgegeben worden war: "Beste Hauptdarstellerin".

Die Macher von "Moonlight" können kaum fassen, was gerade passiert ist. Überwältigt liegen sie sich in den Armen und stürmen dann die Bühne. Am Ende feiern beide Film-Crews gemeinsam den Oscar für "Moonlight" auf der Bühne.

Aber wie konnte der Fehler passieren?  Auf Bildern der Show ist deutlich zu lesen, was auf dem Umschlag in Beattys Händen steht: "Actress in a leading role" – also Hauptdarstellerin. Hinter der Bühne erzählte Emma Stone: "Ich habe meine Gewinnerkarte die ganze Zeit in den Händen gehalten." Aber es gibt zwei Karten für jede Kategorie – aus Sicherheitsgründen.

Es gibt immer zwei Umschläge pro Kategorie

Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) ist für die geheime Zählung und Auswertung der Stimmen der mehr als 6600 Mitglieder der US-Filmakademie zuständig. Wenn dies geschehen ist, werden zweimal 24 Karten gedruckt und in Umschläge verpackt. Ein vollständiger Satz Umschläge kommt in eine spezielle Aktentasche von PwC-Mitarbeiter Brian Cullinan, der andere Satz kommt in die Tasche von PwC-Mitarbeiterin Martha L. Ruiz. Sollte eine Tasche abhanden kommen, hat man immer noch die zweite.

Die beiden PwC-Mitarbeiter stehen mit ihren Aktentaschen an der Seite der Oscar-Bühne – einer links, einer rechts. Je nachdem, von welcher Seite ein "Presenter" auf die Bühne kommt, nimmt er einen Umschlag von Ruiz oder von Cullinan entgegen. Damit es dabei nicht zu einem Durcheinander kommt, ist die Preiskategorie vorne auf dem roten Umschlag aufgedruckt.

PricewaterhouseCoopers entschuldigte sich nach der Gala: Den Presentern seien versehentlich die Umschläge für die falsche Kategorie überreicht worden, heißt es in dem Statement der Wirtschaftsprüfer, die seit Jahrzehnten auch für die geheime Zählung und Auswertung der Stimmen bei der Oscar-Abstimmung zuständig sind. "Wir untersuchen derzeit, wie das passieren konnte, und bedauern zutiefst, dass das vorgefallen ist." 

Denkbar ist: Es wurden versehentlich beide Emma-Stone-Umschläge ausgehändigt. Einmal von links an Leonardo DiCaprio, der den Preis für die weibliche Hauptrolle verkündete, und einmal von rechts an Warren Beatty, der eigentlich den Umschlag für den besten Film erhalten sollte.

Mit "Moonlight" gewinnt nun also ein Film über das Heranwachsen eines jungen Schwarzen den wichtigsten Oscar der Nacht. Insgesamt bekam das Drama drei Oscars. Mahershala Ali gewann den Oscar als bester Nebendarsteller für seine Leistung in dem Drama "Moonlight". Darin spielt der 43-jährige US-Amerikaner einen Drogenhändler und Ersatzvater für den Protagonisten.

Am Ende der Oscar-Show nahm der sehr gute und von vielen im Internet gefeierte Moderator Jimmy Kimmel ironisch die Schuld auf sich: "Ich weiß, was passiert ist. Ich gebe mir selbst die Schuld. Ich wusste, ich würde diese Show vermasseln. Ich verspreche, ich komme nie wieder."

Wie die Oscar-Nacht verlaufen ist, lesen sie in unserem Liveblog.

(dpa)
 
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