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Köln
Can-Bassist Holger Czukay ist tot

Holger Czukay ist tot - Bassist von Can sah sich als Dilettant
Die Band Can: Irmin Schmidt (l-r), Jaki Liebezeit, Michael Karoli, Ulli Gerlach, Holger Czukay und vorne Damo Suzuki. Aufgenommen am 1. Dezember 1971 in Hamburg. FOTO: dpa, rf olg kde
Köln. Der 79-Jährige starb in der Nähe von Köln. Seine Band schrieb Musikgeschichte. Von Philipp Holstein

Als Holger Czukay sich Mitte der 60er Jahre an der Kölner Hochschule für Musik bei Karlheinz Stockhausen bewarb, sagte er: "Herr Stockhausen, ich kann gar nichts." Was er denn werden wolle, fragte Stockhausen. "Komponist", entgegnete Czukay. Da durfte er dann bleiben.

Holger Czukay sah sich ein Leben lang als Dilettant, dabei ist sein Werk eine der größten Inspirationsquellen zeitgenössischer Populärmusik. 1968 gründete der als Holger Schüring in Danzig geborene Bassist die Band Can - gemeinsam mit Irmin Schmidt, ebenfalls Stockhausen-Schüler. Can wurde in der Besetzung mit Jaki Liebezeit und Michael Karoli zur einflussreichsten deutschen Band nach Kraftwerk. Künstler wie Kanye West und Sonic Youth gehören zu ihren Bewunderern. Auf den LPs "Monster Movie" ('69), "Tago Mago" ('71), "Ege Bamyasi" ('72) und "Future Days" ('73) verhalfen sie deutscher Rockmusik zu Selbstbewusstsein. Sie wandten sich ab von den amerikanischen Gitarrenhelden, sie verehrten nicht Jimi Hendrix, sondern Edgar Varèse.

Im eigenen Land blieben sie zeitlebens Avantgarde, am populärsten waren sie, als sie die Titelmelodien zum Durbridge-Krimi "Das Messer" und zum TV-Ereignis "Das Millionenspiel" lieferten. Can entwickelten ihre Stücke aus der Improvisation, sie jammten in ihrem Studio in Weilerswist, und Holger Czukay war die Seele dieser Gruppe, er bediente das Studio - ein wenig so wie zeitgleich Brian Eno bei Roxy Music. "Nicht wir spielen die Musik, die Musik spielt uns", sagte er.

1977 verließ Czukay die Band, Can hatten ihre große Zeit da bereits hinter sich. Er arbeitete mit Peter Gabriel und den Eurythmics, und nachdem er Damon Albarn vorgeschlagen hatte, eine virtuelle Band zu gründen, entwickelte der die Gorillaz. Nun wurde der 79-Jährige tot in seiner Wohnung bei Köln aufgefunden. Sein schönstes Solostück stammt aus dem Jahr 1979 und heißt "Persian Love". Wer es sich anhört, mag begreifen, welch großer Komponist da gegangen ist.

Quelle: RP
 
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