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Nettetal: Die Raute verbindet Brüder

VON MARC SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 04.11.2011

Nettetal (RP). Jannik und Kai Sorgatz sind Borussen-Fans. Zum Nicht-Abstieg hat der Jüngere der beiden ein Buch veröffentlicht. Den Erlös hat er dem Verein Kindertraum gespendet – als Dank dafür, dass der sich um seinen Bruder kümmert.

Jannik Sorgatz (links) hat ein Buch über den Nicht-Abstieg der Borussia geschrieben. Den Erlös spendete er nun dem Verein Kindertraum. Dieser ermöglicht es seinem Bruder Kai (Mitte), in der Jugendherberge zu arbeiten.  Foto:  Busch
Jannik Sorgatz (links) hat ein Buch über den Nicht-Abstieg der Borussia geschrieben. Den Erlös spendete er nun dem Verein Kindertraum. Dieser ermöglicht es seinem Bruder Kai (Mitte), in der Jugendherberge zu arbeiten. Foto: Busch

"So weit die Raute trägt" hat Jannik Sorgatz sein Buch genannt. Denn die Borussen-Raute spielt im Leben des 22-Jährigen Anrathers eine wichtige Rolle. Er ist Fan der Fohlen durch und durch – und das verbindet ihn mit seinem 25-jährigen Bruder Kai, der das Down-Syndrom hat und mit dem er häufig quer durch Deutschland zu den Auswärtsspielen gefahren ist. Von der Raute getragen sozusagen. Auf der Tribüne fiebern, leiden und jubeln die Brüder mit.

Seine Emotionen, aber auch die seines behinderten Bruders beschreibt Journalistik-Student Jannik Sorgatz in einem Blog im Internet als fesselnde Mischung aus Erfahrungs- und Spielbericht. "Was macht es mit mir als Fan?" ist dabei seine Leitfrage. Nicht jedes Spiel konnte Jannik im Stadion miterleben.

Info

Der Kindertraum

Der Verein Kindertraum fördert die Teilhabe behinderter und nicht behinderter Menschen in Schule, Ausbildung und Beruf. Das ungehinderte Zusammenleben, Lernen und Arbeiten von behinderten und nicht behinderten Menschen ist für ihn ohne Alternative.

Zusammenarbeit Der Verein kooperiert mit Schulen, kommunalen Partnern, behindertenspezifischen Einrichtungen und Arbeitgebern. Für die Ziele engagieren sich Eltern, Lehrer, Arbeitgeber und Mitarbeiter, Sozialpädagogen, Förderer und Sponsoren.

Doch irgendwie war er immer dabei – und wenn es per SMS-Benachrichtigung unter der Kaffeetafel beim Achtzigsten seines Opas war, als Gladbach gegen Stuttgart spielte. Vor allem Kapitel wie diese machen seine Berichte einzigartig.

Plötzlich wieder Hoffnung

Besonders die vergangene Bundesliga-Saison richtete bei Jannik und Kai – wie wohl bei allen Fans – ein wahres Gefühlschaos an. Borussia war so gut wie abgestiegen, doch dann keimte nach dem Sieg gegen Hannover wieder Hoffnung auf (Jannik Sorgatz bezeichnet es als "Wunder"), und der Student fasste den Entschluss: "Wenn's klappt, bringe ich meine Blog-Beiträge als Buch heraus."

Jetzt, einige Monate später, spielt die Borussia plötzlich oben in der Tabelle mit, und das Buch hat sich inzwischen mehr als 1000-mal verkauft. "Bei weniger als 200 verkauften Exemplaren wäre ich enttäuscht gewesen, aber mit über 1000 hätte ich wirklich nicht gerechnet", sagt Jannik bescheiden. Dabei hat sein Blog "entscheidend-is-aufm-platz.de" viele Anhänger, und auch in Fan-Foren verbreitete sich die Kunde schnell, dass es das Buch für 11,99 Euro zu kaufen gibt.

Die Tatsache, dass der Erlös einem guten Zweck zugutekommt, dürfte ihr Übriges zum Erfolg beigetragen haben: Die 718,74 Euro Gewinn, die inzwischen zusammengekommen sind, hat Jannik Sorgatz nun dem Nettetaler Verein Kindertraum gespendet.

Denn dieser ermöglicht es Kai Sorgatz seit 2009, in der Hinsbecker Jugendherberge zu arbeiten, statt seine Zeit in einer Behindertenwerkstatt zu verbringen. In der Küche geht der Marc-André-ter-Stegen-Fan voll und ganz in seiner Arbeit auf und ist sichtlich zufrieden.

"Dass ich den Erlös an den Verein spenden würde, war für mich sofort klar", sagt Jannik Sorgatz. "Ich sehe, was die Kai geben und was die Borussia ihm bedeutet. Durch die Spende kann ich nun etwas zurückgeben", erklärt der "Passiv-Fußballer", der im Rahmen seines Studiums zurzeit ein Volontariat beim Saarländischen Rundfunk in Saarbrücken macht und bereits als Schüler für die Kempener Ausgabe der Rheinischen Post schrieb.

Sein Blog sollte eigentlich eine Saison lang pausieren, "aber gerade jetzt, da es so gut für die Borussia läuft, juckt es schon in den Fingern", sagt Jannik Sorgatz. Spätestens zum Beginn der Rückrunde will er wieder loslegen. Zu erzählen gibt's sicher viel.

Quelle: RP/csr


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