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Getränke und Ernährung
Vorsicht, flüssige Kalorienbombe

Latte Macchiato, Limo und Säfte: Vorsicht, flüssige Kalorienbomben
Sie sehen schön aus, doch in Limonaden und Säften verstecken sich mitunter viele Kalorien. FOTO: Shutterstock/sutsaiy
Düsseldorf. Wer eine gute Figur haben will, achtet meist auf seine Ernährung. Gar nicht im Blick haben die meisten, was sie trinken. Was Sie über Latte Macchiato und andere Verlockungen wissen sollten. Von Tanja Walter

Immer nur Wasser – wie langweilig! Ein bisschen Abwechslung hat jeder gern, und auch Ernährungsexperten haben dagegen nichts einzuwenden. Das Problem allerdings: Oft ist Cola Dauerbegleiter über den Tag hinweg, Eistee das Hauptgetränk vieler Teenies und Saft die Verlockung, die Kinder zum Trinken animieren soll. Der Durstlöscher Wasser spielt oft nur eine kleine Rolle. Das hat Auswirkungen auf Gewicht und Gesundheit.

"Zuckergesüßte Getränke tragen nachweislich bei Erwachsenen dazu bei, das Übergewicht zu fördern", sagt Ernährungsexpertin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Während den meisten durchaus klar ist, dass der tägliche Konsum von Chips und Schokolade sich spätestens beim Gang auf die Waage zeigt, ist das bei O-Saft oder Latte Macchiato anders.

Flüssige Kalorien - fast so viel wie ein Mittagessen

Getränke gelten als gesund, sagt Gahl. Aus diesem Grund kommt Fruchtsaft auf den Mittagstisch und Kaffee neben die Bürotastatur. Gibt es zum Frühstück Cappuccino oder Milchkaffee, dazu ein paar Cornflakes mit Milch und später im Büro bis zum Mittag eine große Flasche Apfelsaft, hat man zwar noch nicht viel gegessen, aber schon viele Kalorien aufgenommen.

  • Rund 120 Kilokalorien fallen beim Milchkaffee an. Das entspricht in etwa dem Energiegehalt einer halben Banane oder einer Scheibe Toastbrot.
  • Fast 200 Kilokalorien fließen mit 200 Milliliter fettarmer Milch über die Cornflakes.
  • 350 Kilokalorien addieren sich durch eine große Flasche Apfelsaft hinzu.

In Summe sind das 670 Kilokalorien. So viel, wie ein durchschnittliches Mittagessen. Vor allem Zucker und Alkohol schrauben die Kalorienbilanz von Getränken nach oben. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, nicht mehr als 25 Gramm Zucker am Tag aufzunehmen. Das entspricht sechs Teelöffeln. "Alleine mit einem einzigen Glas Limonade überschreitet man beinahe diese Empfehlung", sagt Gahl. Auch Eistee oder viele sogenannte Sportgetränke gehören mit durchschnittlich vier Teelöffeln Zucker pro Glas nicht gerade zu den Schlankmachern.

Softdrinks - tückische Falle für stark Übergewichtige

Vor allem extrem übergewichtigen Menschen wird das zum Verhängnis. "Getränke sind eines der Hauptprobleme krankhaft Übergewichtiger", sagt Tanja Siekmann, Leiterin des Adipositas-Zentrums Niederrhein am Krankenhaus Neuwerk. Wenn sie gemeinsam mit ihren Patienten Ernährungstagebücher auswertet, finden sich dort oft große Mengen Cola und Limonade.

"Drei Liter täglich sind nicht ungewöhnlich", sagt sie. Bei 420 Kilokalorien pro Liter kommen die Betroffenen so auf 1260 Kilokalorien am Tag oder eine Menge von mehr als 90 Zuckerwürfeln täglich. Der durchschnittliche Tagesbedarf einer erwachsenen Frau mit sitzender Tätigkeit liegt laut der DGE bei rund 1800 Kilokalorien, der eines Mannes 2300 Kilokalorien.

Limo oder Saft - kalorienmäßig eigentlich egal

Fruchtsäfte stehen den gesüßten Softdrinks in ihrer Kalorienmenge in nichts nach, auch wenn sie als gesünder gelten. Ein Glas enthält so viel Fruchtzucker wie etwa sechs Würfel Zucker. Dabei spielt es keine Rolle, aus welchem Zucker die Kalorien stammen. Der einzige Vorteil hundertprozentiger Säfte: Sie enthalten kleine Mengen Ballast- und Mineralstoffe wie Natrium, Magnesium oder Kalium. Mit Vorsicht zu genießen sind daneben Fruchtsaftgetränke, die nur 25 Prozent Fruchtanteil, dafür aber mehr als zwanzig Gramm Zucker pro Glas enthalten. Bei Fruchtnektar ist zwar der Fruchtgehalt höher, der Zuckeranteil allerdings auch.

Verringern lässt sich der Kaloriengehalt, indem man statt purer Säfte Saftschorlen trinkt. "Diese sollte man selbst aus einem Teil Saft und drei Teilen Wasser mischen", sagt Sonja Denner, Ökotrophologin beim savita Gesundheits- und Bewegungszentrum in Mönchengladbach. Fertig gemischte Saftschorlen enthielten neben Konservierungsstoffen oftmals zusätzlich Zucker.

Wie Alkohol dick macht

Kritisch zu sehen sind neben zuckerhaltigen Flüssigkeiten auch alkoholhaltige Getränke. Bei der Verstoffwechselung hat Alkohol Vorrang vor Kohlehydraten und Fetten. Der Körper verbrennt ihn sofort. Dadurch wird weniger Energie aus fester Nahrung benötigt. Diese lagert er dann als Fett ein. "Alkohol bremst also die Fettverbrennung", sagt Denner. Darum sei ein Bier im Nachgang sportlicher Aktivitäten ungünstig. Zwei Bier mit Freunden sind 500 Kalorien zusätzlich. Je hochprozentiger oder süßer das Getränk, desto nachteiliger der Effekt.

Daneben warnt die Ökotrophologin vor mit Süßstoffen versehenen Getränken wie Light-Limonaden. Der Grund: Sie schmecken süß, ohne wirklich Energie zu liefern. Dadurch sei die Lust auf eine zuckrige Kalorienbombe hinterher umso größer.

Eindeutig gesünder und die beste Art den Durst zu stillen, ist Wasser zu trinken, so die Experten. Wer dabei nicht auf Abwechslung verzichten will, könne das Wasser in eine Karaffe füllen und täglich mit anderem Obst wie Erdbeeren, Äpfeln oder Zitronenstücken versehen. "Das sieht nicht nur schön aus, sondern bringt auch natürlichen Geschmack", sagt Siekmann.

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Keine Alternative bieten dazu sogenannte "Flavoured Water", die fertig im Handel zu bekommen sind. "Der Verbraucher denkt, er trinkt Wasser. Doch in Wahrheit beinhalten auch diese oft Zucker", sagt Denner. Mit einem großen Glas aromatisiertem Wasser nimmt man unbemerkt 19 Kalorien zu sich.

 
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